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Lokales Radverkehrs-Experten tagen in Dresden
Dresden Lokales Radverkehrs-Experten tagen in Dresden
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07:46 13.05.2019
Der ADFC fordert mehr Platz für Radfahrer in den Städten und beklagt eine zu zögerliche Umsetzung. Quelle: Uli Deck/dpa
Dresden

Für zwei Tage wird Dresden ab Montag das Mekka des Radverkehrs. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat seine Teilnahme am Nationalen Radverkehrskongress zugesagt. Er will mit dem Zug nach Dresden reisen und den Weg vom Bahnhof zur Messe mit dem Rad zurück legen. Burkhard Stork, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC), freute sich im Gespräch mit dieser Zeitung über Scheuers Teilnahme sowie die wachsende Akzeptanz, die das umweltfreundliche Verkehrsmittel in der Politik genieße. Scheuer nehme den Radverkehr ernster als seine Vorgänger im Ministeramt. „Doch so richtig vorangekommen sind wir in Deutschland noch nicht“, schränkte er sein Lob an die Politik ein.

ADFC plant ein „Gute-Straßen-für-alle-Gesetz“

Zwar sei der Radverkehr derzeit in aller Munde, verspreche der Bund Fördermittel in Höhe von rund 200 Millionen Euro, doch Stork ließ sich davon nur wenig beeindrucken. Er verlangte eine „klare Zielgröße“ der Bundespolitik zur Förderung des Radverkehrs mit etwa 800 Millionen Euro jährlich. Das Geld sollte etwa für den Ausbau und die Unterhaltung von Radwegen, für Innovationen im Radverkehr oder als Finanzhilfen für den Bau von Radschnellwegen ausgegeben werden. Die Expertenkommission zum Strukturwandel im Verkehr, der Stork angehört, hatte übrigens sogar 900 Millionen Euro jährlich verlangt.

Dem ADFC geht es aber nicht nur um mehr Geld für die Rad-Infrastruktur, sondern um einen umfassenderen Ansatz. Jahrzehntelang sei in Ost- und Westdeutschland einseitig der Autoverkehr gefördert, seien Straßen und Autobahnen gebaut, Städte „autogerecht“ ausgebaut worden. „Aber nun muss ein Paradigmenwechsel her. Wir brauchen mehr Platz für den Radverkehr im Straßenraum“, verlangte Stork. Zum Dresdner Kongress legte sein Verband einen Gesetzentwurf zur fahrradfreundlichen Reform von Straßenverkehrsgesetz (StVG) beziehungsweise Straßenverkehrsordnung (StVO) vor. Der ADFC nennt es „Gute-Straßen-für-alle-Gesetz“. Den Kommunen müsse die Einrichtung „durchgängiger, komfortabler Radwegnetze und ein fahrradfreundliches Klima“ ermöglicht werden, sagte Stork.

"Sicherheit für alle, statt Tempo für einige."

Bislang verhindere das Verkehrsrecht, dass der Radverkehr mehr Platz erhalte. Breite Radwege sollten ohne Begründungszwänge überall angelegt werden dürfen, wo es ein nennenswertes Kfz-Aufkommen gebe. Alles andere führe zu „Radweg-Flickenteppichen“, die unübersichtlich und gefährlich seien. Zudem plädierte der Verband für Tempo 30 als „Regelgeschwindigkeit“ in den Städten. Nur wenn an Hauptstraßen breite, gut befahrbare Radwege vorhanden seien, könne man Tempo 50 im motorisierten Verkehr erlauben. „Grundsätzlich muss gelten: Sicherheit für alle, statt Tempo für einige.“

Dresden und Leipzig hatten mit Platz fünf beziehungsweise drei in der jüngsten Befragung des ADFC zur Zufriedenheit mit dem Radverkehr in Großstädten gar nicht mal schlecht abgeschnitten. In den vergangenen Jahren habe sich vieles bewegt, räumte Stork ein. Zugleich schränkte er ein, Dresden trete auf der Stelle, es seien sogar Verschlechterungen geplant. Und die befragten Leipziger Radfahrer stellten mit der Gesamtbewertung von 3,85 der Messestadt auch keine gute Note aus. Nur Schutzstreifen auf der Straße zu ziehen, reiche nicht aus, kritisierte Stork. Hinzu komme eine bedenkliche Entwicklung in den ländlichen Gebieten Sachsens. Zwar würden viele Staatsstraßen etwa mit Leitplanken ausgerüstet, doch sichere Radwege entlang dieser Straßen gebe es viel zu wenige. Bürger, die von einem Dorf zum anderen oder in die Stadt mit dem Rad fahren wollten, müssten doch das Auto nehmen. Sie würden sich nicht dem Risiko auf der Straße aussetzen. Ein Vorbild für Sachsen, mit dem zugleich der wachsende Radtourismus voran gebracht werden könne. Bei einer gemeinsamen Radtour durch Dresden vorletzte Woche hatte Stork die Anliegen des ADFC dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer ans Herz gelegt.

Von Reinhard Zweigler

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