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Lokales Neues Buch zeigt Dresden in Fotos vor und nach der Wende
Dresden Lokales Neues Buch zeigt Dresden in Fotos vor und nach der Wende
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20:07 04.12.2019
Das Semper-Denkmal auf der Brühlschen Terrasse im Jahr 1976, als die Frauenkirche noch eine Ruine war. Heute sieht die Perspektive ganz anders aus. Quelle: aus „Dresden. Vor der Wende und Heute“
Dresden

„Auferstanden aus Ruinen“, lautete die erste Zeile der Hymne der DDR. Die wurde ob der Zeile „Deutschland einig Vaterland“ dann zwar unbequem, weil man offiziell von der Wiedervereinigung abrückte und den eigenständigen sozialistischen Staat propagierte. Aber so ganz verschwanden die Ruinen nicht, schon gar nicht in Dresden. Das bezeugen viele Fotos, die in dem Band „Dresden. Vor der Wende und heute“ versammelt sind.

Das Buch stellt 65 historische Fotos von Dresden in den 1960er- bis 1990er-Jahren aktuellen Bildern gegenüber. Dabei nahm Fotograf Sylvio Dittrich für die aktuellen Bilder weitestgehend denselben Standort ein wie die Fotografen der alten Aufnahmen.

Heute wirkt die Perspektive ganz anders: Im Hintergrund des Semper-Denkmals sind die wiederaufgebaute Frauenkirche sowie die neuen und historisierenden Gebäude am Neumarkt zu sehen. Quelle: „Dresden. Vor der Wende und Heute“

Der katastrophale Zustand, in dem sich Dresden überwiegend befand

Vorher-Nachher-Bildpaare haben Konjunktur. Mit ihnen kann man zeigen, wie aus dem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan wird, aus der maroden Bruchbude eine hippe Designerwohnung, aus der grünen Wiese ein mondänes Stadion. Zwei Bilder sagen eben oft mehr als 1000 Worte oder 100 Datenreihen.

Auch in diesem Buch gibt es vieles zu entdecken: Einst Vertrautes, das in Vergessenheit geraten ist, ebenso lange völlig vernachlässigte Viertel, die, in neuer Gestalt, Elbflorenz heute wieder zur Ehre gereichen.

Zu verdanken ist diese spannende Auswahl von Häusern und Plätzen, die allesamt Geschichten erzählen, einerseits Uwe Schieferdecker, der seit 1967 in Dresden wohnt und seit 1993 in sächsischen und brandenburgischen Städten in der Stadterneuerung wirkt. Anderseits arbeitete daran der freie Fotograf Sylvio Dittrich, dessen Arbeitsschwerpunkte in der Tourismuswerbung und in der Kunst liegen.

Mittels der Gegenüberstellung wird aber nicht nur der katastrophale Zustand deutlich, in dem sich Dresden lange überwiegend befand. Es wird auch gezeigt, was Neues, zum Teil durchaus Fortschrittliches entstand, ob nun am Altmarkt oder in der Prager Straße. So etwa das Rundkino, zu dem vermerkt wird, dass es mittlerweile durch das Gebäude des Wöhrl-Plaza und andere Baukörper in eine Hinterhofsituation gerückt wurde, „die durch ein wenig anspruchsvolles Werbeallerlei an der Fassade verstärkt wird“.

Aufmerksame Betrachter können in so mancher Gegenüberstellung auf der Suche nach Details und Erinnerungen versinken. Der Friedensbrunnen auf dem Jüdenhof ist so ein Beispiel. Auf der historischen Aufnahme mit den Ruinen des Schlosses rechts und des Taschenbergpalais’ links im Hintergrund weist die Stange der Fahne keine Spitze auf, mittlerweile schon.

Eine gern als heil verklärte Welt wird nicht beschworen

Immer wieder zeigt man Mut, auch mal auf den eher ungewöhnlichen Vergleich zu setzen. Man verzichtet auf den Anblick der (fast) vortrefflich rekonstruierten Rampischen Gasse, sondern präsentiert lieber die Fassadenfronten an der Salzgasse, die heutige Touristen eher wenig dazu einladen, auf den Auslöser der Kamera zu drücken – schon wegen der hässlichen Einfahrt in die Tiefgarage.

Die Autoren beschwören aber generell nicht die gern als heil verklärte Welt der Vorkriegszeit. Das fängt eben schon damit an, dass sie auf Bilder aus der Zeit vor 1945 verzichten. Schieferdecker vermittelt durchaus, dass die heutige Pracht nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass „die Häuser vor 1945 stark ,heruntergekommen’ waren“ und dass in den 1930er-Jahren „hier im Zuge einer sogenannten Stadterneuerung bescheidene historische Häuser abgebrochen“ wurden. Mit einigen Veränderungen der jüngeren Zeit muss man leben.

Ebenfalls interessant:

Dresden gestern und heute – ein Fotorückblick Teil I und Teil II

Im Vorwort hält Schieferdecker fest, dass es durchaus wünschenswert sei, „dass im Stadtzentrum einer Halbmillionenstadt eine gewisse Dichte herrscht“. Die Zeiten, in denen nicht alles schlecht war, mögen gewesen sein, wie sie waren. Aber man kann es wohl als Fortschritt werten, dass die Dresdner nicht mehr wie vor der Wende zur Kesselsdorfer Straße oder gar nach Berlin fahren müssen, um etwas Besonderes zu bekommen.

Nicht allen Wertungen muss man zustimmen. Wenn Schieferdecker in seinem Ausführungen „Vom Messegelände zur Manufaktur“ (von VW) anmerkt, dass Stadtplaner den Bau einer Autofabrik im früheren Königlichen Großen Garten durchaus als Sündenfall ansehen, dann sei fairerweise ergänzt, dass die Sünde schon mit der Bebauung des Messe-Ausstellungsgelände zu Zeiten des Kaiserreich begann und in der DDR ebenfalls nicht behoben wurde.

Und auch der Zoo war streng genommen ein Eingriff in den Garten. Und den will auch keiner rückgängig machen, oder?!

Uwe Schieferdecker, Sylvio Dittrich: Dresden. Vor der Wende und heute. Wartberg-Verlag, 72 Seiten, zahlreiche Fotos in Farbe und Schwarzweiß, 16,90 Euro, ISBN 978-3-8313-2465-1

Von Christian Ruf

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