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Lokales Neue Orthese lässt Querschnittgelähmten wieder laufen
Dresden Lokales Neue Orthese lässt Querschnittgelähmten wieder laufen
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07:36 17.03.2019
Seit acht Jahren ist der querschnittgelähmte Christian Vogt auf den Rollstuhl angewiesen. Die neuartige Orthese, die seine Kniegelenke beim Gehen stützt, soll das ändern. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Langsam steigt Christian Vogt die wenigen Stufen der kurzen Treppe hinab. Wer nicht genau hinsieht, bemerkt die Anstrengung nicht, mit der er sich dabei an beiden Handläufen festhält. Der 38-Jährige ist seit einem Motorradunfall vor acht Jahren ab dem ersten Lendenwirbel querschnittgelähmt. Mithilfe besonderer Orthesen lernt er gerade wieder zu gehen.

René Wernicke hat ihm diese Orthesen an das linke und rechte Bein angepasst. Wernicke arbeitet als Orthopädietechnikermeister bei der Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH. Beide Männer haben sich vor acht Jahren in Kreischa kennengelernt, als Vogt kurz nach seiner Genesung mit der Reha begann.

„Das macht uns sehr stolz“

Seither hat sich zwischen den Dresdner Fachleuten und dem in Jena lebenden 38-Jährigen ein enges Verhältnis ausgebildet, man nennt sich beim Vornamen, unterstützt sich. Insofern kam es nicht überraschend, als Markus Buro, der bei der Orthopädie- und Rehatechnik die gesamte Orthesentechnik verantwortet, vor vier Jahren bei Vogt anrief. „Ich hatte auf einer Messe in Leipzig eine Kniegelenkorthese gesehen, die wie gemacht für Christian war und sagte ihm: Komme her, das musst du sehen“, erinnert sich Buro.

Es handelte sich um einen Prototypen von „C-Brace“, einem Orthesensystem des deutschen Herstellers Otto Bock. Seit vergangenem Herbst ist es auf dem Markt, derzeit sind acht Unternehmen für den Vertrieb zertifiziert, neben der Dresdner Orthopädie- und Rehatechnik gibt es nur noch in Berlin einen Anbieter in ganz Ostdeutschland. Am Freitag nun konnte Vogt als der erste Patient mit der „C-Brace“-Technik in Dresden und als einer der ersten, der sie an beiden Beinen trägt, buchstäblich aus dem Stammhaus an der Fetscherstraße laufen. „Das macht uns sehr stolz“, sagt Buro.

Mit der Orthese – und dank der Muskelkraft seines Oberkörpers – kann Christian Vogt sogar eine Treppe hinabsteigen. Physiotherapeutin Claudia Buro begleitet seine Fortschritte. Quelle: Dietrich Flechtner

Vogt hingegen empfindet vor allem Dankbarkeit. Fast vier Jahre musste er auf diesen Moment warten. Gutachten und Anträge mussten geschrieben werden, damit die Krankenkasse die Orthesen – jeweils mehr als 50 000 Euro teuer – bezahlt. „Ich will ohne Rollator gehen können, vielleicht nur mit einer Stütze oder ganz ohne“, sagt er. Diese Motivation vor allem hat die Dresdner überzeugt, die Technik das erste Mal bei Vogt anzuwenden.

Dabei sind die Fachleute wie bisher für das Fertigen und Anpassen der Orthese zuständig. Physiotherapeutin Claudia Buro unterstützt Vogt zudem dabei, einen richtigen Gang zu finden und die Möglichkeiten der neuen Orthese auszureizen: Treppen hinabsteigen etwa oder über eine schiefe Ebene hinabgehen.

Neue Orthese soll Stürze verhindern

Möglich macht das ein motorgetriebenes Kniegelenk, das durch viele Sensoren gesteuert wird. 60 Messungen verarbeitet der kleine, 900 Gramm schwere Kasten in der Sekunde, interpretiert dabei die Bewegungen von Vogts Hüftmuskulatur und seine Verortung im Raum. So kann er beim Gehen die Beine durchschwingen ohne Gefahr zu laufen, zu stürzen. Vorher trug Vogt zwar auch eine Orthese, die ihn aber beim Schwingen des Beins nicht gestützt hat. Die Folge waren einige Stürze, weil er sich trotz seines kräftigen Oberkörpers bei ungünstigen Bodenverhältnissen nicht immer auf dem Rollator oder den Krücken halten konnte.

Mit der neuen Orthese soll das nun nicht mehr passieren. Außerdem dämpft sie den Auftritt, indem sie einen kleinen Widerstand gibt und fängt Vogt auf die gleiche Weise ab, wenn er einen abschüssigen Weg hinabgeht. „Meine Muskeln leisten das nicht, bisher musste ich hier sonst rückwärts hinunter, bei durchgedrückten Knien“, sagt Vogt.

„Sogar Spazierengehen wird jetzt möglich“

Für den 38-Jährigen geht es um eine Rückeroberung des Alltags, um ein Stück Normalität, das ihm durch den Unfall verloren ging. Darum, ein Glas aus dem Hängeschrank zu holen oder auf Quadtouren mit den Kumpels auch mal in eine Eisdiele gehen zu können, statt draußen darauf zu warten, dass einer der Freunde die kalte Süßspeise herüberreicht. „Wenn ich auf den Rollator angewiesen bleibe, geht das nicht. Wenn ich jedoch nur die Stütze dabei haben muss, kann ich mich freier bewegen“, sagt Vogt.

Derzeit kann der 38-Jährige sich etwa 50 Meter auf Krücken bewegen, zehn Mal so viel Meter sind es auf dem Rollator. Vogt hofft, dass es nun mit der neuen Orthese schnell mehr wird. „Sogar Spazierengehen wird jetzt möglich“, sagt er. Er gewöhne sich sehr schnell an die neuen Freiheiten. Markus Buros Hoffnungen gehen sogar noch weiter. „Ganz am Ende des Tunnels sehe ich das freihändige Gehen.“

Von Uwe Hofmann

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