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Lokales Plädoyers im Prozess um totes Baby: Staatsanwalt fordert mehr als vier Jahre Haft
Dresden Lokales Plädoyers im Prozess um totes Baby: Staatsanwalt fordert mehr als vier Jahre Haft
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10:53 10.05.2019
Symbolfoto Quelle: dpa
Dresden

Im Prozess um den Tod des kleinen Finn wurden am Donnerstag die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft forderte für Brit S., die Mutter des Jungen, wegen Körperverletzung mit Todesfolge und falscher Verdächtigung vier Jahre und zehn Monate Haft. Die Verteidigung will einen Freispruch. Die 24-Jährige soll in der Silvesternacht 2017/ 2018 ihren drei Wochen alten Sohn zu Tode geschüttelt haben. Zudem, so ein Gerichtsmediziner, sei dem Kleinen auf den Kopf geschlagen worden oder der Kopf sei gegen einen stumpfen Gegenstand geprallt.

Brit S. war den Tag über allein mit dem Baby. Kurz vor Mitternacht kam Peggy B., ihre Lebensgefährtin, von der Arbeit, schaute nach Finn, ließ den mit seiner Mutter allein und ging mit dem Hund Gassi. Als sie zurückkam, atmete der Kleine nicht mehr, Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Hang zu Lüge und Manipulation

Staatsanwalt Till von Borries war sicher, dass das Baby durch die Folgen der Behandlung der Angeklagten gestorben ist. „Sie wollte ihn sicher nicht töten, sondern nur ruhig stellen, vielleicht fühlte sie sich genervt.“ Nach dem Tod des Jungen habe sich Brit S. seltsam distanziert benommen, habe auf der Couch gesessen, das Kind nicht mehr angeschaut, während Peggy B. und dann Ärzte versuchten, zu reanimieren. Einige Zeugen sagten aus, dass die Lebensgefährtin eine emotionalere Bindung zu Finn hatte als die Mutter, die das Baby, das Ergebnis eines Seitensprungs, erst nicht wollte.

Brit S. hatte keine leichte Kindheit, sie wuchs bei Verwandten auf, schmiss die Schule, hatte drei Abtreibungen, bekam zwei Kinder, die ihr weggenommen wurden. Laut einem psychologischen Gutachten hat die 24-Jährige einen Hang zu Lüge und Manipulation. Sie leide unter einer Persönlichkeitsstörung, sei aber voll schuldfähig, hieß es.

Zunächst ging man von einem plötzlichen Kindstod aus, bis Mediziner Hinweise auf Gewalteinwirkung fanden. Brit S. wurde festgenommen, räumte die Tat ein, widerrief und bezichtigte Peggy B. des Mordes. Der Verdacht bestätigte sich nicht, die Ermittlungen wurden eingestellt. „Zu schnell“, kritisierte Verteidiger Andreas Boine. „Es waren zwei Personen in der Wohnung. Wer geschüttelt hat, weiß man nicht, da steht Aussage gegen Aussage.“ Es sei auch möglich, so der Anwalt, dass Finn an Spätfolgen der Geburt oder den Reanimationsversuchen gestorben sei. Ein Motiv gebe es nicht. Am 15. Mai fällt das Urteil.

Von Monika Löffler

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