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Lokales So soll Strahlentherapie am Dresdner Krebszentrum effektiver werden
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Neuer Linearbeschleuniger verbessert Strahlentherapie für Krebspatienten am Uniklinikum Dresden

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09:45 05.07.2020
Was jetzt noch Rohbau ist, soll bald eine neue Generation der Krebstherapie beherbergen. Die Visualisierung zeigt den neuen MR-Linearbeschleuniger, der die Strahlentherapie verbessern soll. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Die Hälfte aller Krebspatienten benötigt eine Strahlentherapie. Wird ein Tumor bestrahlt, leidet das umliegende gesunde Gewebe meist mit. Gibt es Metastasen in der Leber, lassen sich diese nur schwer erkennen und zielgenau bestrahlen. Das soll sich Ende 2021 am „Nationalen Zentrum für Strahlenforschung“ (Oncoray) in Dresden ändern. Denn Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) hat den Onkologen am Freitag per Förderbescheid neun Millionen Euro zugesagt, damit sie einen Linearbeschleuniger samt Magnetresonanz-Tomographen (MRT) kaufen können. Das Gerät soll genauere, effektivere und schnellere Therapien ermöglichen.

Viele Tumore bisher nur schwer zu erkennen

Laut Esther Troost, Leiterin der Oncoray-Abteilung „Bildgestützte Strahlentherapie“, ist eine Bestrahlung für jeden zweiten Krebspatienten ein Teil der Therapie. „50 Prozent davon wollen wir heilen, bei den anderen 50 Prozent, wo Heilung nicht mehr möglich ist, können wir damit Schmerzen lindern“, erklärt die Professorin. Bevor die Bestrahlung startet, werden Röntgenaufnahmen oder Computertomographien gemacht, um die Therapie anzupassen. Doch diese Methode birgt Nachteile, wie Esther Troost berichtet: „Tumoren im Weichgewebe, beispielsweise Metastasen in der Leber, sind damit nur schwer abzubilden“, sagt Troost. Daher konnten die Ärzte bisher rund 70 Prozent aller zu bestrahlenden Tumoren gar nicht oder nur indirekt sehen.

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Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (Mitte) überreicht Professorin Esther Troost den Förderbescheid über neun Millionen Euro. Quelle: Anja Schneider

Mit dem neuen MR-Linearbeschleuniger soll sich das ändern: Dieser besteht aus einem Magnetresonanztomographen und einem Linearbeschleuniger, der Photonenstrahlung beisteuert. Photonen sind Energieteilchen, mit denen die Mediziner die DNA von Krebszellen beschädigen können. Das hat zur Folge, dass die Zellen absterben und sich nicht weiter vermehren.

Tumore in Weichteilen besser sichtbar

Der Vorteil gegenüber anderen Geräten, die zur Strahlentherapie genutzt werden, ist, dass Tumoren in Weichteilen besser dargestellt werden. Esther Troost spricht von einem „exzellenten hochaufgelösten Weichteilkontrast“. Außerdem lasse sich der Tumor in Echtzeit während der Therapie beobachten. Die Ziele sind, das umliegende gesunde Gewebe zu schonen, höhere Strahlungsdosen zu ermöglichen und den Behandlungszeitraum zu verkürzen. „Mit dem MR-Linearbeschleuniger können wir kleinste Tumoren in schwer zugänglichen Körperregionen identifizieren und sicher bestrahlen“, fasst Esther Troost die Vorteile zusammen. Spätestens Ende 2021 will sie Patienten damit behandeln.

MR-Linearbeschleuniger Quelle: Visualisierung: Uniklinikum Dresden

Noch ist der große Raum eine Betonhöhle. Doch schon bald soll der neue Linearbeschleuniger im Neubau des „Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen“ (NCT/UCC) seinen Platz finden. Das Gebäude ist fast fertig, die Eröffnung für September geplant.

Dresden ist dann der vierte Standort in Deutschland, an dem diese neue Therapieverfahren einsetzbar sind. Bisher ist das nur in Tübingen, Heidelberg und München möglich. Die Dresdner Onkologen wollen mit dem Beschleuniger eine neue Generation der Krebstherapie einläuten.

Ein weiterer hochmoderner Linearbeschleuniger ist bereits im NCT/UCC angekommen und wird derzeit für Behandlungen eingestellt und vorbereitet. Quelle: Anja Schneider

Erst vor wenigen Wochen wurde ein anderer, ebenfalls hochmoderner Linearbeschleuniger im neuen Gebäude des NCT/UCC installiert. Das Gerät wird derzeit für den Einsatz vorbereitet. Erste Patienten könnten im Juli damit bestrahlt werden. Auch hiermit ist eine präzise Behandlung möglich, wie Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums erklärt: „Der Linearbeschleuniger bietet eine Therapieform, bei der die Behandlungsstrahlen aus verschiedenen Winkeln in großer Präzision punktgenau auf den Tumor treffen.“

Die Räume für beide Linearbeschleuniger haben Arbeiter eigens für diese Geräteklasse gebaut. Die Anlagen befinden sich auf einer Etage.

Von Lisa-Marie Leuteritz