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Lokales Online-Magazin Neustadt-Geflüster wird 20 Jahre alt
Dresden Lokales Online-Magazin Neustadt-Geflüster wird 20 Jahre alt
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06:17 21.06.2019
Jan Frintert ist das Gesicht und der Name hinter Anton Launer und dem Neustadt-Geflüster. Quelle: Anja Schneider
Dresden

50 000 Leser im Monat, eine vierköpfige Redaktion und ein Thema: die Dresdner Neustadt. So lässt sich das Online-Portal Neustadt-Geflüster beschreiben, das nach Einschätzung von Gründer Jan Frintert „das dienstälteste deutsche Online-Stadtteilmagazin“ ist. Am Sonntag wird es 20 Jahre alt.

„Das ist die halbe DDR“, frotzelt Frintert auf das Jubiläum angesprochen. Aber vielleicht muss man sich das Gründungsjahr 1999 vor Augen führen, um seine Leistung zu verstehen. Damals war US-Präsident Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre stark unter Beschuss, in Russland beerbte Wladimir Putin Boris Jelzin im Präsidentenamt und in Deutschland sprang Schlagerbarde Rex Gildo aus einem Fenster in den Tod. Handys und auch das Internet waren Otto Normalverbraucher fremd. Und die Dresdner Neustadt war nicht mehr ganz so wild wie noch Ende der 1980er, aber immer noch ein verrufenes Viertel, das viele Freiräume bot. Lange her.

Anton Launer wird erfunden

„Damals wohnten alle meine Kommilitonen in der Neustadt – hier gab es billige Wohnungen“, sagt Frintert, der Ende der 1990er Kommunikationswissenschaft und Geschichte studierte. Als ihm vom Nachrichtenchef einer Dresdner Lokalzeitung angetragen wurde, eine launige Kolumne über seinen Wohnort und Spielplatz Neustadt zu schreiben, sei er sofort Feuer und Flamme gewesen. Das Pseudonym Anton Launer wurde kreiert, in dem sich Alaunplatz und Antonstadt, aber auch die gute Laune widerspiegeln.

„Eigentlich sollten auch andere Autoren an der Kolumne mitwirken, dazu ist es aber nie gekommen“, sagt Frintert. Das Pseudonym wurde ein persönliches, bis heute steht es unter allen von ihm verfassten Beiträgen im Neustadt-Geflüster. „Ich habe mich damals mit HTML beschäftigt und wollte, dass die Kolumnentexte auch im Internet erscheinen.“ Dafür wurde die Seite Anton-Launer.de ins Leben gerufen – der Ursprung des Stadtteilmagazins.

Die nächsten Jahre brachten rasanten Wandel. Frintert arbeitete beim MDR und gründete mit einem Partner die Textwerkstatt Dresden, die journalistische Beiträge und Werbetexte für Auftraggeber verfasst. Der Kolumnendruck im Lokalblatt wurde eingestellt. Die Webpräsenz entwickelte sich dagegen. Frintert tat sich mit einem Blogger zusammen, der als Neustadt-Ticker eher Nachrichten als die lockere Form im Blick hatte: Welche Kneipe macht wo neu auf? Wo sind Veranstaltungen geplant? Worüber diskutieren die Neustädter?

Das sind die Themen, die heute das Neustadt-Geflüster – inzwischen unter neustadt-ticker.de erreichbar – füllen. „Es ist auch längst kein Blog mehr, mir geht es nicht um subjektive Eindrücke, sondern um objektive Beiträge“, sagt Frintert.

Das Hobby wird Arbeitgeber

Vier bis fünf Stunden steckt er täglich in die Seite, zwei, drei neue Beiträge erscheinen pro Tag. Debatten sind genauso Thema wie Polizeimeldungen. „Lange Zeit war es ein Hobby, das ich mir geleistet habe“, sagt der 46-Jährige. Inzwischen bringe das Engagement dank Anzeigen einen ordentlichen Nebenverdienst, von dem drei freie Autorinnen bezahlt werden können. Er könne noch bis zur Rente so weitermachen, sagt Frintert und schmunzelt.

Warum eigentlich? Viele Stadtteilportale haben eine kurze Lebenszeit, werden über kurz oder lang eingestellt, weil die Macher das Interesse verlieren. „Ich liebe die Neustadt, uns verbindet vielleicht manchmal eine Hassliebe, aber sie ist für mich immer interessant geblieben“, sagt Frintert, der zwar seit zehn Jahren in Mockritz wohnt, sein Büro aber immer noch im Stadtteilhaus hat. Die Leute seien hier anders, weniger konservativ und viel kreativer, auch wenn sich das durch die langwährende Gentrifizierung des Szeneviertels relativiert habe. Eigenheiten habe sich das Viertel bewahrt, auch weil viele Bewohner durch die steigenden Mieten nicht vertrieben wurden – sie haben ihre Abschlüsse gemacht, verdienen jetzt genug Geld, um sich das Leben im inzwischen teuren Viertel zu leisten.

Straßenbahnstreicheln als Coup

Dennoch: Wegen der vergleichsweise hohen Mieten ziehen die jungen Leute heute seltener in eine Neustadt-WG – aber am Freitag und Sonnabend gern in betrunkenen Horden über die Straßen des Szeneviertels. „Das muss ich wirklich nicht mehr haben“, sagt Frintert über die teils überdrehte Partykultur. Auch früher wurde viel gefeiert, aber weil es noch viele Freiräume gab, konzentrierte sich das Geschehen nicht so sehr auf wenige Straße und Plätze. Heute ist die Kreuzung der Görlitzer/Louisen-/Rothenburger Stra­ße ein Schwerpunkt, wo im Sommer so viele Menschen zusammenkommen, dass keine Straßenbahn mehr durchkommt. Frintert hat im Neustadtgeflüster das Phänomen als erster beschrieben und dort auch den Begriff Straßenbahnstreicheln eingeführt. Anschließend berichteten alle Dresdner Medien drüber – ein publizistischer Erfolg.

Näher dran an den Leuten zu sein – das ist was, das Neustadt-Geflüster bis heute ausmacht. „Viele Neuigkeiten bekomme ich gesteckt“, sagt Frintert. Muss man dafür ein bunter Hund sein? „Ich denke nicht, dass mich die meisten Leser erkennen“, sagt er. Das war vor Jahren noch anders, als er für einen Frisurentest ein bis zwei Mal im Foto abgebildet wurde. „Das habe ich dann mangels Haarmasse eingestellt – und weil ich nicht auf der Straße erkannt werden wollte“, sagt Frintert. Trotzdem freue er sich, wenn er auf das Neustadt-Geflüster angesprochen werde. „Neulich sagte mir ei­ner, dass er morgens immer zu erst Neustadt-Geflüster, dann faz.net und schließlich spiegel.de ansieht – in dieser Reihenfolge“, erklärt Frintert. „Das ist doch was.“

Von Uwe Hofmann

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