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Sachsens Kirchen verzeichnen Verluste

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17:57 14.07.2021
Görlitz: Wolken ziehen am Himmel über den Türmen der Peterskirche in der historischen Altstadt auf.
Görlitz: Wolken ziehen am Himmel über den Türmen der Peterskirche in der historischen Altstadt auf. Quelle: ROBERT MICHAEL
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Dresden

Die beiden großen christlichen Kirchen haben im vergangenen Jahr in Sachsen weitere Mitglieder verloren. Dabei spielte auch die Corona-Pandemie eine Rolle, die Auswirkungen lassen sich an Gottesdienstbesuchen, Taufen und Bestattungen ablesen.

In der evangelischen Landeskirche ging nach Angaben vom Mittwoch die Mitgliederzahl von 663 525 auf 647 238 und damit um rund 16 000 zurück. In dem bis nach Ostthüringen reichenden Bistum Dresden-Meißen ist die Zahl der Katholiken noch einmal um knapp 1100 gesunken - von 140 363 auf 139 269. Nur das Bistum Görlitz verzeichnet mit 29 790 „Schäfchen“ Ende 2020 erneut einen Zuwachs. Die Landeskirche verwies auch auf die Auswirkungen der Pandemie: mit rund 15 000 Protestanten starben deren Angaben nach gut 2000 mehr als 2019. Die Austrittszahl lag mit 6627 unter dem Niveau des Vorjahres (7727). Die Entwicklung sei eine große Herausforderung, weil Gemeinden und Einrichtungen mit weniger Geld und Personal auskommen müssten, sagte Landesbischof Tobias Bilz. Er sehe „mit großer Sorge“ vielerorts Überforderung.

Missbrauch und fehlende Glaubwürdigkeit als Hauptprobleme

„Wir müssen neu schauen, was mit weniger Mitteln und Menschen gut zu leisten ist und Kräfte und Energien vielleicht auch ganz neu ausrichten.“ Die Verluste im Bistum Dresden-Meißen waren diesmal geringer und wurden durch die anhaltenden Zuzüge katholischer Christen „etwas abgemildert“. Allerdings wandten sich weitere 1712 Katholiken von ihrer Kirche ab und traten aus, aber fast 500 weniger als 2019. Zudem wurden 35 Neu- und elf Wiedereintritte verzeichnet. Die Zahl der Gottesdienstbesucher sank auch hier coronabedingt von 15,4 auf 9,8 Prozent. Mit 541 Kindern und Erwachsenen wurden fast 300 Christen weniger getauft und 100 (2019: 493) weniger gefirmt - und mit 950 Gemeindemitgliedern 23 mehr bestattet. Die Menschen machten sich die Abkehr-Entscheidung nicht leicht, sagte Bischof Heinrich Timmerevers.

Als Gründe würden ihm die Aufarbeitung beim Thema Missbrauch, die Strukturveränderungen oder die Glaubwürdigkeit bei Geschlechter-Gerechtigkeit und der Umgang mit LGBT genannt (LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender). „Viele Beweggründe kann ich gut nachvollziehen und schmerzen mich selbst.“ Er erwartet weitere Impulse vom Synodalen Weg in Deutschland und der Weltkirche sowie „behutsame und fundierte Schritte nach vorn“.

Zuwachs erneut im Bistum Görlitz

Das Bistum Görlitz indes verzeichnet erneut einen Zuwachs, um 179 Katholiken. Dort steigen die Mitgliederzahlen seit Jahren vor allem durch Zuzüge aus Polen nach Görlitz und 2020 weiter auf 29 790. So stammt in der größten Pfarrei in Görlitz knapp die Hälfte der Gemeinde aus dem Nachbarland. Die Zahl der Gottesdienstbesucher, die zuvor bei etwa 20 Prozent lag, hat sich indes fast halbiert. Auf dem Gebiet des Freistaates gab es Ende 2020 insgesamt 698 486 Protestanten und 150 362 Katholiken. Darunter waren auch 19 662 Gläubige in Gemeinden, die zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gehören sowie 31 586, die zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschland zählen. Zudem lebten 4698 Katholiken in Pfarreien, die zum Bistum Magdeburg gehören, und 15 254 Gläubige des bis nach Südbrandenburg reichenden Bistums Görlitz.

Von dpa