Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales RAA Sachsen: Dresden ein Schwerpunkt bei rassistischer Gewalt
Dresden Lokales

RAA Sachsen: Dresden ein Schwerpunkt bei rassistischer Gewalt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:17 16.03.2021
Die Gruppe Black Lives Matter aus Dresden engagiert sich gegen Rassismus.
Die Gruppe Black Lives Matter aus Dresden engagiert sich gegen Rassismus. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Das Ausmaß rechtsextremer und rassistischer Gewalt ist in Sachsen nach Angaben der Opferberatung RAA aus Dresden weiterhin groß. Für das vergangene Jahr listete der Verein am Dienstag in Dresden 208 entsprechende Angriffe mit 304 Betroffenen auf.

Im Jahr zuvor waren es 226 Fälle mit 276 Opfern. „2020 war geprägt durch die Corona- Pandemie, die sich in vielerlei Hinsicht auf rechte, rassistische und antisemitische Gewalt auswirkte“, teilten RAA-Vertreter mit und nannten dabei auch Ressentiments gegenüber Menschen aus Asien sowie Demonstrationen der „Querdenken“-Bewegung.

Auch Kinder von rassistischer Gewalt betroffen

„Mit den von den sogenannten Querdenkern verbreiteten Verschwörungserzählungen gehen antisemitische Einstellungen und Feindbilder einher. Sie sehen sich im Widerstand gegen „dunkle Mächte“, was der Rechtfertigung von Gewalt dient und ein hohes Radikalisierungspotenzial mit sich bringt“, erklärte RAA-Referentin Andrea Hübler.

Das tägliche DNN-Update als Newsletter

Die News aus Dresden, Sachsen, Deutschland und der Welt – von uns zusammengestellt täglich gegen 7 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Nach RAA-Angaben handelte es sich bei den meisten Angriffen um Körperverletzung (139 Fälle) sowie Nötigung und Bedrohung (47). Aber auch fünf Brandstiftungen seien verübt worden, darunter ein Brandanschlag auf eine Shisha-Bar und ein Döner-Lokal – nur zwei Tage nach dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020. Der Großteil der Angriffe sei rassistisch motiviert (107); 39 Angriffe hätten sich gegen politische Gegner gerichtet.

Manchmal werden sogar Kinder zur Zielscheibe. So schubsten am 9. Juni 2020 drei Männer auf einem Spielplatz ein dreijähriges Kind so heftig, dass es sich leicht verletzte, hieß es. Die Mutter sei zuvor rassistisch beleidigt worden.

Dunkelfeld könne sich verstärkt haben

Als regionale Schwerpunkte wurden die Städte Dresden (52), Leipzig (66) und Chemnitz (16) genannt. Der Landkreis Leipzig (18) stellt seit Jahren einen Schwerpunkt rechter Gewalt in Sachsen dar. Die RAA verbucht nach eigenen Angaben für 2020 insgesamt 263 Beratungen; dabei wurden 373 Menschen betreut – Opfer, Angehörige, Bekannte und Zeugen von Straftaten.

Lesen Sie auch

„Rassismus in Dresden ist Alltag“ – drei Erfahrungsberichte

Im Visier der Rechten: Hass und Hetze über den Gartenzaun in Dresden-Prohlis

Die sächsische Politik benenne zwar Rechtsextremismus als das größtes Problem bei der politisch motivierten Kriminalität, bei den Behörden schlage sich das aber in der Wahrnehmung und Beurteilung bestimmter Taten nicht immer nieder, sagte Hübler und mahnte eine Debatte über dieses Thema an. Es müsse wirklich ernst genommen werden.

Rechte und rassistische Gewalt bedrohen weiterhin den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“, kommentierte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) die Zahlen. Immer noch werde von einem signifikanten Dunkelfeld ausgegangen, das sich gerade wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verstärkt haben könnte. „Gerade in einer so herausfordernden Zeit wie der aktuellen ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten. Die unterstützende Arbeit vieler Vereine und Initiativen wurde durch das Pandemiegeschehen stark beeinträchtigt.“

Von dpa