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Lokales Open-Air-Theater im Barockschloss: Neuer Betreiber stellt Nutzungskonzepte vor
Dresden Lokales Open-Air-Theater im Barockschloss: Neuer Betreiber stellt Nutzungskonzepte vor
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10:21 23.03.2019
Schloss Übigau Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

In der oberen Etage des Wirtshauses „Lindenschänke“ ist es richtig voll. Über 60 Dresdner füllen den niedrigen Gastraum. Sie alle sind gekommen, um zu erfahren, wie die Zukunft vom nahegelegenen Schloss Übigau aussieht.

Eingeladen zu diesem Bürgergespräch hat der Pieschener Stadtrat Veit Böhm. Auch er ist daran interessiert, wie es um die Zukunft des Lustschlosses steht. Der neue Betreiber Olaf Maatz, Geschäftsführer der Comödie Dresden, und Projektleiter der Sanierung Jörg Schneck stehen den Bürgern Rede und Antwort.

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Barockes Schloss als Sommerspielstätte

Auf dem Schlossgelände soll ein Open-Air-Theater entstehen. Comödien-Betreiber Maatz beschreibt, wie er für sein Theater auf der Suche nach einer neuen Sommerspielstätte war. Bisher war die im Hotel „Elbflorenz“. Auf einer Fahrradtour mit seiner Familie im Jahr 2017 war er auf Schloss Übigau gestoßen und begann sofort, mit den damaligen Eigentümern zu verhandeln. Doch es sollte noch ein Jahr vergehen, bis konkrete Pläne mit dem neuen Eigentümer, der Bertram Grundbesitz GmbH & Co. KG, entstanden sind.

Maatz plant, das barocke Schloss als Kulisse für seine Aufführungen zu nutzen. Die Bühne wird dabei direkt vor dem Schloss stehen und bis auf die Schlossfassade ohne Bühnenbild auskommen, dafür soll viel mit Lichteffekten gearbeitet werden. Ausgelegt ist das Gelände für ungefähr 400 Besucher pro Veranstaltung. Zusätzlich zum Theaterbetrieb wird es wieder eine Sommerwirtschaft geben. Die Gastronomie ist für jeden geöffnet, außer während der Theateraufführungen, die Mittwoch bis Sonntag von 20 bis 22 Uhr stattfinden werden. Insgesamt sind 38 Aufführungen geplant, beginnend am Freitag, 5. Juli. Es wird „Das Wirtshaus im Spessart“ gezeigt. Bisher wurden bereits 5000 Eintrittskarten im Vorverkauf erworben. In der Sommerwirtschaft soll es an den Wochenenden einen Schlossbrunch geben. Die genauen Öffnungszeiten der Gastronomie können unter www.elbschloss-uebigau.de eingesehen werden.

Kein Dialog mit Anwohnern sorgt für Kritik

Wenn die Sanierung des Schlosses planmäßig voranschreitet, kann die Sommerwirtschaft ganzjährig im oberen Saal des Gebäudes betrieben werden. Jörg Schneck, Projektleiter der Sanierung, spricht über aufgetauchte Probleme bei der Findung eines zweiten Rettungsweges, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die Innenplanung muss in kurzen Schritten und etappenweise erfolgen, so Schneck. Wenn man sich nicht Zeit lasse, könne das Projekt scheitern. Im Moment legen Restauratoren Wandmalereien frei, es wurden Wände entfernt, die nicht historisch zum Schloss gehören. Der endgültige Fahrplan steht aber noch nicht.

Schloss Übigau Quelle: Anja Schneider

Die Zuhörer äußerten ihre Freude darüber, dass „mit dem Schloss endlich mal was passiert“, so Uwe Jacob von der Bürgerinitiative Übigau. Allerdings wurde kritisiert, dass im Vorfeld kein Dialog mit den Anwohnern stattgefunden hatte. Eine Problematik, die den Anwohnern aus Übigau und Pieschen offenbar am meisten am Herzen liegt, wurde breit diskutiert: die Parkplatzsituation. Wo werden die Theaterbesucher ihr Auto abstellen, wie weit werden sie bereit sein zu laufen? Da man auf der Hauptstraße in Übigau ein leichtes Opfer der Politessen ist, befürchten die Anwohner zugeparkte Einfahrten und laute Gespräche der Theaterbesucher an ihren Autos. Auf dem Schlossareal ist ein Parkplatzbau nicht möglich, aber es wurde mit dem nahegelegenen Edeka-Markt eine Absprache getroffen. Während des Sommers können Theatergäste ihre Fahrzeuge auf dem Supermarktparkplatz abstellen, rechtlich gesichert ist das jedoch nicht.

Gute Ideen, aber kein Geld

Auch über die Möglichkeit eines kostenlosen Shuttles vom und zum Elbepark, um die Parksituation vor Ort zu entlasten, wurde gesprochen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe würden diese Idee unterstützen, allerdings können weder die Comödie noch die DVB den Shuttleverkehr finanzieren. Ähnlich verhält es sich mit einer Dampferanlegestelle. Die Idee ist gut, aber am Geld hängt es. Die Weiße Flotte würde eine Anlegestelle begrüßen, kann aber ihren Bau nicht bezahlen. Allerdings ist noch ein Anleger für Sportboote im Gespräch.

Die Nebengebäude des Schlosses, das ehemalige Transformatoren- und Röntgenwerk, gehören Bauunternehmer Frank Wießner. Auch er ist vor Ort in der „Lindenschänke“ und beschreibt kurz sein Vorhaben. Die Bauten sollen für eine gewerbliche Nutzung, aber dennoch denkmalschutzgerecht ausgebaut werden. Darin sollen Büros, Lofts und Kleingewerbe Platz finden.

Aus dem Archiv: Schloss Übigau verfällt

Hat mit dem aktuellen Verkauf des Schlosses Übigau das lange Warten auf die Sanierung des wertvollen Kulturdenkmals ein Ende? Ist nach vielen interimistischen Versuchen endlich ein tragfähiges Nutzungskonzept in Sicht? Noch stehen die Fragezeichen im Raum.

Da das Schloss aus privaten Mitteln finanziert wird, werden viele Veranstaltungen gebraucht, um den Betrieb und die Sanierung weiterzuführen. Auch die Einnahmen aus der Sommerwirtschaft werden in die Restaurierung des Schlosses fließen. Noch sind einige Fragen offen. Welche Zeitepoche des Schlosses soll bei der Sanierung der Fassade gezeigt werden? Wie werden die unteren Räumlichkeiten genutzt? Wie soll eine dauerhafte Lösung der Parkplatzproblematik aussehen? Olaf Maatz: „Die Erfahrung zeigt, dass es besser ist, sich bei solchen Dingen einen Moment Zeit zu lassen. Dann findet man die perfekte Lösung.“

Karten für das Sommertheater ab dem 5. Juli gibt es unter www.comoedie-dresden.de/kartenkauf.

Von Laura Kluger

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