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Lokales Polizei erwischt seit Sommer 217 betrunkene E-Roller-Fahrer in Dresden
Dresden Lokales Polizei erwischt seit Sommer 217 betrunkene E-Roller-Fahrer in Dresden
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15:45 01.12.2019
Passen nicht zusammen: Elektroroller und Glühwein. Das wollen Polizei, Stadt und DVB bei einer Kampagne klar machen. Quelle: Montage: A. Eylert
Dresden

Zwei Gläser Sekt, mehr wollte der 56-Jährige nicht getrunken haben, den die Polizisten an der Hertha-Lindner-Straße angehalten hatten. So ganz genau hatte der E-Roller-Fahrer wohl nicht mitgezählt, vielleicht waren es auch sehr große Gläser. Ein Alkoholtest ergab jedenfalls 2,9 Promille. Folge: Führerschein weg, drei Punkte in Flensburg, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Das ist zwar der traurige Spitzenwert, aber bei Weitem kein Einzelfall. 217 E-Roller-Fahrer hat die Polizei seit dem Sommer betrunken am Lenker erwischt. 121 von ihnen und damit die Mehrzahl hatte 1,1 Promille und mehr im Blut. Ab dann zählt eine Alkoholfahrt als Straftat und ist der Führerschein in jedem Fall weg.

Polizeisprecher Thomas Geithner spricht von einem deutlich spürbaren Anstieg von Alkoholfahrten in Dresden. Autofahrer und Radler hätten in den vergangenen Jahren für einen gleichbleibenden Pegel von etwa 800 Alkoholfahrten pro Jahr im Stadtgebiet gesorgt. „In diesem Jahr werden wir wohl an die 1000 Delikte haben“, sagt Polizeisprecher Geithner.

Und das liege ausschließlich an betrunkenen Rollerfahrern. 111 von ihnen wurden im August, 153 im September und 137 im Oktober aus dem Verkehr gezogen. „Wir haben das ein Quartal lang beobachtet und sind der Meinung: Das ist keine Spitze, das ist ein Trend“, sagt Geithner. Die Zunahme an Alkoholdelikten gerade in Dresden ist besonders bedenklich, weil die Landeshauptstadt bei alkoholbedingten Unfällen mit Verletzten sachsenweit schon seit Jahren den Spitzenplatz belegt.

Sehen aus wie Spielzeug, werden aber wie Autos behandelt

Mit einer gemeinsam mit der Stadt und den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) angeschobenen Kampagne will die Polizei den alkoholschwangeren Rollerfahrten entgegenwirken. „Viele haben verinnerlicht, dass sie sich betrunken nicht ans Lenkrad setzten können“, sagt Thomas Geithner. „Dass sie dann zum Elektroroller greifen, ist genau die falsche Entscheidung.“

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Damit rührt der Polizeisprecher an die Wurzel des Problems. Die Elektroroller, die seit dem Sommer überall im Dresdner Stadtgebiet aufgetaucht sind, sehen aus wie Spielzeuggefährte, fallen aber unter die selben Regelungen wie Autos. Es gilt eine Grenze von 0,3 Promille, 0,5 Promille, wenn der Fahrer keine sichtbare Beeinträchtigung zeigt. Schon eine Tasse Glühwein genüge, damit ein 80 Kilogramm schwerer Mann etwa 0,3 Promille Alkohol im Blut hat, sagt Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU). Ab dann gilt: Finger weg von Lenkrad und Elektroroller.

Nach dem Spaß kommt der Ernst: Kontrollen in der Innenstadt

Das wollen Polizei und Stadt den Dresdnern zunächst auf humorvolle Weise einbläuen. Ab Sonnabend ist im Fahrgastfernsehen von Bus und Bahn ein Spot zu sehen. Grundaussage: Besser mit den Öffentlichen fahren, wenn man Alkohol getrunken hat. Am 13. Dezember schicken dann Ordnungsamt und Polizei eine „Glühweinstreife“ über den Striezelmarkt, die auf das Problem aufmerksam machen soll. Bei ihr können die Marktbesucher ihren Atemalkoholwert messen lassen – nicht dass sie sich ähnlich verkalkulieren wie der 56-Jährige mit seinen zwei Sektgläsern.

In der darauf folgenden Woche ist dann aber Schluss mit lustig. Dann will die Polizei verstärkt in der Innenstadt kontrollieren. Eine extra Streife wird dann besonders die E-Roller-Fahrer in den Blick nehmen, kündigt Thomas Geithner an. Der Polizeisprecher hält diese Konzentration auf die E-Scooter für gerechtfertigt. „Sie machen derzeit mehr als die Hälfte aller Alkoholverstöße aus“, sagt er. Außerdem seien sie im Straßenverkehr ähnlich ungeschützt wie Radler.

Von Uwe Hofmann

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