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Lokales Neues beim Dresdner Kunstpreis
Dresden Lokales Neues beim Dresdner Kunstpreis
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18:37 30.03.2019
Die Dresdner Kunst-und Förderpreisträger 2019: der Dirigent Olaf Katzer, der Autor Marcel Beyer sowie Patricia Westerholz und Andreas Kempe vom Förderverein der Galerie Ursula Walter (v.l.). Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
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Dresden

Nein, die Literatur ist alles andere als überrepräsentiert, wenn sich der Blick auf die Träger des Dresdner Kunstpreises richtet. Dabei hatte es doch beim Kunstpreis-Pendant aus DDR-Tagen, dem Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis, gleich zum Auftakt 1959 mit der Schriftstellerin Auguste Lazar (damals eine von vier Preisträgern) verheißungsvoll begonnen. Bis Ende der 1980-er blieb die Literaten-Dichte unter den Geehrten hoch, danach flaute sie jedoch umso deutlicher ab. Nur Thomas Rosenlöcher (2002) und Volker Braun (2012) bildeten seither die rühmlichen Ausnahmen.

Seit Freitag sieht es nun ein klein wenig besser aus. Marcel Beyer ist von der zwölfköpfigen Jury zu Dresdens Kunstpreisträger 2019 erkoren worden. Und es ist – nicht nur, weil Beyer zur schreibende Zunft zählt – eine gute, eine sehr gute Wahl.

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Johnson-Preis, Böll-Preis, Kleist-Preis, Büchner-Preis, Lessing-Preis – bei der langen Liste der Literaturpreise, die Beyer bereits eingeheimst hat, wäre der Gedanke naheliegend, eine weitere Auszeichnung sei dem 53-Jährigen, der von der Schwäbischen Alb stammt und seit 1996 in Dresden lebt, recht egal. Solche Bedenken zerstreute er gestern bei der Preisträger-Vorstellung im Literaturhaus aber umgehend. Es sei schon etwas Besonderes, „in Dresden, von Dresden“ geehrt zu werden. Vor allem, wo er sich jede Woche einmal anhören müsse, dass er nicht von hier sei, erzählte er schmunzelnd – ein Erlebnis, das Zugezogenen in Dresden häufig widerfährt. „Doch was bedeutet das, von hier zu sein?“ fragte Beyer nicht nur rhetorisch. Wohl mindestens die Erfahrung, „die DDR als abgeschlossenes Gebiet erlebt zu haben“, mutmaßte er.

Beyer hatte es einst wegen einer Frau nach Dresden gezogen. Seine damalige Freundin und heutige Frau, eine Schweizerin, lebte bereits hier. Ursprünglich hätten sie gedacht: Wir bleiben erstmal drei Jahre und sehen dann weiter, erinnerte sich Beyer. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke), die auch Jurymitglied ist, wünschte sich am Freitag jedenfalls, „dass er der Stadt noch lange verbunden bleibt“. Klepsch würdigte Beyer als „Lokalpatriot im literarischen Sinn“, der die Stadt mit dem notwendigen Blick von außen unter die Lupe nehme.

Stadtverbundenheit ist auch für die beiden diesjährigen Förderpreisträger eine wichtige Vokabel: den Dirigenten Olaf Katzer und den Förderverein der Galerie Ursula Walter.

Katzer ist vor allem, aber nicht nur, durch das von ihm gegründete Ensemble AuditivVokal Dresden bekannt, mit dem er seit 2007 zeitgenössische Musik für das Publikum erlebbar macht. Seit Frühjahr 2016 leitet der gebürtige Rheinländer zudem das Junge Ensemble Dresden, das ihn regelmäßig nach Osteuropa führt.

Für den Förderverein nahmen Patricia Westerholz und Andreas Kempe die ersten Glückwünschen entgegen. Manfred Wiemer, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz (auch er Jurymitglied), lobte vor allem die „Pionierarbeit“, die die Galerie seit Dezember 2013 am Neustädter Markt leistet, unweit des Goldenen Reiters. Er nannte den Platz einen interessanten und komplizierten Ort. „Dort mit einer Galerie hinzugehen, ist eine Aussage.“ Der Vorhut folgte seither die Galerie Gebr. Lehmann, die ihr Domizil aus dem Herzen der Neustadt näher ans Zentrum verlegte. Außerdem ist auch der Kunstverein Dresden Nachbar der Galerie, seit wenigen Tagen ebenfalls die Galerie Stephanie Kelly.

Neu beim Jahrgang 2019 sind dabei gleich mehrere Dinge. Der Kunstpreis ist nun mit 7000 Euro dotiert (bislang 5000 Euro). Der Förderpreis soll künftig immer doppelt vergeben werden (jeweils 5000 Euro). Unter den 29 Preisträger-Vorschlägen kamen erstmals auch welche aus der Dresdner Bürgerschaft. Dies soll in den kommenden Jahren noch verstärkt werden. Natürlich müssen die dort genannten Kandidaten aber ebenso begründet werden wie die Vorschläge von Verbänden, Vereinen und Kultureinrichtungen.

Neu wird in diesem Jahr auch die Preisskulptur sein (bislang ein zweigeteilter Apfel). Wie sie genau aussieht, wollten die Vertreter der Stadt noch nicht verraten – und verwiesen auf die Preisverleihungszeremonie am 11. Mai auf Schloss Albrechtsberg. Klar ist aber: Der Entwurf stammt von Westerholz, die mit fünf anderen Künstlern eingeladen war, eine neue Skulptur zu schaffen. Was man weiß: Die neue Preisskulptur heißt „Vom Bohren dicker Bretter“ und ist gefertigt aus dem Mineralwerkstoff Avonite, Glas und Passepartout-Karton.

Von Torsten Klaus