Neues Ausflugsziel: Wanderweg in Dresden spürt Geschichte bis in Steinzeit nach
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Lokales Blick zurück bis in die Steinzeit – Dresden weiht kulturhistorischen Rundwanderweg ein
Dresden Lokales Blick zurück bis in die Steinzeit – Dresden weiht kulturhistorischen Rundwanderweg ein
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18:02 15.05.2020
Steffen Bösnecker steht an einer von elf Infotafeln auf dem neuen Archaeo-Pfad in Dresden. Dabei handelt es sich um einen elf Kilometer langen Wanderweg am Stadtrand, der zu 60 Prozent durch Natur und Landschaft führt. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Dresden ist mehr als Zwinger, Schloss und Frauenkirche. Archäologische Funde zeigen, dass das Dresdner Elbtal schon vor 7000 Jahren besiedelt wurde. Von dieser Besiedlungsgeschichte, die bis in die Steinzeit zurückreicht, aber auch von anderen historischen und kulturlandschaftlichen Besonderheiten erzählt ein neuer Rundwanderweg in Dresden.

Initiative für Wanderweg ging von Bürgern aus

Er ist elf Kilometer lang, führt rund um das Schloss Nickern durch die Dresdner Ortsteile Nickern, Prohlis sowie Kauscha und wird am Sonnabend, 16. Mai, eröffnet. Interessierten werden jeweils 10 und 11 Uhr an fünf Standorten des mit elf Info-Stelen markierten kulturhistorischen Rundwanderweges sachkundige Erläuterungen gegeben.

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Das ist zur Einweihung des Wanderweges los

Am Sonnabend, 16. Mai 2020, 10 Uhr wird der neue Rundwanderweg gleichzeitig an fünf Standorten eröffnet. Dort gibt es jeweils um 10 und 11 Uhr auch sachkundige Erläuterungen zu den Inhalten der ausgewählten Info-Stelen an folgenden Standorten:

Palitzschhof, Gamigstr. 24, Thema: Das Dorf Prohlis, vorgestellt von Peter Neukirch, Leiter des Palitzsch-Museums, und Jörg Lämmerhirt, Leiter des Stadtbezirksamtes Prohlis

Ende Hauboldstraße/Ecke Langobardenstraße, Thema: Langobarden in Nickern?, vorgestellt von Dr. Thomas Westphalen, Landesamt für Archäologie Sachsen

Schloss Nickern, Altnickern 36, Thema: Geschichte des Archaeo-Pfades, vorgestellt von Steffen Bösnecker, Heimatverein Prohlis e. V.

Bus-Haltestelle Altnickern, Thema: Neolithische Siedlung, vorgestellt von Margit Georgi, Landesamt für Archäologie Sachsen

Aussichtspunkt Trutzsch, Thema: Geschichten um den Trutzsch, vorgestellt von Anja Kaltofen, Landesamt für Archäologie Sachsen

Gleichzeitig vorgestellt wird das gerade erschienene Heft 13 der Publikationsreihe Archaeonaut mit dem Titel „Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden“. Ebenso wird eine Faltkarte ausgegeben, die den Verlauf des Weges und die elf Infotafel-Stationen zeigt.

Einen solchen Weg auszuweisen und mit entsprechenden Infotafeln auszustatten geht auf die Initiative einer Gruppe heimatgeschichtsinteressierter Dresdner um den Nickerner Fliesenlegermeister und Hobbyhistoriker Steffen Bösnecker zurück. Er fand es unverständlich, dass die Stadt die archäologischen Funde im Dresdner Süden nicht nutzt, um Geschichte erlebbar zu machen, und regte einen Rundweg „Via Neolithica Dresdensis“ an.

Vier Kreisgrabenanlagen im Umkreis von 500 Metern

Schließlich wurden im Dresdner Stadtteil Nickern in einem Gebiet von etwa 500 Metern Durchmesser um den Gebergrund u.a. Spuren von gleich vier ringförmigen Graben- und Wallkonstruktionen gefunden, die auf eine Besiedlung des Dresdner Elbtals vor immerhin 7000 Jahren hinweisen. Darunter befindet sich auch ein vierfacher Kreisring. Einen solchen gibt es ansonsten europaweit nur in den Kreisgrabenanlagen in Kyhna bei Delitzsch, in Kolin bei Prag und in Cífer (Slowakei).

Nun ist ein Wanderweg, der u.a. auf diese Funde im Dresdner Süden aufmerksam macht, Wirklichkeit geworden. Allerdings in modifizierter Form.

Stadtnaher Wanderweg führt zu 60 Prozent durch Natur und Landschaft

„Der Vorschlag von Steffen Bösnecker ist die Grundlage, wir haben den Wanderweg jedoch nicht nur auf das Neolothikum beschränkt, sondern inhaltlich weiter gefasst und zum Beispiel auf Zeugnisse der Industriegeschichte Bezug genommen“, erklärt der Prohliser Stadtbezirksamtsleiter Jörg Lämmerhirt.

Der Weg führe zu rund 60 Prozent durch Natur und Landschaft. „Das ist für einen solchen stadtnahen Wanderweg eine Menge“, betont der Stadtbezirksamtsleiter.

Stadtbezirksbeirat finanziert Tafeln und Wanderkarte

Der Archaeo-Pfad entstand in enger Zusammenarbeit des Stadtbezirksamtes Prohlis mit dem Palitzsch-Museum, dem Heimatverein Prohlis e. V. und dem Landesamt für Archäologie Sachsen sowie der Archäologischen Gesellschaft. Grundlage für die Umsetzung war ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2014. Den Antrag dafür hatte das Bündnis Freier Bürger auf Initiative von Steffen Bösnecker und des Heimatvereins Prohlis eingebracht.

Der Stadtbezirksbeirat Prohlis finanzierte mit reichlich 20 000 Euro die elf Infotafeln, 60 Wegweiser und eine kostenlose Wanderkarte zum Thema, die in einer Auflage von 2500 Stück zunächst im Palitzsch-Museum erhältlich ist.

20 Geocaching-Punkte entlang des Wanderweges geplant

„Wir arbeiten daran, diese Karte auch noch an anderen Punkten nahe des Wanderweges anzubieten“, sagt Jörg Lämmerhirt. Zudem sei man mit der Archäologischen Gesellschaft im Gespräch, die wahrscheinlich die Kosten für einen Nachdruck der Wanderkarte übernehmen will.

Das Landesamt für Archäologie hat für Geschichtsinteressierte mit Heft 13 der Publikationsreihe „Archaeonaut“ zudem ein 48 Seiten umfassendes und reich bebildertes Begleitheft zum Archaeo-Pfad Dresden herausgebracht. Es kann im Webshop des Landesamtes für Archäologie Sachsen und am 16. Mai zum Tag der Eröffnung des Archaeo-Pfades vor Ort erworben werden.

Die Stadt Dresden will nach eigenem Bekunden noch in diesem Jahr für den Archaeo-Pfad Dresden eine eigene Web-Präsenz unter www.dresden.de anlegen. Ebenso seien rund 20 Geocaching-Punkte entlang des neuen Wanderweges geplant.

Hobbyhistoriker hat Traum nicht aufgegeben

Für Steffen Bösnecker ist der kulturhistorischer Rundwanderweg am Geberbach, der jetzt eingeweiht wird, ein guter Anfang. Aber er will mehr und träumt von einer Nachbildung einer Kreisgrabenanlage im Originalmaßstab an authentischer Stelle und will die Möglichkeiten einer modernen Nutzung einer solchen Anlage ins Gespräch bringen. „Den Plan, eine solche Kreisgrabenanlage sichtbar zu machen, habe ich noch nicht aufgegeben. Ich will das zu meinen Lebzeiten noch erleben“, so Steffen Bösnecker.

ArcheoPfad_Faltplan_online (2 MB)

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Von Catrin Steinbach

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