S-Bahn-Kontrolleure in Dresden attackiert - Angreifer verurteilt
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Lokales Schrecken der Dresdner Kontrolleure: Schwarzfahrer rastete aus
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S-Bahn-Kontrolleure in Dresden attackiert - Angreifer verurteilt

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12:54 28.10.2020
Symbolfoto Quelle: Sonja Wurtscheid/dpa
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Dresden

„Ich habe jetzt ein ganz anderes Arbeitsverhalten. Früher bin ich entspannt durch den Zug gelaufen, heute habe ich Angst, dass mich jemand angreift oder würgt“, erklärte Marcel B. im Amtsgericht. Chris S. äußerte sich ähnlich, auch er habe jetzt mitunter ein komisches Gefühl. Beide sie sind Zugbegleiter, haben Pawel B. ohne Fahrschein in der S-Bahn erwischt und wurden von ihm übel attackiert. S. wurde 2019 beleidigt und angespuckt, sein Kollege in diesem Jahr verletzt und beraubt.

„Ich bin immer nur zur falschen Zeit am falschen Ort“

„Er hatte kein Ticket, sagte aber, dass er zahlen wolle. Als ich die Polizei anrief, weil er keine Ausweispapiere hatte, sprang er plötzlich auf mich zu, stieß mich zu Boden und würgte mich“, erinnerte sich Marcel B. Dem Kontrolleur gelang es sein Pfefferspray einzusetzen, doch der Angreifer schlug ihm das Handy aus der Hand, rannte weg und verschwand aus dem Zug. Das Telefon wurde später bei ihm gefunden. Das Pawel B. sich nicht ausweisen und nichts mit der Polizei zu tun haben wollte, ist bei seinem Strafregister verständlich.

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Er räumte die Vorwürfe, wenn auch halbherzig, ein: Ja, er habe das gemacht. Schuld sind aber irgendwie immer die anderen. „Ich bin immer nur zur falschen Zeit am falschen Ort“.

Probleme, Knast, Heroin

Der 36-jährige Russe kam vor 17 Jahren nach Deutschland, lebt noch immer bei den Eltern, hat sich nie um Wohnung oder Arbeit gekümmert. Er wolle ja arbeiten, aber immer sei etwas dazwischen gekommen – Probleme oder „Knast“, erklärte er. Als er doch einmal den Weg zum Amt fand, hatte das zu. Pech aber auch. Wie und wo er an Heroin kommt, hat er schnell begriffen. Er sei süchtig, habe mal eine Therapie „probiert“, die aber dann gelassen.

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Wegen Raubes, Körperverletzung, Beleidigung und Schwarzfahren wurde er zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Zudem muss er zur Suchtberatung. Die Staatsanwaltschaft hatte die gleiche Strafe gefordert – ohne Bewährung. Zufrieden und mit einem breiten Grinsen verließ Pawel B. das Gerichtsgebäude.

Von Monika Löffler