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Lokales Reggaehasenrasen von 6 bis 66: Yellow Umbrella feiern 25. Geburtstag
Dresden Lokales Reggaehasenrasen von 6 bis 66: Yellow Umbrella feiern 25. Geburtstag
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14:06 07.10.2019
Yellow Umbrella Quelle: PR / Marcus Engler
Dresden

Das Schlangestehen am Eingang beim ausverkauften Jubiläum von Yellow Umbrella hat Sinn: Denn man kann sich gut – und gerne im Vergleich zu den parallelen Jubelarien am Altmarkt – die Bedeutung der alten Jugendklubdame namens Scheune für Dresdner Kulturwelten, vor allem in Vor- und Wendezeiten inklusive der folgenden Utopie einer Bunten Republik Neustadt, erlesen.

Denn genau hier feiert am Sonnabend die Urdresdner Band, die als Studentencombo die ersten großen TU-Campuspartys, damals, weit vor Bologna, noch echte Orgien mit einer entspannten und demokratisch gesinnten Zukunftselite, rasch große Popularität genossen und später trotz erfolgreicher Brotjobs sich immer wieder neu (und vor allem: zusammen) fand, ihr erstes Vierteljahrhundert. Wobei ein genaues Datum der Bandgründung nicht ganz klar erfragbar bleibt. Es deutet aber alles auf Januar 1994 hin – also feiert man hier (im Gegensatz zum jungen Kulturpalast), zwar nicht genau, aber wenigstens nicht zu früh.

Publikum lief zur Hochform auf

Und auch das Publikum, dank einiger Bandkinder (und vielleicht auch Eltern), zu deren Gunsten eigens der erfolgreiche Reggaehase Boooo (mit vier o) erfunden ward, der inzwischen rund ein Drittel aller Konzertbuchungen ausmacht, in der Alterspyramide ungefähr von sechs bis 66 reichend, von Frankreich bis Polen anreisend und welches sichtlich quer durch alle Schichten von Musikfreunden reichte, lief zur Hochform auf: Der Saal wurde von der Gemeinde engstens bis rasend betanzt und besungen, wobei das Potpourri durch die Bandgeschichte weder chronologisch noch thematisch, sondern eher partyartig spontan war, wobei man immer wieder geheim gehaltene Gäste zu deren Lieblingssongs aus dem Repertoire einlud.

Besonders auffällig dabei: Mr. Longfingah aus Berlin, Josh Stadlmaier aus Aichach, Daniel Broman aus Kopenhagen und Longfinger und Veronika Voit-Kralacek aus Dresden, die Songs wie „Germaican“, „The Answer“, „I will“ oder gar „Josephine“ gaben.

Hehre Gästeschar und neue Songs

Gleich am Anfang bringt Fahrer Rajko eine Eistorte zum Kerzenausblasen, dann wird Bassist Jürgen Kalkschies (natürlich leicht älter als das Septett) als echtes Geburtstagskind gefeiert und der ganze Saal mit einigen gefüllten Zahlengirlanden, sogenannte Pinatas, die als „25“ über den Köpfen des Publikums hängen, mit Losen beglückt und mit Konfetti verwüstet. Neben der hehren, mindestens neunköpfigen Gästeschar unterscheidet dies den Abend von den fast alljährlichen Herbstheimspielen, die auch mal im Beatpol (wie Dezember 2018) oder im Alten Schlachthof wie zur jüngsten Release-Party des aktuellen Albums „Hooligans of Love“ (November 2016) oder so wie jüngst beim Hutball oder dem letzten Inselfest zu Laubegast stattfinden. Und es gab insgesamt sechs neue Songs für das nächste Bandlebensdrittel.

Wie gewohnt immer exzellent bis stilprägend: die Einsätze der dreiköpfigen Bläsergruppe mit Benard Lanis an Tenorsaxophon wie Klarinette, Germi Riess an Trompete und Thomas Hellmich an der großen Posaune aufwertet. Bei den neuen Songs haben Andreas Wendland, seit 2017 neu an der Gitarre, Jürgen Kalkschies am Bass mehr Arbeit und Schlagzeuger Gero Dumrath mehr Arbeit.

Zwei vor Zwölf finito

Der Schluss ist bekannt: ein ewiges Medley, beruhend auf „Your Love is my Love“, bei dem man sah, dass man in diese Musikart beliebig viel einbetten kann, zum Beispiel Nirvana, Alphaville, Sting oder Bob Marley – diesmal vor allem von den Gästen geträllert, wobei Stadlmaier als Dienstältester geschickt den wichtigen Status von gelben Schutzschirmen betonte.

So ist erst Zwei vor Zwölf finito – und draußen auf der rauen wie lauten Partymeile auf dem Scheunevorplatz, wo nebenher nur unterkomplexe Dubmusik dröhnt, wartet bereits zum Sonntagmorgen der nächste Happy-Birthday-Gesang, gekreischt von jungen Damen, aber weit unschöner als zweieinhalb Stunden zuvor drinnen. Die comboeigene Silberhochzeit klang für die Schirmgemeinde weit später stilecht im neuen „Madness“ aus – und um die Zukunft solcher Feiertage braucht man sich generell keine Gedanken zu machen. Unter den neuen Songs zeugt vor allem die zweite Zugabe „The day you‘ll come back“ von Kreation neben Arterhalt und macht Hoffnung auf weitere neue Facetten bis zum 50.

Ach so: Die Scheune feiert den 70. Republikgeburtstag am Montag mit den grandiosen „Jazzfanatics“ bei freiem Eintritt, während „Der neue Kulturpalast“ die alte „Legende vom Dixieland“ für 30 Euro neu erzählt.

Netzinfos: www.yellowumbrella.de

Von Andreas Herrmann

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