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Lokales Neues Museum, Filmreihe und Kolloquium erinnern an 50 Jahre Robotron
Dresden Lokales Neues Museum, Filmreihe und Kolloquium erinnern an 50 Jahre Robotron
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16:50 02.04.2019
Das Unternehmen „Robotron Datenbank-Software“ würdigt die Geschichte des früheren DDR-Computerkombinats mit einem Museum. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Heute ist oft die Rede davon, dass das Internet die Wirtschaft, ja unsere ganze Gesellschaft gerade in etwas Neues, noch schwer Beschreibbares verwandeln. Doch begonnen hat dieser Prozess bereits vor Dekaden mit den ersten elektronischen Rechnern und Schaltkreisen.

Fahrt nahm dieser computergetriebene Wandel in den 1960er und 1970er Jahren auf. In Ostdeutschland war dafür das Jahr 1969 ein wichtiger Wegstein: An der TU Dresden startete der erste Informatik-Studiengang der DDR – einer der ersten in ganz Deutschland übrigens. Und die realsozialistischen Wirtschaftslenker gründeten zum 1. April 1969 in Dresden das Computerkombinat Robotron.

Zeugen einer Transformation

Mit einem Festkolloquium sowie einer neugestalteten Rechentechnik-Ausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD), einem neuen Robotron-Museum in Coschütz-Gittersee, einer Filmreihe und weiteren Veranstaltungen feiert Dresden das wichtige Doppel-Jubiläum. Dahinter steht ein Netzwerk von Partnern aus Wissenschaft Kommunikation, Industrie und Kultur in Dresden.

„Wir sind heute Zeugen einer Transformation, die womöglich tiefer reicht als andere Veränderungen in der Menschheitsgeschichte“, sagte TSD-Direktor Roland Schwarz am Montag während der Gedenkveranstaltung „Bildung der VEB Kombinat Robotron vor 50 Jahren“, die ehemalige Robotroner unter Leitung des früheren Forschungsdirektors Gerhard Merkel organisiert hatten. Das DDR-Computerkombinat habe zu den Pionieren dieser digitalen Transformation gehört, meint Schwarz. Anders aber als die Mikroelektronik und die Software-Industrie, die zu DDR-Zeiten in Dresden wuchsen, habe es die Computerproduktion, für die Robotron stand, nicht über die Wende hinweg geschafft.

„Für einen Appel und ein Ei verscherbelt“

Dies sorgt bis heute bei manchem Ex-Robotroner für Frustration. „Weil wir unsere Kofferfernseher auch in den Westen exportiert konnten, hatten wir Devisenmittel für Investitionen“, erzählt beispielsweise Hans-Lutz Garbe. Er war einst Betriebsdirektor von Robotron Radeberg – dieser Betrieb war im Kombinat auf mittlere Rechentechnik, Richtfunktechnik, Kofferfernseher und Antennen spezialisiert. Für teures Westgeld habe er noch kurz vor der Wende die Galvanik, Lackiererei und in den Maschinenpark modernisieren lassen. „Nach der Wende wurde das alles für einen Appel und ein Ei verscherbelt“, erinnert er sich. „Da bleibt Bitternis.“

Einst gehörte Hans-Jürgen Popp zum Robotron-Kundendienst und betreute Betriebe, die diesen Rechner A 5120 im Einsatz hatten. Heute hilft er, die Geräte in den Technischen Sammlungen betriebsfähig zu halten. Quelle: Heiko Weckbrodt

Auf der anderen Seite stehen all jene Unternehmen, die ehemalige Robotroner nach der Wende gegründet haben. Von diesen Firmen agieren viele bis heute sehr erfolgreich auf dem freien Markt. Dazu gehört die „Robotron Datenbank-Software GmbH“, initiiert vom Datenbank-Spezialisten Rolf Heinemann. In der Software-Entwicklung habe die DDR eben keinen so spürbaren Rückstand zum Westen gehabt wie im Hardware-Sektor, schätzte Heinemann ein. „1990 waren wir mit unserem Kenntnisstand international salonfähig.“ Die folgenden Dekaden gaben ihm recht: Sein Unternehmen hat inzwischen über 560 Mitarbeiter und zu den Kunden gehören Energiekonzerne, Polizei und Museen.

Supercomputer und Robotron-Kopie in trauter Zweisamkeit

All dies habe er unter anderem seinem alten Arbeitgeber Robotron zu verdanken, schätzt Heinemann selbst ein – und würdigt das Kombinat nun auf eine besondere Weise: Pünktlich zum 50. Gründungsjubiläum des DDR-Computerriesens hat die Familie Heinemann gemeinsam mit dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) ein Robotron-Museum auf dem Unternehmens-Campus in Coschütz-Gittersee offiziell eröffnet. Gezeigt wird dort neben Robotron-PCs und -Heimcomputern vor allem die Datenbank-Entwicklung im Kombinat.

Die mit Abstand größe Kollektion ostdeutscher Computer-Hardware hüten indes die TSD. Das Technikmuseum in Striesen hat zum Jubiläum unter anderem seine Rechentechnik-Ausstellung mit Blick auf die Robotron-Historie neu gestaltet. Beispielsweise sind dort nun in trauter Zweisamkeit der einst von der Stasi im Westen geheim besorgte Mini-Supercomputer VAX 11-780 des US-Unternehmens DEC gezeigt – und gleich daneben die von Robotron als „K1840“ nachgebaute Variante dieses 32-Bit-Rechners. Auch haben die Kuratoren sämtliche 1300 Rechentechnik-Exponate aus den TSD-Depots fotografiert, samt einigen Informationen in eine Datenbank eingespeist und nun zum Robotron-Jubiläum ins Internet (tinyurl.com/y48ahyy8) gestellt.

Aus dem Jubiläums-Programm

Ort: Robotron Datenbank-Software GmbH, Stuttgarter Straße 29, Dresden

Nächste Öffnungstermine: 6. April und 17. Juni 2019

Mehr Infos: robotron.de/museum

Ort: Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1

Öffnungszeiten: Di.-Fr., 9-17 Uhr, Sa. /So./Feiertag, 10-18 Uhr

Eintritt: fünf Euro

Mehr Infos: tsd.de

5./6. April: Der schweigende Stern, Defa-Science-Fiction, DDR /Polen 1964

6./27. April: Lemmy Caution gegen Alpha 60, Frankreich 1965,

10./11. Mai Zwei schräge Vögel, DDR 1988/89

17. Mai: Computer im Animationsfilm, Kurzfilme der DDR und der BRD, 1969 bis 2016

24./25. Mai: Das Netz, D 2004

Ort: TSD-Museumskino, Junghansstraße 1

Start jeweils 20 Uhr

Eintritt: sechs Euro

Mehr Infos: tinyurl.com/y4y5aj9y

Bilderdatenbank Hardware: tinyurl.com/y48ahyy8

TSD-Förderverein über die Kombinats-Geschichte: robotron.foerderverein-tsd.de/

Weitere Veranstaltungen im Überblick: futurfutur.de

Die Expositionen sind Teil des Jubiläumsprogramms „Future Zwei“, das neben der Robotron-Gründung auch 50 Jahre Informatikausbildung in Dresden würdigt. Dazu gehört eine Filmreihe „Hauptrolle Computer“ mit besonderen Science-Fiction-Streifen. Im Sommer schließlich steht die Lehre im Fokus: Vom 18. Bis zum 20. Juni richtet die TU Dresden die Festtage „50 Jahre Informatik“ aus.

Von Heiko Weckbrodt

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