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Lokales Neustädter fordern eine Carolabrücke mit nur einer Autospur
Dresden Lokales Neustädter fordern eine Carolabrücke mit nur einer Autospur
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06:11 15.11.2018
Wegen bröckelnder Betonteile sind große Bereiche unter der Carolabrücke abgesperrt.
Wegen bröckelnder Betonteile sind große Bereiche unter der Carolabrücke abgesperrt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Ab der Jahresmitte 2019 will Dresden Schritt für Schritt die Carolabrücke instandsetzen. Zunächst geht es dabei um die zwei Brückenzüge, über die die Autos in Richtung Neustadt und Altstadt rollen. Die rund acht Millionen Euro teure Investition ist eine Notwendigkeit, betont Andreas Gruner, im Straßen- und Tiefbauamt Abteilungsleiter für Brücken- und Ingenieurbauwerke. Im Stadtbezirksbeirat berichtet er von losen Betonplatten und eindringendem Wasser, das in der Brücke Schaden anrichte. Dennoch gibt es Kritik an den Plänen. Der Platz für Radfahrer sei viel zu knapp, sagt Stadtbezirksbeirat Klemens Schneider (Grüne). Er fordert, den Platz für Autofahrer zugunsten der Radler auf der Brücke einzuengen.

Worum geht es?

Wie viele Spannbetonbauten aus den 1970er Jahren ist die Carolabrücke baufällig. Unter der Brücke sind seit der letzten Inspektion im Sommer große Bereiche abgesperrt – aus Furcht, bröckelnder Beton könnte Menschen verletzen. In der Brücke verlaufen im sogenannten Brückenkasten wichtige Leitungen, unter anderem die einzige Fernwärmehaupttrasse, die derzeit die Neustadtseite mit dem Kraftwerk Nossener Brücke auf der Altstadtseite der Stadt verbindet. Dort sammelt sich aber auch durch die rissige Fahrbahn, die mangelhafte Abdichtung und defekte Regeneinläufe eindringendes Wasser, dass im Winter mit Salz angereichert ist. Bereits in den Jahren 2002 und 2003 hat man die Hohlräume aufwendig entsalzt, um Rost vom Spannstahl fernzuhalten. Das sei auch gelungen, informiert die Stadtverwaltung. Dringt jedoch weiter Wasser ein, könnte die Brücke dennoch rosten. Baufällig ist besonders der Brückenzug A, auf dem die Autos in Richtung Neustadt rollen. Fünf Millionen Euro kostet die Instandsetzung, dort soll auch ab Mitte 2019 mit den Arbeiten begonnen werden. Diese sollen etwa ein Jahr andauern. Anschließend wird bis 2021 an dem mittleren Brückenzug B gearbeitet, auf dem der Verkehr in Richtung Altstadt unterwegs ist.

Bei der letzten Inspektion der Brücke kamen viele schadhafte Stellen zutage. Quelle: Anja Schneider

Wie ist die Verkehrsführung?

Viele Möglichkeiten für eine Umleitung gebe es nicht, sagt Brückenfachmann Gruner. Sobald Bauleute das Sagen auf dem Brückenzug A haben, werden Autos im Zweirichtungsverkehr über den Brückenzug B geleitet. Das bedeutet in jeder Fahrtrichtung die Wegnahme einer Fahrspur. Radler und Fußgänger können zunächst weiter auf dem Geh- und Radweg die Brücke queren, später auf der schon fertigen Fahrbahn, wenn die Arbeiten sich auf den Geh- und Radweg verlagert haben. Wenn die Instandsetzung im Anschluss auf dem Brückenzug B anläuft, herrscht auf dem fertiggestellten Brückenteil Zweirichtungsverkehr. Fußgänger und Radler sind dann nicht betroffen, weil sie erst wieder auf dem Brückenteil C, der die Straßenbahngleise trägt, einen Weg haben. Die Augustusbrücke, die ab 2020 fertig saniert sein soll, werde nach derzeitiger Planung nicht für die Bauzeit auf der Carolabrücke wieder für den Autoverkehr geöffnet, sagt Gruner. Er verweist auf die übrigen Elbbrücken als Alternative, vor allem die Albert-, die Waldschlößchen- und die Marienbrücke.

Was bessert sich für Radler?

Nach aktueller Planung nicht viel. Geh- und Radweg auf Brückenteil A sollen zwar um 45 Zentimeter auf 3,60 Meter verbreitert werden, mehr als 80 Zentimeter Radweg springen dadurch aber nicht aus. „Das ist viel zu wenig, die Carolabrücke liegt an einer Hauptroute des Radverkehrs zwischen der Neustadt und den Universitätseinrichtungen“, kritisiert Stadtbezirksbeirat Schneider. Auf der Albertbrücke seien es schließlich 1,60 Meter Breite pro Radweg. „Und selbst das ist noch zu wenig.“ Baulich sei nicht mehr drin, sagt Abteilungsleiter Gruner. Die Tragfähigkeit der Brücke, über die die Bundesstraße 170 und der Schwerlastverkehr verlaufen, sei ausgereizt. Noch breitere Gehbahnen würden eine tiefgreifende Sanierung der Brückenzüge bedeuten – mit deutlich höheren Kosten. „Wir planen aber eine Instandsetzung“, betont Gruner. Über Fragen der Verkehrsorganisation könne jedoch nachgedacht werden.

Was bedeutet das für Autofahrer?

Das Nachdenken über die Aufteilung der Brücke könnte zu ihren Lasten gehen. Einen solchen Beschluss hat der Stadtbezirksbeirat Neustadt gefasst. Demnach soll die Verwaltung prüfen, ob nicht auf der Carolabrücke die zwei Fahrspuren zu einer überbreiten Fahrspur und einem Radweg auf der Fahrbahn umgestaltet werden könnten – so ähnlich, wie das bereits an der Winterbergstraße geschehen ist. Dazu passe, dass auf der Albertstraße 2019 ohnehin aus zwei Fahrspuren für Autofahrer eine gemacht werden soll, damit Radler dort einen ordentlichen Radweg bekommen können, argumentiert Schneider. „Das geht nicht, auf der Carolabrücke bilden sich doch jetzt schon lange Staus, gerade bei den Linksabbiegern in Richtung Große Meißner Landstraße“, hält CDU-Stadtbezirksbeirat Lutz Barthel diesen Gedanken für abwegig. Der Ausgang der Debatte ist offen – das letzte Wort hat der Stadtrat. Über die Carolabrücke rollen laut Themenstadtplan derzeit 37 300 Autos am Tag, an der Winterbergstraße sind es je nach Abschnitt um die 15 000 Autos weniger.

Wie es mit dem Brückenteil weitergeht, über den die Straßenbahnen fahren, ist noch gänzlich offen. Quelle: Anja Schneider

Und die Straßenbahnbrücke?

Die sollte eigentlich im Gleichschritt mit den Fahrbahnbrücken mitgeplant werden, sagt Brückenfachmann Gruner. Aktuell laufen aber noch Variantenuntersuchungen, die abgewartet werden müssen. Konkret geht es dabei um die Frage, ob die Straßenbahngleise so weit nach außen verschoben werden können, dass Radweg und Gehbahn zwischen Gleisbrücke und dem mittleren Brückenabschnitt Platz finden. Das hätte den Vorteil, dass Radfahrer, die derzeit vor und nach der Carolabrücke bei teils sehr beengten Bedingungen die Straßenbahngleise queren müssen, relativ bequem auf Albertstraße und St. Petersburger Straße geleitet werden könnten. Nebeneffekt: Den zahlreichen Zaungästen bei den Filmnächten am Elbufer könnte die Aufstellfläche auf der Carolabrücke entzogen werden. „Es handelt sich um eine statische Untersuchung, der man nicht vorgreifen kann“, sagt Gruner. Spätestens 2021 soll klar sein, wie es mit der Straßenbahnbrücke weiter geht.

Von Uwe Hofmann