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Lokales Ort für kritische Fragen: Volkshochschule Dresden vermittelt Kirchenfernen Hintergründe
Dresden Lokales Ort für kritische Fragen: Volkshochschule Dresden vermittelt Kirchenfernen Hintergründe
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11:53 24.01.2020
Im Juni widmet sich eine Veranstaltung der Volkshochschule dem Jüdischen Friedhof in der Neustadt. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Dass Traditionen noch immer un­seren Alltag prägen, steht für Jürgen Küfner fest. „Doch viele wissen nicht, woher die kommen.“ Sich die geistigen Wurzeln bewusst zu machen, auf denen unsere Kultur beruht, betrachtet der 54-Jährige als ei­ne der Aufgaben der Dresdner Volkshochschule (VHS), die er seit 2013 leitet. „Hinzu kommt: In Dresden leben immer mehr Menschen aus anderen Kulturen.“ Hilfreich für das Zusammenleben mit ihnen wäre, ihr geistiges Fundament zu kennen.

An Philosophie führt da ebenso wenig ein Weg vorbei wie an Religionen. Kurse dazu gehören seit Jahren zum Programm der Volkshochschule, schon bevor der aus Würzburg stammende evangelische Theologe die Leitung übernahm. Inzwischen hat er diesen Teil des Programms weiter ausgebaut.

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„Dies ist kein Ort der Mission, sondern der Bildung“

Etwa 80 Prozent der Dresdner leben ohne Religionsgemeinschaft. Um Interessenten gerade unter ihnen das Thema verständlich zu machen, achtet Küfner strikt auf weltanschauliche Neutralität. „Dies ist kein Ort der Mission, sondern der Bildung.“ Er hat Menschen erlebt, die mit Fragen kamen, die sie in ei­ner Kirche oder einem Gemeindehaus womöglich so nicht gestellt hätten. „An einem anderen Ort fragt man anders.“

Grundlage sind fundierte Informationen. In diesem Semester zum Beispiel über die Geschichte der Kirchen von den Anfängen bis zur Gegenwart (20. April). Oder über das christliche Glaubensbekenntnis (3. Juni). Darüber gerieten Theologen auf ihrem Konzil in Nicäa im Jahr 325 in heftigsten Streit. Selbst Fäuste sollen geflogen sein. Der Kurs will zeigen: Dogmen waren einmal Kompromisse, um die leidenschaftlich gerungen wurde.

In einem anderen Kurs geht es um das Verhältnis zum Judentum (31. März und 7. April). Er beantwortet vor allem die Frage nach dem Unterschied zwischen „Antijudaismus“ und „Antisemitismus“, die bis heute oft verwechselt werden.

Mit Angeboten zum Islam nicht nur angenehme Erfahrungen gemacht

Oft stößt Küfner auf Vorurteile. „Einige scheinen nur zu kommen, um ihr Klischeebild zu bestätigen. Die sind dann enttäuscht, wenn sie bei uns mit Fakten ausgerüstet werden.“ Über den Islam zum Beispiel, mit etwa 1,6 Milliarden Anhängern die zweitgrößte Weltreligion nach dem Christentum (2,3 Milliarden). Ein Kurs informiert über die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten (7. April). Sunniten bilden mit 80 bis 90 Prozent die Mehrheit der Muslime. Die Minderheit der Schiiten indes ist in manchen Ländern die Mehrheit, im Iran zum Beispiel.

Mit Angeboten zum Islam hat die Volkshochschule nicht nur angenehme Erfahrungen gemacht. „Das Thema ruft auch Leute auf den Plan, die davon nichts hören wollen“, sagt Jürgen Küfner. Bizarres Beispiel war 2018 die Reihe über Kleiderordnungen im Islam, die eine Boulevardzeitung als „Burka-Kurs“ missverstand und damit Protestler auf den Plan rief. „Wir halten aber an sachlicher Information fest“, betont Jürgen Küfner. „Dieses Prinzip der Aufklärung halte ich für ein Gebot der Stunde.“

Gelegenheit für offene Diskussion

Grundlegende Erkenntnisse bekommt man auch über den Buddhismus mit weltweit um die 460 Millionen Anhängern. Selbst über die Freimaurer sind Einzelheiten zu erfahren. Nicht nur Informationen und Wissen vermitteln die Kurse, wie Jürgen Küfner sagt. Sie wollen auch Gelegenheit für offene Diskussion bieten. Dass sich alles der kritischen Debatte auszusetzen habe, gehöre zu den Prinzipien der Volkshochschule.

Ebenso, dass Theorie nicht ohne Praxis daherkommt. So können Kursteilnehmer etwa den Freimaurertempel „Zu den ehernen Säulen“ an der Königsbrücker Straße besuchen (12. Mai), eine Moschee in Dresden-Cotta (4. April), die 2001 errichtete Neue Synagoge (6. Mai), den Jüdischen Friedhof an der Pulsnitzer Straße in der Dresdner Neustadt, älteste jüdische Begräbnisstätte in Sachsen (17. Juni) – und Dresdner Kirchen.

Schwerpunktepoche des Semesters ist das Mittelalter

Rundgänge gibt es durch die Evangelisch-Reformierte Kirche im ehemaligen Kanonenhof unter der Brühlschen Terrasse oder durch die 1929 errichtete evangelische Diakonissenhaus-Kirche. Wie das Christentum Kunst und Architektur prägte, ist an zahlreichen Querverweisen auf Kurse in anderen Themenbereichen abzulesen. Etwa zu Führungen durch die wiedereröffnete Gemäldegalerie Alte Meister, wo man Raffaels frühe Madonnenbildnisse näher kennenlernt. Oder eine Kunsthistorikerin Osterbotschaften erläutert in Bildern – wie etwa in „Die vier Evangelisten“ von Joachim Beuckelaer, „Christus mit der Dornenkrone“ von Guido Reni, „Kreuzigung Christi“ von Cranach d. J., die „Beweinung Christi“ vom Meisters des Hausbuches und „Die Auferstehung Christi“ von Veronese.

Schwerpunktepoche des Semesters ist das Mittelalter, ohne Kirchen nicht denkbar. Bis heute zieren sie, mittlerweile umgebaut, Dresdner Stadtteile wie Leubnitz-Neuostra oder Briesnitz. Sie werden ebenso näher betrachtet wie die mittelalterlichen Vorgängerbauten von Kreuzkirche, Frauenkirche und die verschwundene Sophienkirche. Ein Rundgang erkundet die evangelische Stadtkirche St. Marien in Pirna.

Weit gefächertes Spektrum

Bildkunst und Architektur der Spätgotik vermitteln ein Vortrag und eine Studienfahrt zu St. Annen (Annaberg), zum alten Prager Burgpalast sowie weniger bekannten Kirchen im böhmischen Kadan (Kaaden), Most (Brüx), Chomutov (Komotau) und zur Barbarakirche in Kutná Hora (Kuttenberg).

Hebräisch, die Sprache des Alten Testaments, kann man lernen. Sogar in einem Kurs das kochen, was vermutlich beim letzten Passamahl vor Jesus und seinen Jüngern auf dem Tisch stand. Weit ist das Spektrum, das Jürgen Küfner auffächert. „Wichtig ist, dass in unserer funktionalen Welt Sinn und Sein des Menschen nicht zu kurz kommen.“

Internet: www.vhs-dresden.de

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