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Lokales Wo die Feuerwaffen funkeln werden: Die Arbeiten am Langen Gang schreiten voran
Dresden Lokales Wo die Feuerwaffen funkeln werden: Die Arbeiten am Langen Gang schreiten voran
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11:09 06.09.2019
Visualisierung der künftigen Gewehrgalerie im Langen Gang. Quelle: SIB
Dresden

Aller Augen sind auf das Paradegeschoss des Dresdner Schlosses gerichtet. Am 28. September werden die rekonstruierten Räume, zu denen der Eckparadesaal, das Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer gehören, eröffnet. Mit dem Herzstück der Residenz, seinen authentischen Ausstattungsstücken und prunkvollen Neuschöpfungen wird das Schloss nun tatsächlich zum Schloss. Es zeigt, wo und wie die Wettiner repräsentiert und regiert haben. Aber mit diesem Höhepunkt des Wiederaufbaus ist die Anlage noch immer nicht vollendet.

100 Meter misst der Lange Gang mit seiner wiedergeschaffenen Holz-Kassettendecke. Dieser neue Ausstellungsteil der Rüstkammer hat auch seine Fenster zurückerhalten. Quelle: Anja Schneider

Etwas im Schatten des bejubelten 300. Hochzeitsjubiläums von Kurprinz Friedrich August und der österreichischen Erzherzogin Maria Josepha, das den Termin für die Vollendung der Paradesäle vorgibt, wird auch am Langen Gang fleißig gearbeitet. Die Verbindung zwischen dem fürstlichen Wohnort Georgenbau und dem Stallgebäude (Johanneum, das heutige Verkehrsmuseum) soll im Frühjahr 2020 als ein weiterer Teil der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eröffnet werden. Mit dem 100 Meter langen und etwas weniger als fünf Meter breiten Raum wird also das Schloss als Museum vervollkommnet. Zwar sind hier keine 300 Firmen tätig wie am Paradegeschoss, sondern „nur“ etwa 30, sagt Ulf Nickol, Leiter der Niederlassung Dresden I des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB), das den Schloss-Wiederaufbau betreut. Aber Handwerker und Restauratoren lassen an diesem, zu Unrecht unscheinbar wirkenden Ort ein interessantes Stück Historie entstehen.

Ursprüngliches Farbbild des 16. Jahrhunderts freigelegt

Errichtet zwischen 1586 und 1590 als Reitstall mit Platz im Obergeschoss für das Zaumzeug und Publikum für die Turniere, gehört der Lange Gang zum Renaissanceteil des Schlosses, von dem es kaum originale Ausgestaltungen gibt. Schlossbrand und Krieg haben ganze Arbeit geleistet. Die Denkmalpflege ist glücklich über jedes originale Fragment. Umso größer die Überraschung der Restauratoren. In den Fensternischen entdeckten sie originale Wandbemalungen aus der Erbauungszeit. Die unterschiedlich erhaltenen Motive wurden freigelegt und ergänzt und zeigen nun das ursprüngliche Farbbild des 16. Jahrhunderts. Eine kleine Sensation.

In den Fensternischen wurden originale Renaissance-Ausmalungen entdeckt. Quelle: Anja Schneider

So korrespondieren die Nischenausmalungen jetzt mit der prachtvollen Holz-Kassettendecke aus der gleichen Zeit, die allerdings eine Neuschöpfung ist. Das gesamte Erscheinungsbild des Langen Ganges solle das von 1733 sein, erklärt Nickol, die Phase, als sich August der Starke hier seine Gewehrgalerie schuf. Die Renaissance-Decke hatte der Barockfürst bei seinen Plänen nicht angetastet. Sie ging erst 1945 in Flammen auf. In der Regel dienen Fotografien, Kupferstiche oder Vergleiche mit anderen Bauwerken als Rekonstruktionsvorlage. Auch die Sgraffiti im großen Schlosshof und aktuell die farbigen Renaissance-Fresken des Altans müssen so wiedererstehen. Zurzeit werden die biblischen Motive für die vier Etagen der Loggia unter dem Hausmannsturm in der Schützkapelle gemalt. Die Übertragung auf die Wand soll im kommenden Jahr beginnen, sagt Ulf Nickol.

Doch zurück zum Langen Gang. Da, wo die Bemalung der Fensterwölbungen aufgetaucht ist, befinden sich jetzt auch wieder Fenster. Sie waren im 20. Jahrhundert zugemauert worden. Wer am Fürstenzug entlangschlenderte, konnte im oberen Teil Fensterumrisse erkennen, die alle mit Fliesen verkleidet waren. Nun ist jedes zweite Fenster wieder offen, alternierend dazu gibt es die Fenster zur Stallhofseite. Nickol erläutert: Neun Fenster auf jeder Seite, dazwischen in den zugemauerten Nischen die Ausstellungsvitrinen, deren Exponate vom gegenüber hereinfallenden Tageslicht beschienen werden. Hinter den Vitrinen sind die Reste der Ausmalungen bewahrt.

Keine Klimatisierung, aber Fußbodenheizung

Allen Fenstern werden Butzenscheiben vorgesetzt. Mundgeblasene Kugelformen in Bleiglas gefasst – so sah die Erfindung der Fensterscheiben aus. Kleine Segmente aus Klarglas lassen den Blick nach draußen zu. Glücklicherweise war bei der Zerstörung des Schlosses im Zweiten Weltkrieg die Nordseite des Langen Ganges stehengeblieben und somit zugleich das Fliesenbild des Fürstenzuges. Damit ihm auch weiterhin nichts geschieht, muss in diesem künftigen Museumstrakt auf Klimatisierung verzichtet werden. „Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede würden die Fliesen belasten“, betont Nickol. Eine Fußbodenheizung sorge im Winter für eine Temperatur von 15 bis 18 Grad. Im Sommer soll sie fünf Grad unter der Außentemperatur liegen.

Bald können Besucher auch die Sgraffiti im großen Schlosshof besichtigen Quelle: Anja Schneider

Eine helle breite Holzdielung ist bereits verlegt worden. In diesem Zusammenhang erinnert der Niederlassungsleiter des Staatsbaubetriebes daran, wie notwendig die Sanierung war. Nachdem das Verkehrsmuseum mit seiner Schiffsausstellung aus dem Langen Gang ausgezogen war, hat man hier Hohldielen mit Stahldrähten entdeckt, die bereits rosteten. Das Farbmuster für den hellgrauen Wandanstrich und beigefarbene Sockel unter den Fenstern zeigen an, wie es weitergeht. Auch zwei Mustervitrinen in Hell- und Dunkelgrau sind zu sehen. Man habe sich für die hellere entschieden, so Nickol. In den Vitrinen werden rund 500 prächtige Feuerwaffen der sächsischen Kurfürsten funkeln, Büchsenmacherkunst auf höchstem Niveau aus der größten Sammlung an königlichen Jagd- und Sportfeuerwaffen des Barocks in Europa. Dazwischen werden einige Gemälde aus der Ahnengalerie der Wettiner zu sehen sein. Zu den Baumaßnahmen gehört auch der Umbau der „Jagdtreppe“, die den Langen Gang mit dem Georgenbau verbindet. Sie ist Fluchtweg und ermöglicht durch einen Aufzug den barrierefreien Zugang. Der Besuch der Feuerwaffenpräsentation wird vom Georgenbau aus durch die Ausstellung „Weltsicht und Wissen“ erfolgen.

Einige wichtige Räume fehlen noch

Noch in diesem Herbst, sagt Nickol, beginnen auch Arbeiten am großen Schlosshof. Zunächst soll ein Drittel der Fläche gepflastert und mit Kandelabern beleuchtet werden, damit Besucher vom kleinen in den großen Schlosshof gehen und die Sgraffiti besichtigen können. Voraussichtlich im Sommer 2020 soll es dann auch endlich ein Schlossrestaurant geben. Im Untergeschoss des Nordflügels ist unterm Kreuzgewölbe zumindest schon mal der Estrich verlegt. Interessenten für die Gastronomie seien vorhanden, so Nickol. Es könnte hier also schnell weitergehen. Nicht zuletzt fehlen auch so wichtige Räume wie der Propositionssaal und der Große Ballsaal noch. Sie waren zurückgestellt worden. Geplant hatte das SIB ihre Fertigstellung eigentlich schon für 2013. Noch gar nicht erwähnt wird die Gotische Halle. „Sie ist sehr sensibel“, sagt Nickol, „und kommt erst ganz zum Schluss dran“.

Von Genia Bleier

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