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Lokales Riechen, schmecken, staunen – Grundschüler entdecken den botanischen Garten
Dresden Lokales Riechen, schmecken, staunen – Grundschüler entdecken den botanischen Garten
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13:48 26.06.2019
Die Dresdner Schüler Emil, Tarik, Tino und Fabian (v.  l.) probieren an der frischen Petersilie, am Basilikum, am Rosmarin und Schnittlauch ihren Geruchssinn aus. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Für die Schüler der dritten Klasse der 117. Grundschule hieß es am Dienstagvormittag: Schulbücher zu und ab nach draußen! Denn sie durften im Nutzpflanzbeet des Botanischen Gartens ihre Sinne auf eine Entdeckungstour ins Reich der Lebensmittel schicken. Begleitet wurden sie dabei von Sophie Philipp von der Verbraucherzentrale Sachsen. Letztere feiert 2019 ihr 25-jähriges Jubiläum im Bereich der Ernährungsbildung.

„Ich freu mich, dass wir endlich mal rauskommen“

Diese stand nun auch im Botanischen Garten im Vordergrund. Die Schüler liefen dabei verschiedene Stationen ab. Zum Beispiel zum Tastsinn: Zitronen, Eier, Walnüsse und mehr waren in Boxen und kleinen Säckchen versteckt – die Kinder sollten, ohne hineinzuschauen, herausfinden, worum es sich beim jeweiligen Objekt handelt. An einer anderen Station ging es ums Riechen. Pflanzen, wie Basilikum, Schnittlauch und Petersilie, sollten über ihren Geruch mit den jeweils passenden weiterverarbeiteten Kräutern in Verbindung gebracht werden. Andere Stationen beschäftigen sich mit Geschmack und Gehör. „Es geht darum, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel mit allen Sinnen zu erleben und sich Zeit für Frische und fürs Essen zu nehmen.“, erklärt Philipp.

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Das sei gerade heutzutage, wo viele Lebensmittel industriell hochverarbeitet werden, von Bedeutung. Egal, an welche Station es ging – den Kindern hat es sichtlich Vergnügen bereitet. „Das macht ganz doll Spaß“, schwärmte eine Schülerin begeistert. „Ich freu mich, dass wir endlich mal rauskommen“, ergänzte ihre Klassenkameradin.

Solche Begeisterung sei kein Einzelfall, weiß Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen, zu berichten. Es werde oft davon gesprochen, dass jungen Menschen das Interesse fehle – er se­he immer wieder das genaue Ge­genteil. „Wir erleben über alle Altersgruppen hinweg den Ehrgeiz, alles herausfinden zu wollen.“, sagt er. Jährlich finden in Sachsen über 500 solcher Veranstaltungen zur Ernährungsbildung statt. Dabei sind die Zielgruppen sehr unterschiedlich: von Schülern über Studenten bis hin zu Senioren ist alles dabei.

Das ganze Jahr for future?

Die Nachfrage nach entsprechender Beratung sei sehr hoch – besonders an Schulen, erklärt Uta Viertel, Referatsleiterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Sachsen. Daher sei ein nächstes Ziel, die Lehrerschaft über Fortbildungen zur Ernährungsbildung zu befähigen. Mit dem Landesamt für Schule und Bildung ar­beite man dahingehend bereits zusammen.

Auch für Eichhorst reicht die Bedeutung derartiger Projekte noch weiter. In der Ernährungsberatung sehe er vor allem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. „Das ist unsere Zukunft“, betont er im Hinblick auf die Schüler der 117. Grundschule. Es solle nicht nur „Fridays for future“ sondern „das ganze Jahr for future“ heißen, stellt er klar. Ohne Förderung sei ein solches Ziel aber nicht zu verwirklichen. Besonders dankbar zeigt sich der Vorstand daher gegenüber dem Staatsministerium für Soziales, als Zuwendungsgeber und den Abgeordneten, die diese bewilligen. 350.000 Euro gehen jährlich an das landesweite Projekt.

Die Verbraucherzentrale Sachsen verbinde übrigens auch an anderer Stelle Umwelt- und Verbraucherschutz, erklärt Eichhorst, so zum Beispiel im Hinblick auf die Kennzeichnung regionaler Produkte und das Tierwohl. Für die Grundschüler indes hat sich der Tag allemal gelohnt. Sie durften nach der Veranstaltung noch eine Führung durch den botanischen Garten genießen.

Von Carl Gruner