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Lokales Problemfall Schweriner Straße: Radfahrer drängen auf andere Verkehrsverführung
Dresden Lokales Problemfall Schweriner Straße: Radfahrer drängen auf andere Verkehrsverführung
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11:59 13.11.2018
Augen zu und durch: Radfahrer Konrad Krause vom ADFC meidet die Stelle auf der Schweriner Straße, weil sich dort durch die Verschwenkung des Radschutzstreifens Räder und Autos oft gefährlich nah kommen. Die Stadt will nun Abhilfe schaffen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ein Radfahrer, erfasst von ei­nem Laster – was sich im August vor mehr als einem Jahr auf der Schweriner Straße abspielte, klingt wie blanker Horror. Mit schweren Verletzungen musste der Mann in ein Krankenhaus gebracht werden. Ein Unfall, der vor allem aber hätte vermieden werden können, sagen Vertreter vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad (ADFC) in Dresden. Denn das Problem vor Ort sei die Verkehrsführung, zu gefährlich für Radfahrer. Und nur ein besonders übeles Beispiel für Radverkehrsführungen in Dresden, die plötzlich im Nichts endet.

Gibt es eine Norm für Schutzstreifen?

Konrad Krause ist ADFC-Landeschef, die Unfallstelle an der Schweriner Straße direkt neben der Markthalle liegt fast vor seiner Haustür. Praktisch passt der Ab­schnitt zwischen Kraftwerk Mitte und der Kreuzung am Koreanischen Platz in seine tägliche Route. „Ich fahre hier aber nicht lang, weil es einfach zu gefährlich ist“, er­klärt er – und deutet dabei auf den Radschutzstreifen in Richtung Schäferstraße.

Der macht an einer Stelle, dort wo der Gehweg breiter wird, einen Schlenker in Richtung Fahrbahn – und endet dann ab­rupt. Der Radfahrer wird regelrecht auf die Fahrbahn und direkt vor die dahinter fahrenden Autos getrieben. Genau das, so die Annahme, habe auch den Unfall im August 2017 begünstigt, sa­gen die Kritiker. Sie drängen deshalb schon länger auf eine Entschärfung der Ge­fahrenstelle. Pas­siert ist bisher allerdings nichts.

Die Unfallstelle an der Schweriner Straße. Quelle: Roland Halkasch

Dabei hatten Radfahrer bereits mehr als ein Jahr vor dem tragischen Unfall die Stadtverwaltung auf die Situation vor Ort hingewiesen und so­gar Vorschläge für ei­ne Entschärfung des Be­reichs gemacht, wie Nils Larsen, Vorsitzender des ADFC-Stadtverbandes sagt. So sei vorgeschlagen worden, den Schutzstreifen auf dem Ab­schnitt der Schweriner Straße zwischen Könneritzstraße und Koreanischen Platz so weit zu verbreitern, dass die Strichellinie dort, wo der Fußweg breiter wird, keine Verschwenkung mehr hat.

Die Stadt lehnte das aber ab: „Schutzstreifen sollen grundsätzlich nicht breiter als 1,50 markiert werden“, hieß es. Un­sinn, meint Nils Larsen, den eine solche Norm gebe es nicht. Es sei den Radfahrern zudem zuzumuten, so heißt es weiter in dem Antwortschreiben der Stadt „sich un­ter Be­achtung des rückwärtigen Verkehrs sich in den Fahrstreifen einzuordnen.“ Und: „Bislang sind keine nennenswerten Probleme be­kannt geworden.“

Tatsächlich ist der Bereich nicht besonders auffällig. Die Dresdner Polizei hat an der Stelle im Zeitraum von Anfang 2016 bis Herbst 2018 nur einen weiteren Unfall in diesem Bereich erfasst. Dabei handelt es sich um zwei Autos, die zusammengestoßen waren, wie Polizeisprecher Stefan Grohme sagt. Für Konrad Krause ist die Beurteilung in dem Schreiben aus dem Rathaus dennoch „hochgradig zynisch“. Sein Vorwurf: „Die Stadt macht ja nur was, wenn etwas passiert ist.“

ADFC: Umbau alternativlos

Zwischenzeitlich hatte die Stadt den Be­reich dann aber doch als Problemfall er­fasst. Die Stelle an der Schweriner Straße ist in dem im Juni 2017 präsentierten Radverkehrskonzept als De­fizit be­schrie­ben, auch eine entsprechende Maßnahme sei vorgesehen, so Reinhard Koettnitz, Chef des Straßen- und Tiefbauamtes: „Derzeit werden für die betreffende Stelle Maßnahmen abgestimmt.“ Konkret gehe es um eine Veränderung der Markierung des Schutzstreifens. „Zielstellung ist, die Radfahrer besser im Sichtfeld der Autofahrer in den Knotenpunkt zu führen.“

Und damit nicht genug. Langfristig will die Stadt „weitere Anpassungen“ vor­nehmen, wie Reinhard Koettnitz er­klärt. Diese seien jedoch mit „erheblichen baulichen Eingriffen im Straßenraum verbunden“, so der Fachmann. Entsprechend seien sehr umfangreiche Planungen erforderlich, zumal auch der Kreuzungsbereich an der Schäferstraße ver­breitert werden müsse. Und solange die Planungen noch keinen konkreten Stand erreicht haben, sei auch offen, wann eine Umsetzung des Vorhabens erfolgen wird.

Auch die Vertreter der Fahrradfahrerlobby wissen, dass ein Umbau des Bereichs extrem aufwendig ist – sehen aber auf längere Sicht dazu keine Alternative. „Mittelfristig muss der Bereich in größerem Umfang geändert werden, um eine sichere und attraktive Situation für Radfahrer zu schaffen“, sagt Nils Larsen. Kurzfristig halten die ADFC-Mitglieder weiterhin an dem Vorstoß fest, den Schutzstreifen einfach breiter zu ziehen. Und Konrad Krause hat noch eine andere Idee: Auch eine Verkehrsinsel vor der Ge­fahrenstelle, die die Autos in die Fahrbahnmitte und weg von den Radfahrern führt, könne rasch umgesetzt werden.

Immerhin etwa 750 Fahrräder rollen tagtäglich im Schnitt zwischen 7 und 19 Uhr in beide Richtungen auf der Schweriner Straße zwischen Koreanischen Platz und Könneritzstraße. In Spitzenzeiten im Berufsverkehr sind es laut Stadt sogar bis zu 100 Radfahrer in der Stunde. Und es könnten viel mehr sein, ist Konrad Krause überzeugt – wenn die Stadt Problemstellen wie an der Schweriner Straße endlich an­packt und durchgehende, sicherer Korridore für Radfahrer schaffen würde.

Von Sebastian Kositz

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