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Lokales Vor Schmerzen bewahren: Rentner erstickte schwer kranke Ehefrau
Dresden Lokales Vor Schmerzen bewahren: Rentner erstickte schwer kranke Ehefrau
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11:01 27.03.2019
Ein schwerer Gang für Herbert M.: Der 80-Jährige steht wegen Totschlags vor Gericht. Er soll seine pflegebedürftige Frau getötet haben Quelle: xcitepress/ce
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Dresden

„Ich wollte meiner Frau das unwürdige Leben und ihre Schmerzen ersparen und da habe ich sie erlöst“, sagte am Dienstag Herbert M. im Landgericht. Der 80-Jährige muss sich wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 19. August 2018 seine schwer kranke und pflegebedürftige Frau in der gemeinsamen Wohnung erstickt zu haben.

Nach 60 Jahren Ehe

Nach der Tat schrieb er einen Abschiedsbrief, stieg in der 10. Etage seines Hauses über den Hausbalkon und wollte sich hinunterstürzen. „Ich bin mit einer Leiter über das Geländer geklettert, aber dann hat mich der Mut verlassen.“ Der Mann wurde vom Dach geholt und sitzt seitdem in U-Haft. Eine traurige Geschichte.

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Das Paar war fast 60 Jahre verheiratet. Frau M.hatte gesundheitliche Probleme und erlitt im Mai 2018 einen Schlaganfall. Die rechte Körperhälfte war gelähmt, die linke Gehirnhälfte hatte schweren Schaden genommen. Nach dem Klinikaufenthalt und einer Reha kam sie am 1. August nach Hause.

Frau musste ganztägig betreut werden

Sie war bettlägerig, konnte nicht sprechen, hatte verquollene Augen, brauchte wegen ihrer Schluckprobleme eine besondere Diät, musste gewindelt und den ganzen Tag betreut werden. Es gab wohl eine Patientenverfügung, die aber nicht aufgenommen oder irgendwie ignoriert wurde.

Herbert M. bemühte sich sehr um seine Frau, war aber überfordert. „Vati ging es sehr schlecht, er war überlastet, konnte mit dem Leid nicht umgehen und nicht mehr schlafen. Ich sah, dass er es nicht schaffte“, erzählte die Tochter des Paares. Sie und ihr Vater einigten sich, dass es das Beste sei, die Frau in ein Pflegeheim zu geben. „Das hat uns auch eine Ärztin empfohlen. Aber mein Bruder wollte das nicht. Er sagte, dass Mutti in kein Heim kommt, sondern zu Hause gepflegt wird“, erzählte die 57-Jährige. Ihr Bruder machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

„Spontane Eingebung“

Die Kinder einigten sich dann wohl doch auf eine Unterbringung in einem Heim, allerdings kurz vor der Tat. Ob der Vater davon erfuhr, konnte am Dienstag nicht genau geklärt werden. So ist unklar, ob er der 80-Jährige wusste, dass die untragbare Situation vielleicht bald vorbei ist.

Am frühen Morgen des Tattages, seine Frau hatte sich in der Nacht den Katheder herausgerissen, habe er eine Eingebung gehabt, sagte der 80-Jährige. „Ich habe ihr das Leiden ersparen wollen, sie hat vor Schmerzen oft geweint. Da habe ihr spontan Mund und Nase zugehalten und ein Kissen drauf gedrückt. Sie hat sich nicht gewehrt, sie lag ganz ruhig da.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler