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Lokales Posthume Ausstellung mit Ansichtskarten von Siegfried Treppnau
Dresden Lokales Posthume Ausstellung mit Ansichtskarten von Siegfried Treppnau
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17:01 10.02.2019
Siegfried Treppnau (l.) und Matthias Erfurth vor der JohannStadthalle. Quelle: JohannStadtArchiv, Matthias Erfurth
Dresden

„Ich bin ein kaputter Philokartist.“ Oft und gern hat der Ur-Johannstädter Siegfried Treppnau diesen Satz gesagt, immer mit einem breiten Grinsen, wissend um seine „Macke“. Schon als Kind hatte „Siggi“ mit dem Sammeln begonnen, aufbauend auf dem Kartennachlass seines Opas, der in der Johannstädter Jägerkaserne am Sachsenplatz gedient hatte. Im Lauf seines Lebens hat Treppnau mehrere Tausend historische Ansichtskarten und Dokumente zu „seinem“ Stadtteil zusammengetragen. Eine Auswahl davon ist ab 12. Februar im Johannstädter Kulturtreff zu sehen.

Siggi allerdings wird bei der Eröffnung nicht dabei sein können. Er ist im Dezember, kurz vor seinem 78. Geburtstag, verstorben. Die Lunge wollte nicht mehr. Doch seine Leidenschaft fürs Sammeln und „Kaupeln“ hat ihn bis zuletzt nicht losgelassen: Noch wenige Tage vor seinem Tod besuchte er noch mit Freunden die Sammlerbörse in der Alten Mensa der TU, das Mekka der Dresdner Karten-, Münzen- und Briefmarken-Liebhaber.

Siegfried Treppnau beim Dresdner Geschichtsmarkt 2012. Quelle: Tanja Tröger

Brainstorming mit Postkartensammler

An der Grobplanung der Ausstellung im Johannstädter Kulturtreff war Treppnau noch beteiligt. „Wir haben im Herbst begonnen“, erzählt Matthias Erfurth, ehrenamtlicher Leiter des JohannStadtArchivs (JoStA). „Da ist Siggi mit seinem Sauerstoffgerät ins Archiv gekommen und wir haben gebrainstormt, was wir zeigen können.“ Geeinigt haben sich die beiden Männer auf Postkarten aus den Themengebieten Handel und Gastronomie, Straßenansichten und Volksfeste. Auch einige Kuriositäten werden in den Fluren des Kulturtreffs hängen – vergrößert auf A 3-Format. Die einzelnen Karten musste Erfurth nun allein auswählen. „Wir wussten, dass Siggi krank ist, aber dass es so schnell geht, war nicht absehbar“, erzählt er bedrückt.

Matthias Erfurth vom JohannStadtArchiv zeigt vor dem Johannstädter Kulturtreff einige Postkarten aus der Sammlung Treppnau. Quelle: Tanja Tröger

Der Kartensammler und der Hobbyhistoriker kannten sich seit etlichen Jahren. Das Interesse für Johannstädter Geschichte hat sie zusammengeführt. Siggi stellte seine umfangreiche Sammlung dem Stadtteilarchiv leihweise zur Verfügung, erzählte als Zeitzeuge Fakten und Anekdoten aus der Vergangenheit. Wie er als Junge nach dem Krieg in den Ruinen des Cafés „Antons“ herumkletterte oder bei „Eis-Krause“ (heute Fährgarten) einkehrte, wo welche Kneipe war und vieles mehr.

Sein Wissen brachte „Treppi“ auch beim Projekt „Johannstadt auf Tafeln“ ein. Auf insgesamt zwölf Stelen soll die wechselvolle Geschichte der nördlichen Johannstadt erlebbar werden. Das Projekt haben Stadtplanungsamt, Quartiersmanager Matthias Kunert, JoStA, engagierte Bürger wie Gerd Hammermüller und Landschaftsarchitekt Henning Seidler auf die Beine gestellt. „Da hat sich Siggi gefreut, dass es mal wieder ein größeres Projekt gab, und aktiv Infos beigesteuert“, erzählt Matthias Erfurth. Im Juni 2017 durfte Siggi die erste Infosäule am früheren Betonwerk, dem heutigen „Johanngarten“, enthüllen – ein Highlight in Treppnaus vollem Terminkalender.

Siegfried Treppnau (l.) und Raoul Schmidt-Lamontain bei der Enthüllung der ersten Stele "Johannstadt auf Tafeln". Quelle: JohannStadtArchiv, Matthias Erfurth

Durch Sammelleidenschaft zur Stasi-Akte

Er besuchte nicht nur Flohmärkte und Sammlerbörsen. Auch mit seinen Klassenkameraden und den Freunden vom „Heiteren Dresdner Singletreff“ verbrachte Treppnau viel Zeit, organisierte Kulturveranstaltungen, ging essen und kegeln.

Als junger Mann spielte Siggi Handball und Hockey bei Turbine Dresden. Im VEB Großzylinderschleiferei und Kurbelwellenreparatur an der Leipziger Straße hatte er Maschinenschlosser gelernt und jahrzehntelang als Monteur gearbeitet. In seiner Freizeit engagierte er sich in der Interessengemeinschaft Philokartie des Kulturbunds, wo er nicht nur Ansichtskarten der Johannstadt, sondern auch Briefmarken und Karten zu Flugwesen, Raumfahrt und Sport tauschte. Dutzende Briefpartner weltweit organisierten ihm Sammelgut auch aus dem „NSW“ – und bescherten Siggi sogar eine Stasi-Akte. Insgesamt 25.000 Ansichtskarten sollen so zusammengekommen sein, heißt es in einem Zeitungsartikel von 1985.

Als Dresden 2006 seinen 800. Geburtstag feierte, zeigte Siggi erstmals Teile seiner Sammlung öffentlich – 800 Johannstadt-Karten, passend zum runden Jubiläum. Weitere Ausstellungen folgten. Die jüngste wird wohl vorerst die letzte sein, denn was nach Treppnaus Tod mit seinen Ansichtskarten geschieht, ist bislang unklar. Zunächst lagert seine Schwester die Sammlung ein.

Seine letzte Ruhe hat Siggi übrigens auf dem Trinitatisfriedhof gefunden – in der Johannstadt, wo sonst.

Vernissage: Dienstag, 12. Februar, 19 Uhr, Johannstädter Kulturtreff, Elisenstraße 35, Eintritt frei

Ausstellung bis Ende März

Von Tanja Tröger

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