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Lokales Schon die DDR hatte sich ein „Begrüßungsgeld“ ausgedacht
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12:58 10.11.2019
Auch Dirk Birgel, heute Chefredakteur der DNN, musste „Eintrittsgeld“ zahlen, als er Anfang der 1980er Jahre als Schüler in die DDR einreiste. Vom Ostgeld kaufte er sich eine solche Platte von Karat, die 16,10 Mark kostete. Quelle: HGR
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Die DDR hatte sich für den Empfang der Gäste aus dem Westen etwas Besonderes ausgedacht: Wer aus der BRD in die DDR einreisen wollte, musste einen Zwangsumtausch leisten. Der Aufenthalt wurde dann für so viele Tage erlaubt, wie gezahlt wurde. Dieses „Eintrittsgeld“, offiziell verbindlicher Mindestumtausch genannt, betrug zuletzt 25 West-Mark pro Nase.

Im Zuge der Finanzhilfe des Westens für den klammen Arbeiter- und Bauernstaat schaffte die DDR in den späteren Achtzigerjahren den Zwangsumtausch für Kinder bis 14 Jahre wieder ab, ist beim Historiker Hans-Peter Schwarz nachzulesen. Nach seinen Angaben war die Zahlung für die Knirpse erst 1980 auf 25 Euro „zur Drosselung des Reiseverkehrs“ erhöht worden.

Mindestumtausch soll DDR 4,5 Milliarden Westmark eingebracht haben

Der private Mindestumtausch soll demnach der DDR insgesamt 4,5 Milliarden Westmark eingebracht haben. Ähnliche Zahlungen gab es auch in anderen Ost-Block-Ländern für Westtouristen. Ungarn schaffte sie 1978 schon ab, wie die „Zeit“ dazu berichtete. Bulgarien und Rumänien verhielten sich ähnlich. In der DDR mussten über 16-Jährige zu diesem Zeitpunkt 13 Mark pro Tag tauschen.

Nach dem Bau der Mauer und der damit einhergehenden endgültigen Abriegelung der Grenzen der DDR hatten sich beide Staaten auf ein Passierscheinabkommen verständigt. Westdeutsche konnten damit in die DDR einreisen. Für Ostdeutsche galt dies natürlich nicht. Sie konnten erst als Rentner in den Westen reisen, in den letzten Jahren der DDR bei besonderen Familienanlässen auch davor.

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Schon die DDR hatte sich ein „Begrüßungsgeld“ ausgedacht

Was DNN-Autor Heiko Weckbrodt mit seinem Begrüßungsgeld gemacht hat

Begrüßungsgeld war keine Erfindung aus der Wendezeit

Ab 1. Dezember 1964 kassierte die DDR das Eintrittsgeld, mit fünf Mark begann es. Herbert Wehner (SPD) sprach im Bundestag von einer „Schweinerei“. Offiziell will die DDR damit angeblich „Missbrauch ihrer Währung“, „Schwindelkursen“ und „Währungsspekulationen“ entgegentreten, wie der Deutschlandfunk einmal berichtete. Im Westen würden sich die Besucher zu Kursen von 1:5 mit Ost-Geld eindecken, um in der DDR billig einkaufen zu können.

„Der Spiegel“ zitierte 1983 aus einer Argumentationshilfe für die Parteifunktionäre. Das SED-Zentralkomitee rechnete darin vor, die Kaufkraft der D-Mark sei „im Verlaufe von zwölf Jahren auf rund 54 Prozent gesunken“. In der DDR seien dagegen „die Preise stabil geblieben“, der „sozialistische Staat“ stelle dafür „steigende Mittel aus gesellschaftlichen Fonds“ zur Verfügung. Auch West-Touristen kämen bei Besuchen „in den Genuß dieses Vorteils der Sozialpolitik der DDR“.

Drei oder fünf Flaschen Radeberger pro Person

Ein Filetsteak von 5,20 Mark in der DDR koste den Besucher aus dem Westen dann nur etwa eine D-Mark. Trotz des Getöses kann getrost unterstellt werden, dass es der SED-Führung nicht zuletzt darum ging, die Deviseneinnahmen der DDR zu erhöhen. Angesichts stark subventionierter Preise in der DDR machte es bisweilen einige Mühe, den Zwangsumtausch auch auszugeben. Außerdem gab es sowieso nicht viel, in einem Land, in dem selbst in Radeberg das gleichnamige Bier nur nach langem Anstehen beschränkt auf drei oder fünf Flaschen pro Person verkauft wurde.

Ein Rücktausch des Zwangsumtauschs war grundsätzlich nicht vorgesehen. Der Umtausch erfolgte zum Kurs eine D-Mark gegen eine Ost-Mark. Inoffiziell wurde in der DDR Ostgeld zu Kursen von 1:5 bis gar 1:10 in Westgeld getauscht. Vor allem in Westberlin soll es in nennenswertem Umfang Tauschgeschäfte mit DDR-Mark gegeben haben. Angehörige der Alliierten, die an der Grenze nicht kontrolliert wurden, hätten sich da zu Kursen von 1:3 bis 1:10 mit „Alu-Chips“ aus der DDR eingedeckt – für eine Westmark bekamen sie also drei bis zehn Ost-Mark. Die Wende führte dann zu einem Weihnachtsgeschenk: Am 24. Dezember 1989 wurde der Zwangsumtausch in der Noch-DDR abgeschafft.

Liebe Leser,

einige Mitarbeiter der DNN haben über ihre Erfahrungen mit dem Begrüßungsgeld berichtet. Jetzt schlägt Ihre Stunde! Lassen Sie uns und die anderen Leser an Ihren Erlebnissen teilhaben. Schreiben Sie uns, wo Sie das Begrüßungsgeld erhalten und was Sie damit angestellt haben. Vielleicht haben Sie noch Fotos vom ersten Einkauf, dann schicken Sie diese gemeinsam mit ihrer kleinen Geschichte (bis zu 1000 Zeichen) mit an lokales@dnn.de oder die DNN-Redaktion, Dr.-Külz-Ring 12, 01067 Dresden. Betreff: „Begrüßungsgeld“ bitte nicht vergessen! Wir wählen dann die interessantesten Geschichten für die Veröffentlichung aus.Herzlichen Dank, Ihre DNN

Von Ingolf Pleil

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