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Lokales Schön, klug, weggesperrt – Schicksalsjahre einer Reichsgräfin
Dresden Lokales Schön, klug, weggesperrt – Schicksalsjahre einer Reichsgräfin
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14:54 23.01.2019
Eine 3D-Lasergravur mit einer der Gräfin Cosel nachempfundenen Abbildung. Diese war vor drei Jahren bei einer Ausstellung auf der Burg Stolpen zu sehen. Quelle: Arno Burgi/dpaZentralbild
Dresden

Am 7. Dezember 1704 kommt es in Dresden zu einer folgenreichen Begegnung. Dieser voraus geht zunächst ein großflächiger Brand in der Innenstadt: Auch das Palais des Finanzministers Adolph Magnus von Hoym steht in Flammen. Der sächsische Kurfürst August der Starke eilt herbei, um das Geschehen in Augenschein zu nehmen. Und ihm gefällt, was er zu sehen bekommt – nicht etwa die brennende Heimstatt seines Ministers, sondern dessen Ehefrau. Die Hausherrin hat sich bereits für den Abend hergerichtet, in vollem Ornat koordiniert sie die Eimerkette und hilft tatkräftig mit, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Der Kurfürst ist schlagartig völlig eingenommen von der zehn Jahre jüngeren Frau und lädt sie in seine Kutsche ein. So treffen sie sich zum ersten Mal, August der Starke und seine berühmteste Mätresse – Anna Constantia von Cosel.

„Diese Version ihres Kennenlernens wird als wahr angenommen“, weiß Diplomhistorikerin Claudia Friedemann. Freiherr von Hoym hat erst wenige Monate zuvor um ihre Hand angehalten. Am 2. Juni 1703 haben sie Hochzeit gefeiert und der Ehemann hat seine frisch Angetraute nach Dresden geführt. „Die Beziehung verlief jedoch nicht besonders glücklich, denn Herr von Hoym hatte schon eine Liebschaft im Hause, seine Haushälterin sozusagen“, erzählt die Geschichtskennerin über die Anfänge in der Elbestadt, „und das konnte die Cosel von ihrem Charakter her gar nicht ertragen.“

Am Ende war es wohl tatsächlich Liebe, die Anna Constantia und August zusammenbrachte. „Sie hat alles riskiert und alles verloren – Reputation, Titel, Mitgift“, führt Claudia Friedemann aus. „Letztendlich hat sie sich scheiden lassen, und das müssen Sie mal machen als Dame des Hofes in der damaligen Zeit, sich schuldig scheiden zu lassen und vor Gericht zu ziehen, damit Sie Ihren Mann loswerden, den ungeliebten.“

1707 wird Anna Constantia zur Reichsgräfin Cosel ernannt. Im Jahr darauf kommt ihre erste Tochter mit August zur Welt, Augusta Constantia. „Sie hatten eigentlich vier Kinder, aber der erste Sohn ist bei der Geburt gestorben“, ergänzt die Cosel-Expertin.

„Sie selbst ist dem Tod im Kindbettfieber gerade so noch einmal von der Schippe gesprungen. Da hat August sogar seine Reise nach Leipzig unterbrochen, um an ihr Krankenbett zu eilen und noch einmal ihre Hand zu halten. Also wenn die sich nicht geliebt hätten, hätte ein Herrscher sich diese Blöße nicht gegeben.“

1709 wird eine zweite Tochter, Friederike Alexandra, und 1712 ein Sohn, Friedrich August, geboren. Auf Letzteren – und nicht, wie man erwarten würde, auf seine Mutter – geht das sogenannte Coselpalais zurück. Während all der Jahre an Augusts Seite zeigt sich Anna Constantia politisch sehr interessiert und mischt sich offen ein, was nicht unbedingt zu ihrer Beliebtheit beiträgt. „Sie hat manches angestoßen, was dem einen oder anderen Minister nicht so recht war“, deutet Claudia Friedemann an.

Doch auch beim Kurfürsten, der neben Anna Constantia noch weitere Liebschaften pflegt, eckt die Gräfin mit der Zeit an. „Mit ihrer Eifersucht und ihrem Jähzorn ist sie August sicherlich manches Mal auf die Nerven gegangen“, ist sich die Wahl-Dresdnerin sicher.

Dass dabei nicht nur die Fetzen, sondern auch das Porzellan flog, sei überliefert. „Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sie die Zügel lockerer gelassen und mehr aus dem Hintergrund und weniger wie eine Königin agiert hätte, anstatt August mit ihren Ratschlägen und ihrer Kritik öffentlich bloßzustellen“, überlegt sie, „es war letzten Endes eine machtpolitische Entscheidung, die Cosel fallenzulassen.“

Später lässt August seine ehemalige Geliebte verhaften und auf die Festung Stolpen bringen, die Anna Constantia bis zu ihrem Lebensende, insgesamt 49 Jahre, nicht verlässt, auch nicht, als August 1733 das Zeitliche segnet. „Er konnte sie nicht wieder freilassen, weil er sonst sein Gesicht verloren hätte. Er war diesen Schritt einmal gegangen, da konnte er nicht wieder zurück“, erläutert Claudia Friedemann und stellt fest: „Dafür, dass sie die Frau war, die er mal so geliebt hat, ist ihr übel mitgespielt worden.“

Von Elena de F. Oliveira

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