Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Rad-Weltenbummler zeigt seine Doku bei den Filmnächten
Dresden Lokales Rad-Weltenbummler zeigt seine Doku bei den Filmnächten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:47 27.06.2019
Fünf Radtaschen voll Utensilien – mehr brauchte es nicht, um einmal den afrikanischen Kontinent zu durchqueren. Quelle: Anselm Nathanael Pahnke
Dresden

Anselm Nathanael Pahnke radelte allein 15 000 Kilometer durch den afrikanischen Kontinent – ungeplant, denn seine Begleiter reisten kurzfristig ab. Entstanden ist eine beeindruckende Doku über eine spontane Entdeckungsreise, gefilmt ohne Kameramann.

Trotzdem – oder gerade deshalb – ist „Anderswo. Allein in Afrika“ aktuell die erfolgreichste deutsche Doku des Kinojahres 2019, 80 000 Menschen haben sie schon gesehen. Am Freitag zeigen die Filmnächte den Streifen, Pahnke wird mit dem Originalrad die Bühne entern. Wieso das? Wir haben gefragt:

Frage: Herr Pahnke, Sie fahren am Freitag mit dem Originalrad von Berlin zur Filmvorführung nach Dresden. Warum?

Anselm Nathanael Pahnke: Mir ist es wichtig, beim Reisen den Boden zu berühren und zu spüren, wie sich die Welt um mich langsam verändert. Ich habe während meiner dreijährigen Reise früh erfahren, dass sich das Leben insbesondere entlang des Wegs abspielt. Nicht erst am Ziel. Wenn ich in Dresden ankomme, habe ich ein Gefühl für die Distanz und was dazwischen liegt.

Wer wenig braucht, muss nicht verzichten

Wann fahren Sie los, um pünktlich am Abend hier zu sein?

Ich packe am frühen Morgen meine Sachen und mache mich auf den Weg. Die Tage sind ja gerade besonders lang und das Open Air in Dresden startet erst um 21 Uhr.

Bewegen Sie sich überhaupt noch motorisiert durch die Welt?

Doch schon. Auf längere Distanzen bin ich gern mit der Bahn unterwegs. Ein Auto nutze ich nicht. Ich denke, wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.

Die Hitze stört Sie nach Ihrer Tour durch Afrika sicherlich nicht, oder?

Bei diesen Temperaturen finde ich es besonders angenehm Rad zu fahren, da der Fahrtwind abkühlt. In der Sahara bin ich drei Monate bei bis zu 45 Grad gegen den Wind gefahren. Das hat abgehärtet.

Anderswo. Allein in Afrika – Fotos der Radreise

Sie kommen mit dem Originalrad nach Dresden. Inwieweit sind die Teile des Rades denn wirklich noch original?

Das Fahrrad ist jetzt 55 000 Kilometer gefahren und ist im Kern immer noch original. Ich bringe auch meine beiden originalen Wasserflaschen und ein paar Überraschungen mit. Ich habe ja auf der ganzen Reise kein Wasser gekauft, sondern nur das Wasser aus Brunnen und Flüssen getrunken.

Dresden ist die Krönung dieser Reise!“

Die Doku war ein Überraschungserfolg, jetzt sind sie auf Open-Air-Tour – überwältigt Sie das manchmal noch?

Der Film war tatsächlich nie geplant. Eine gute Freundin hat mich überredet, dieses Projekt zu machen. Wir wollten ihn nach der Fertigstellung einmal im Kino zeigen und nun läuft er schon ein halbes Jahr, das ist irre. Dresden ist die Krönung dieser Reise! Ich freue mich unglaublich auf die Atmosphäre, die Menschen und den Blick auf die Altstadt.

Sie hatten vor Beginn der Radreise gerade Ihren Bachelor gemacht. Was folgt als nächstes? Ein neues Projekt?

Ich habe während der Reise wortwörtlich erfahren, dass das Leben nicht sicher ist. Die Idee kam aus einem ganz spontanen Impuls. Ich habe nur einen Tag vorbereitet, die Tour sollte ursprünglich auch nur wenige Monate durch Südafrika gehen. Unterwegs hat mich fasziniert, wie wenig die Zeit eine Rolle spielt. Die Zukunft findet in fast keiner Unterhaltung, ja nicht mal im Denken, einen gewichtigen Platz. Damit entsteht eine totale Aufmerksamkeit für die Gegenwart, da sich kaum Sorgen um das Morgen in den Köpfen abspielen.

Allein oder einsam – es gibt Unterschiede

Das kam mir anfangs sehr fremd vor. Aber ich habe immer mehr verstanden, wie natürlich diese Art zu leben eigentlich ist. Ich glaube, die beste Vorbereitung war, dass ich keine hatte. Was jetzt folgt? Ich habe keine konkrete Vision. Doch in dieser Unsicherheit fühle ich mich besonders lebendig, meine Sinne sind geschärft und ich werde mir meines Umfelds in großer Klarheit bewusst.

Auch das Alleinsein spielt im Film eine große Rolle. Ist das Gefühl der Einsamkeit immer noch präsent?

Ich unterscheide zwischen Einsamkeit und Alleinsein. Ich bin solange einsam, bis ich lerne allein zu sein. Einsamkeit entsteht auch unfreiwillig. Ich kann auch in der Gesellschaft einsam sein, etwa durch das Gefühl, dazuzugehören. Alleinsein heißt für mich heute, dass man sich auf den Weg macht mit sich selbst. Das Alleinsein war für mich eine ganz wichtige Erfahrung, es ist etwas Tolles.

Freitag, 21.30 Uhr bei den Filmnächten am Elbufer; Einlass: 20 Uhr

Von Franziska Kästner

Dresdner und koreanische Instituten gründen ein Technologiezentrum in der Landeshauptstadt. Das soll unter anderem für Ansiedlungen aus dem asiatischen Land sorgen. Es gibt bereits erste Interessenten.

27.06.2019
Lokales Itelligence bezieht Niederlassung in Dresden - Rechnerwolken statt Süßkram im Schokopack-Hochhaus

Die Software-Firma „Itelligence“ hat nach einem 20 Millionen Euro teurem Umbau das Schokopack-Hochhaus in Dresden-Reick bezogen. Alles, was von damals blieb, war eine Weltkarte aus Meißner Porzellan.

27.06.2019

Im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten haben Dresdner Gymnasiasten sehr erfolgreich abgeschnitten. Am Mittwoch konnten die Forscher ihre Preise entgegennehmen.

26.06.2019