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Lokales Rund 40.000 Menschen in Sachsen stottern – Der Verein MuSe hilft
Dresden Lokales Rund 40.000 Menschen in Sachsen stottern – Der Verein MuSe hilft
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12:20 27.02.2019
Stefan Crawcour gibt den anderen Mitgliedern Tipps aus seiner langjährigen Erfahrung. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Etwa einem unter 100 Erwachsenen in Deutschland gelingt nicht, was den meisten selbstverständlich erscheint: flüssig zu reden. In Dresden widmet sich seit fast sechs Jahren der Verein MuSe e.V. diesem Problem und versucht Betroffen im Rahmen eines Sprechtrainings Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Jeden dritten Montag im Monat trifft sich die Gruppe und übt auf verschiedene Art und Weise das flüssige Sprechen.

„Wir möchten Möglichkeiten aufzeigen und Menschen motivieren, an sich zu arbeiten“, erzählt Vereinsmitglied Robert Förster. „Dabei ist jeder willkommen, der Sprachprobleme hat, also stottert, stockt, unsicher ist oder neue Anstöße für das Reden vor Massen sucht.

„Die Angst überwinden“

Die Teilnehmer finden laut eigenen Angaben bei den Treffen Raum, um ihre Sprechängste jeglicher Art abzubauen und mit ihnen zu experimentieren. „Und die Angst vorm Sprechen betrifft eben nicht nur stotternde Menschen“, so Michael Winkler. Der 43-Jährige stottert, seit er Kind ist. „Es gilt, diese Angst zu überwinden – unter anderem eben beim Sprechtraining oder sonstigen Angeboten des Vereins.“ Mit Impro-Theater, Kurzvorträgen oder anderen Ideen sorgen die Initiatoren für spontane Reaktionen und spontanes Sprechen – danach gibt es Feedback und Tipps.

„Man muss sich selbst Zeit geben, zu reden. Wir stehen alle unter einem selbst gemachten Zeitdruck – hier können wir mal bewusst unser Sprechtempo runterfahren“, erklärt Stefan Crawcour, der selbst stottert, seitdem er denken und sprechen kann.

Viele Herausforderungen im Alltag

Die alltäglichen Probleme, auf die man stößt, haben natürlich alle mit Kommunikation zu tun. Ein Telefongespräch, eine Bestellung beim Bäcker – all das kann für Betroffene zur Herausforderung werden. „In bestimmten Situationen kann man sich auch einfach nicht richtig ausdrücken, so dass man lieber gar nichts oder nicht viel sagt“, erklärt Jens Krimmling.

Wie es sich anfühlt, zu stottern? „Bei einem sogenannten Block, wenn kein Wort heraus kommt, ist es so, als würde man mit dem Kehlkopf gegen eine Wand drücken. Es geht einfach nicht weiter, egal, wie man sich bemüht“, beschreibt Krimmling. „Stottern kann daher auch Vortragsängste begünstigen oder sogar intensiveren. Menschen, die vom Stottern betroffen sind, tendieren daher dazu, stärkere soziale Ängste zu entwickeln“, erklärt Stefan Crawcour. Wenn der generelle Kontakt zu Menschen dadurch behindert wird, könne es durchaus auch zu Störungen in der sozialen Entwicklung und somit auch zu gravierenden Selbstwertproblemen führen.

Gelassenes Zuhören entspannt

Auch die Zuhörer sind manchmal im Umgang überfordert. Der Verein rät in solchen Situationen, sich ganz normal zu verhalten und Blickkontakt zu wahren. Zudem sollte man die stotternde Person ausreden lassen und keine Wörter ergänzen – das wirke demütigend. „Man fühlt sich dadurch schlichtweg entmündigt“, beschreibt Stefan Crawcour das Gefühl. Ein gelassenes Zuhören könne die Situation entspannen.

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Auch der eigene Umgang der Betroffenen mit sich selbst sei wichtig: „Umso offener man damit umgeht, umso lockerer ist auch der Gesprächspartner“, findet Michael Winkler. „Wenn ich beispielsweise erwähne, dass ich stottere, fühle ich mich entlastet. Das stieß schon öfters auf positive Resonanz“, erzählt er weiter. „Ich schloss daraus, dass dieses „Zugeben“ der Schwäche auch den Gegenüber entlastet und das Gespräch lockerer wird.“

Akzeptanz ist das Wichtigste

Ist Stottern ein Tabuthema? In der Runde ist man sich einig – ja, irgendwie ist es schon eines. „Das liegt aber auch an den Stotternden selbst, weil zu wenig darüber geredet wird“, findet Michael Winkler. Oft werde es nämlich vom Gegenüber akzeptiert – aber der Stotternde selbst verspüre oft Druck, wenn er nur an das Reden denkt.

Sicher sei, dass die Sprechtechnik allein jedoch nicht ausreicht, um das Stottern langfristig zu verbessern. „Akzeptanz ist vielleicht das Wichtigste, denn das verändert bereits etwas im Kopf“, sagt Michael Winkler. Stefan Crawcour nickt zustimmend: „Richtig, in erster Linie gilt es Akzeptanz für das Stottern zu gewinnen und es sogar im Rahmen der eigenen Stärken wahrzunehmen. Dies erfordert viel Mut.“

Michael Winkler hat es geholfen, seinen persönlichen Vorteil im eigenen Stottern zu erkennen: „Stottern entschleunigt die Kommunikation des Stotternden und des Zuhörers. Wenn man nun den Nutzen des Stotterns sieht, in erster Linie für sich selbst, fällt vielleicht irgendwann die negative Konnotation Stück für Stück weg.“

https://www.verein-muse.de/

Von Annafried Schmidt

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