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Lokales Neues Bad für Neustadt und Pieschen wird Wahlkampfthema
Dresden Lokales Neues Bad für Neustadt und Pieschen wird Wahlkampfthema
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10:15 26.03.2019
So viel Platz in den dicht besiedelten Stadtbezirken Neustadt und Pieschen ist selten. An der Harkortstraße soll er nach dem Willen von Grünen und SPD für einen Badneubau genutzt werden. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Die Forderung nach einem neuen Kombibad für die Stadtbezirke Neustadt und Pieschen wird Wahlkampfthema. Das kündigten die Stadträte Vinzent Drews (SPD) und Johannes Lichdi (Grüne) am Montag an. Zunächst wollen SPD und Grüne auf der nächsten Stadtratssitzung am 11. April die Brachfläche an der Harkortstraße in Pieschen als neuen Standort für ein kombiniertes Frei- und Hallenbad ins Bäderkonzept schreiben lassen. Dafür müsse sie jedoch Mitstreiter finden.

Konkurrenz zum Sachsenbad?

Und das ist einigermaßen schwierig. Im Bauausschuss hatten die Abgeordneten der Linken – dritter Bestandteil der ehemaligen Stadtratsmehrheit – laut Lichdi geschlossen gegen die Ausbaupläne gestimmt. Sie sehen die Entwicklung des Sachsenbades durch den neuen Badstandort gefährdet. „Das halten wir für ausgeschlossen, das Sachsenbad soll schließlich zum Gesundheitsbad und nicht zum Sportbad werden“, sagt Lichdi.

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Allerdings ist zu den Plänen, die drei Interessenten derzeit mit der Stadtverwaltung zur Zukunft des Sachsenbades diskutieren, nichts weiter bekannt. Die Stadt will sich bis zum Abschluss des Verfahrens bedeckt halten, sagt aber immerhin so viel: Für den Fall, das ein Badneubau in Pieschen beschlossen werde, sei „davon auszugehen, dass unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte zu setzen sind, wenn einerseits ein modernes Sport- und Familienbad – etwa nach dem Vorbild der Schwimmhalle Bühlau – und andererseits ein Gesundheitsbad entsteht“.

So oder so hält Lichdi eine direkte Konkurrenz für ausgeschlossen. „Das gibt die Größe im Sachsenbad gar nicht her“, meint er. Das dort seit Jahren trocken liegende Wasserbecken messe etwa 25 mal elf Meter, macht 275 Quadratmeter. Gebraucht würden in Pieschen und der Neustadt für Schulschwimmen und Freizeitsportler aber an 1000 Quadratmeter überdachter Hallenfläche, wenn man die etwa 100.000 Einwohner in beiden Stadtbezirken zum Maßstab nehme. Da falle auch das kleine Nordbad in der Neustadt mit gerade einmal 124 Quadratmeter Wasserfläche wenig ins Gewicht, meint Lichdi.

Millionenfantasien der Deutschen Bahn zuvorkommen

Insofern erzürnt es ihn und Drews, dass im neuen Bäderkonzept nichts von einem Bäderneubau in Pieschen oder der Neustadt zu lesen ist. Dort steht lediglich der Satz, dass die Bewohner beider Stadtbezirke durch ein neues Kombibad in Klotzsche versorgt werden sollen, dass bis 2025 als Ersatz für das alte, das einer Gewerbeerweiterung zum Opfer fallen soll, an neuem Standort entstehen soll. „Dabei gibt es dazu mehrere Beschlüsse des Stadtrats und der Stadtbezirksbeiräte“, moniert Drews. Das neue Bad in Pieschen und der Neustadt solle gleichzeitig und -rangig mit dem in Klotzsche entstehen. Im Stadtrat hatten SPD und Grüne zuletzt Ende 2018 den Badstandort Harkortsstraße ins Integrierte Stadtentwicklungskonzept eingeschrieben – mit Zustimmung der CDU. Auf diese eher seltene Mehrheitskonstellation im Stadtrat hoffen Drews und Lichdi auch am 11. April.

So oder so geht die Beschäftigung mit dem Thema bis zu Kommunalwahl Ende Mai und darüber hinaus weiter. Denn die Fläche an der Harkortstraße mit ihren laut Drews mehr als fünf Hektar Größe gehört noch der Deutschen Bahn. „Wir hatten dazu aber bereits 2017 Gespräche mit der Bahn geführt. Damals hieß es, dass das Areal noch bis spätestens 2021 als Baustelleneinrichtung gebraucht werde und anschließend verkauft werden solle“, sagt er. Deshalb wolle man nun handeln. „Wir wollen in der neuen Legislaturperiode frühzeitig einen Bebauungsplan aufstellen, bevor bei der Bahn irgendwelche Millionenfantasien entstehen“, sagt Drews.

Wobei man für eine teure Vermarktung tatsächlich einiges an Fantasie bräuchte. Die Fläche liegt zwischen zwei Bahndämmen, weshalb eine Wohnbebauung schwerlich möglich ist. Im Flächennutzungsplan ist das Areal seit Längerem als Gewerbe- und Sportstättenstandort verzeichnet. Wobei die Brache nicht nur als Badstandort, sondern auch als künftiger Sportcampus für den Verein Motor Mickten im Gespräch ist. „Beides würde sich ergänzen“, meint Drews. Während Lichdi die Vorteile der Harkortstraße als Badstandort aufzählt. „Sie liegt gut erreichbar an Straßenbahnlinien und S-Bahn, in der Nähe entsteht an der Gehestraße ein neuer Schulcampus.“

Von Uwe Hofmann