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Lokales Pohlmann bei der Schlössernacht: „Bevor ich Deutscher bin, bin ich Mensch“
Dresden Lokales Pohlmann bei der Schlössernacht: „Bevor ich Deutscher bin, bin ich Mensch“
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09:42 15.07.2019
Pohlmann beim Konzert zur 11. Schlössernacht in Dresden.
Pohlmann beim Konzert zur 11. Schlössernacht in Dresden. Quelle: Steffen Manig
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Dresden

Warst du schon mal in Dresden und hast gespielt?

Ja, schon oft.

Welches Lied wird von Deinen Zuhörern bei Konzerten am meisten verlangt?

Oh, das kommt drauf an. Auf einem Festival, wo mich die Leute nur über „Wenn jetzt Sommer wär“ kennen, da kannst Du davon ausgehen, dass das verlangt wird. Aber wenn ich meine eigenen Konzerte gebe, und das mache ich ja seit 15 Jahren und mittlerweile mit sechs CD, ist das anders. „Wenn jetzt Sommer wär“ war die erste CD. Das ist jetzt sehr lange her. Es ist ein schönes Lied, hat mir viel geholfen, ich bin auch superdankbar und spiele es immer wieder, jedes Mal. Es macht mir auch sehr viel Spaß. Aber mittlerweile...man entwickelt sich natürlich in 15 Jahren und da gibt es Songs, die mir anders am Herzen liegen.

Zum Beispiel?

Oh, es ist sehr vielseitig, was ich mache. Musik machen, live spielen ist eine sehr intensive Geschichte. Ein Lieblingssong, den ich habe, der heißt „Geplatzter Knoten“.

Pohlmann bei der Schlössernacht

Warum dieser Song?

Es ist eine sehr positive Aussage darin. Man weiß manchmal nicht, wie lange man in einem Loch steckt. Wenn wir das wüssten, wär’s kein Loch, sonst könnten wir die Uhr danach stellen. Oftmals ist es so, dass wir zwei Seiten in uns haben. Einmal eine gewisse Stärke. Doch genau das, was uns stark macht, zieht uns manchmal runter, macht uns manchmal sogar fertig. Auf der anderen Seite sind es Dinge, die wir überpacen. Und plötzlich können wir die Qualität, die wir mal hatten, nicht mehr abrufen.

Und wenn wir in so einen Bereich kommen, dann kann man an sich zweifeln, an sich zerbrechen, weil man seinen eigenen Anforderungen nicht gerecht wird. Das sind so Löcher, in die man geraten kann. Und das sind Phasen, in denen man sich verändert...Das fühlt sich das immer erst mal an wie Stillstand. Bis wir aus dem Tunnel rauskommen und vielleicht merken, dass wir etwas geschafft haben, vielleicht etwas hinzukriegen, was vorher nicht der Fall war. Gesetzt den Fall, wir nehmen die Herausforderung an und arbeiten an uns.

So schön war die Schlössernacht 2019

Ich mag auch „Himmel und Berge“ sehr. Das ist ein Weltbürgersong. Ich glaube daran, dass wir keine Zeit haben für Rechtsradikalität. Überhaupt nicht. Der Planet ist gerade dabei, seine letzten Atemzüge zu machen. Und wenn diese Leute die Politik aufhalten möchten, sich damit zu befassen, dann haben wir keine Zeit mehr für die wirklich ernsten Dinge. Dann wird es richtig düster und das dauert auch gar nicht mehr lange. Ich glaube, deswegen ist Europa so wichtig, weil das ein Vorzeigemodell ist für das, was der Menschheit gelingen muss. Nämlich kulturell übergreifend miteinander zu arbeiten. Wenn wir das nicht hinkriegen, dann wird es Klimamigranten geben, das hat sich gewaschen. Dann werden die Rechten sowieso richtig hochkommen. Das könnte ein sehr düsteres Kapitel werden. Und deswegen, glaube ich, müssen wir uns mit Evolution beschäftigen. Bevor ich Deutscher bin, bin ich Mensch. Und das macht mich zum Weltbürger. Und deswegen trage ich Verantwortung für die Welt als Mensch.

Du hast Ende Juni in München bei einer großen Abendveranstaltung anlässlich des 85. Geburtstages von Jane Goodall gespielt. Die legendäre Primatenforscherin und UN-Friedensbotschafterin kämpft für den Artenschutz und gegen die Umweltzerstörung. Sie hat dich offenbar sehr beeindruckt, wie man auch auf Facebook sieht. Was bewunderst du an Jane Goodell?

Jane Goodell ist jemand, der angesichts einer pessimistischen Aussicht eine sehr optimistische Haltung bewahrt. Ich neige manchmal dazu, ins Dunkel abzurutschen. Aber das wirst du in jedem meiner Lieder immer sehen, dass ich fürs Licht kämpfe. Das ist eine Herausforderung, die ich annehmen muss, sonst bringt es ja nichts. Es macht keinen Spaß, auf der Bühne depressive Lieder zu singen, die am Ende im Dunkel enden. Es macht keinen Spaß, keine Lösung zu finden. Jane Goodall ist immer unterwegs, trifft sich mit so vielen wichtigen Persönlichkeiten und schafft es, ihre Botschaft zu vermitteln, ihren Geist zu übertragen. Sie ist eine sehr beeindruckende Frau. Ich habe an ihrem Geburtstag gespielt und glaube, bei ihr springt wirklich ein Funke über.

Noch mal ein Sprung zurück zur Musik. Wer ist musikalisch dein Vorbild?

Ben Harper.

Von Catrin Steinbach