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Lokales Prozess in Dresden: Betrunkener rammte absichtlich ein Polizeiauto
Dresden Lokales Prozess in Dresden: Betrunkener rammte absichtlich ein Polizeiauto
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11:35 28.11.2017
Lajos P. lieferte sich betrunken eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und fuhr dann, als er nicht weiterkam, mit „Anlauf“ in deren Auto. Quelle: dpa
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Dresden

„Gehen Sie davon aus, dass Sie heute hier saugut weggekommen sind. “ Die Botschaft von Richter Roland Wirlitsch war eindeutig. Mit eineinhalb Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, ist Lajos P. wirklich gut bedient. Auch wenn er als Bewährungsauflage noch 2000 Euro zahlen und zwei Jahre ohne Fahrerlaubnis auskommen muss. Das Gericht rechnete dem 27-Jährigen positiv an, dass er nicht vorbestraft ist.

Es war wirklich ein starkes Stück, das sich der Angeklagte geleistet hatte. Er lieferte sich betrunken eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und fuhr dann, als er nicht weiterkam, mit „Anlauf“ – so Wirlitsch – in deren Auto. Resultat: zwei verletzte Beamte und ein Schaden von über 40 000 Euro. „Ich spreche hier absichtlich nicht von einem Verkehrsunfall, das war kein Unfall, sie haben ihr Auto als Waffe benutzt, sind absichtlich in den Wagen gefahren und haben zwei Menschen verletzt. Das ist ein Verbrechen“, erklärte die Staatsanwältin.

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Am 1. Juni 2017 gegen 0.50 Uhr, Lajos P. hatte 1,4 Promille intus, fiel auf der Marienbrücke einer Polizeistreife sein sportlicher Fahrstil auf. Als er den Polizisten an der Haltestelle am Bahnhof Mitte, für Autos gesperrt, wieder begegnete und dann bei Rot über die Kreuzung bretterte, folgten sie ihm mit Blaulicht und Sirene. Der Angeklagte drückte aufs Gas, raste durch die Straßen, über eine weitere rote Ampel und bog in die Behringstraße ab. „Wir haben uns schon gefreut, da die wegen Bauarbeiten eine Sackgasse war“, erinnerte sich einer der Beamten. Sie fuhren ihm nach, hielten an und wollten aussteigen, als Lajos P. mit seinem Caddy plötzlich rückwärts an ihrem Auto vorbei fuhr. „Er schrammte uns an der Fahrerseite und fuhr noch ein ganzes Stück rückwärts. Ich wollte wenden, der Rückwärtsgang klemmte, dann sah ich die Scheinwerfer auf uns zukommen, sie wurden immer größer und dann rummste es hinten“, erzählte der Fahrer des Polizeiautos. Er erlitt eine Schädelprellung, sein Kollege ein Halswirbelschleudertrauma.

Dass er getrunken hatte, räumte der Angeklagte ein, da blieb ihm ja auch nichts anderes übrig. Dann wurde er mystisch. Er habe weder bemerkt, dass er über rote Ampeln gefahren, noch dass ihm ein Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene gefolgt sei. Auch in der Behringstraße will er den Wagen, der nur wenige Meter hinter ihm stand, nicht gesehen haben. Er sei zurückgestoßen, übrigens mit Rückfahrsensoren, und habe sich, als es plötzlich knallte, so erschrocken, dass er wohl aus Versehen auf die Kupplung trat und gegen das Auto gefahren sei. Obwohl er sich das eigentlich nicht erklären könne, da er den Vorwärtsgang gar nicht eingelegt hatte. Da wurde laut darüber nachgedacht, ob nicht das Polizeiauto in seinen Wagen gefahren war. War es nicht, so der Experte des Verkehrsunfalldienstes, denn dann hätte sich ein anderes Schadensbild ergeben.

Beide Autos waren nur noch Schrott. P.s Caddy war übrigens ein Dienstwagen. Sein Arbeitgeber hatte ihm großzügig gestattet, das Auto auch privat zu nutzen – nüchtern allerdings. 14 Tage später kam die Kündigung. Den Schaden muss er noch bezahlen.

Von Monika Löffler

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