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Lokales Planung zum Palais Riesch: Wenn das Polizeipräsidium plötzlich schrumpft
Dresden Lokales Planung zum Palais Riesch: Wenn das Polizeipräsidium plötzlich schrumpft
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07:40 08.03.2018
Das Riesch überragt das Polizeipräsidium. In der Ursprungsvariante war es kleiner. Aber da war das Präsidium zu hoch eingezeichnet.
Das Riesch überragt das Polizeipräsidium. In der Ursprungsvariante war es kleiner. Aber da war das Präsidium zu hoch eingezeichnet. Quelle: Archiv
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„Erst hatten wir Pech, dann kam Unglück hinzu“, sagte einst ein bekannter Fußballer nach einer deutlich verlorenen Partie. Das weise Fußballerwort könnte auch für die Baugeschichte des Quartiers III/2 auf dem Neumarkt gelten. Schon 2015 erwarb die deutschlandweit agierende CG Gruppe AG die letzte große unbebaute Fläche im Herzen Dresdens vom Freistaat Sachsen. „Sechs Wochen nach Vorliegen der Baugenehmigung fangen wir an. Dann ist in zwei Jahren alles fertig“, versprach Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender des Projektentwicklers, im Sommer 2016 und stellte einen Baubeginn noch 2016 in Aussicht.

Originalgetreue Rekonstruktion nicht möglich

Es kam anders. Obwohl es sich um ein Gebäudeensemble mit einer Investitionssumme von rund 134 Millionen Euro handelt, entzündeten sich die Diskussionen vor allem am historischen Wiederaufbau des Palais Riesch, den Gröner 2015 versprochen hatte, wenn es 90 Prozent der Dresdner wollen.

Im weiteren Planungsprozess wurde laut Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) schnell klar, dass wegen der schwierigen Geschosshöhen eine originalgetreue Rekonstruktion nicht möglich ist. „Es wären Wohnungen entstanden, die niemand hätte bewohnen wollen“, erklärte der Baubürgermeister.

So soll das Palais Riesch aussehen. Quelle: CG Gruppe

Ein erster moderner Entwurf für das Riesch wurde 2016 von Bauausschuss und Öffentlichkeit höchst kritisch bewertet. Noch im gleichen Jahr rief der Investor einen zweiten Wettbewerb ins Leben. Der Entwurf des Büros Nöfer Architekten setzte sich durch und wurde von der Jury wegen seiner Leichtigkeit und Eleganz gelobt, die insbesondere mit der Gebäudehöhe und den hohen Fensterformaten erzielt werde.

Doch wieder zeigten sich dunkle Wolken am Horizont. Der Freistaat Sachsen, der Gröner das Grundstück verkauft hatte, bemerkte auf einmal, dass die Neubauten an das Polizeipräsidium angrenzen. Die Polizei muss vor unbefugten Besuchern geschützt werden, ein nachbarschaftlicher Vertrag musste her. Vor wenigen Tagen wurde das Vertragswerk notariell beglaubigt, wie ein Sprecher der CG Gruppe bestätigte.

Niemand bemerkte den Fehler

Die Baugenehmigung liegt aber immer noch nicht vor. „Die CG Gruppe AG stellte die Unterlagen für den Wettbewerb zusammen. Dabei ist ein Fehler passiert“, erklärte Schmidt-Lamontain auf Anfrage der DNN. Das Polizeipräsidium sei höher eingetragen worden als es tatsächlich ist. „So entstand der Eindruck, dass das Palais Riesch nach dem Wettbewerb höher geworden ist.“

Aufregung machte sich breit. Das Riesch wird größer als erlaubt, hieß es jüngst in einer Dresdner Tageszeitung. Die CG Gruppe dementierte halbherzig. Obwohl die Traufhöhe des Neubaus laut dem Baubürgermeister gleich geblieben ist und sich nur die Firsthöhe um 50 Zentimeter erhöht hat.

Den Fehler des zu groß dargestellten Polizeipräsidiums habe niemand bemerkt, bis die Planunterlagen von der CG Gruppe AG zum Bauantrag bei der Bauaufsicht eingereicht worden seien. „Hier wurde das Polizeipräsidium in seiner tatsächlichen Höhe eingetragen und ist damit gegenüber den Wettbewerbsplänen kleiner geworden“, erklärte Schmidt-Lamontain. Daraufhin habe die Verwaltung selbst ein Vermessungsteam aus dem Amt für Geodaten und Kataster die Gebäudehöhen überprüfen lassen: „Das Ergebnis war, dass die Höhen in den jetzt eingereichten Plänen stimmen.“

Fertigstellung 2022?

Das Riesch überragt das Polizeipräsidium. Das Wettbewerbsergebnis weicht aber nur bei der Firsthöhe um ganze 50 Zentimeter vom Bebauungsplan ab, der die Höhen der Firste und Traufen festsetzt. Der Gesetzgeber lasse eine Befreiung von den Festsetzungen zu, wenn die Grundzüge der Planung dadurch nicht berührt werden, so der Baubürgermeister.

Bauaufsicht und Stadtplanung würden die eingereichten Unterlagen gegenwärtig prüfen. Nachbarschaftliche Belange würden dabei eine besondere Rolle spielen. „Diese werden insbesondere anhand einer von der CG Gruppe vorgelegten Besonnungsstudie für die Nachbarbebauung geprüft.“

Gröner rechnet mittlerweile mit einer Fertigstellung von Quartier III/2 im Jahr 2022, wenn der Bau noch in diesem Jahr beginnen kann. Am Mittwochabend erklärte der Projektentwickler erneut sein Vorhaben im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau und stellte sich den Anfragen der Stadträte.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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