Neue Mensa in Dresden: Sanierung bis 2024
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Lokales Sanierung bis 2024: Das sind die Pläne für die Neue Mensa in Dresden
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Neue Mensa in Dresden: Sanierung bis 2024

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09:00 20.10.2020
Die Neue Mensa bleibt äußerlich praktisch unverändert, erhält aber einen Anbau mit Terrasse. Quelle: AGZ Zimmermann Architekten GmbH
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Dresden

Vier Jahrzehnte sind eigentlich noch kein Alter. Das gilt für den Menschen, erst recht aber für Gebäude mit dem Etikett, unter Denkmalschutz zu stehen. Und trotzdem war die Neue Mensa entgegen ihrem Namen bis zur ihrer endgültigen Schließung 2014 schon sichtbar in die Jahre gekommen – was allerdings nur für die Bausubstanz, keineswegs aber für ihren eigentlichen Zweck gilt. Die Neue Mensa, so erklärt es Martin Richter, Geschäftsführer des Studentenwerks Dresden, habe die Idee ihres Architekten Ulf Zimmermann immer voll erfüllt.

Das Gebäude am Fritz-Foerster-Platz war zwischen 1975 und 1981 nach Plänen des bekannten Dresdner Architekten errichtet worden. Nicht nur als Ort, an dem Studenten und Dozenten ihr Essen einnehmen können. Die Mensa, das betont Martin Richter, sei auch immer ein Ort der Begegnung und der Kultur gewesen und das auch nicht nur mittags, sondern auch abends. „Das Haus war immer voller Leben“, sagt Martin Richter, der nun aber den Blick hoffnungsvoll nach vorn richtet. In der vergangenen Woche haben er und Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) endlich den offiziellen Start der Rohbauarbeiten für die Sanierung verkünden können.

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„Dieser Rohbaustart ist ein sichtbares Hoffnungszeichen dafür, dass die Neue Mensa in ein paar Jahren wieder das sein wird, was sie in ih­ren besten Zeiten war: Das soziale und kulturelle Herz inmitten des Campus, der Ort, wo man sich trifft und wo neben aller Forschung und Lehre das Leben an der Hochschule eine Mitte hat“, erklärt Martin Richter. Eine Funktion, die auch Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow unterstreicht: „Die Tatsache, dass der Freistaat in den kommenden Jahren erhebliche Summen in den Bau und in die Ausstattung der Neuen Mensa investieren wird, zeigt, welche Bedeutung er der sozialen Infrastruktur an den sächsischen Hochschulen beimisst.“

Vor allem aber ist es das Adverb „endlich“, das den beiden hörbar erleichtert über die Lippen geht. Nach der Schließung 2014 – allen voran wegen der maroden Bausubstanz und des mangelhaften Brandschutzes – waren die Bemühungen für die Sanierung zunächst immer wieder abgewürgt worden. Erst musste das Gebäude als provisorische Erstaufnahmeeinrichtung herhalten, später war eine Neuausschreibung vieler Bauleistungen nötig, weil die von den Baufirmen vorgelegten Angebote sich teils erheblich von den Kostenschätzungen des Freistaats unterschieden (DNN berichteten).

30 Millionen Euro Baukosten

Ursprünglich hätte die Mensa be­reits jetzt im Winter wieder öffnen sollen – als neue Zielvorgabe gilt inzwischen 2024. Auch die Kosten mussten korrigiert werden. Waren die Planer zunächst noch von knapp 24 Millionen Euro ausgegangen, so liegt die Prognose aktuell bei 30 Millionen Euro. Ein großer Teil davon, so heißt es vom Studentenwerk, resultiere aus den stark gestiegenen Preisen im boomenden Bausektor.

Mit Norbert Zimmermann übernimmt nun der Sohn des Planers der Neuen Mensa die gestalterische Federführung bei der Sanierung. Ein Spagat in mehrfacher Hinsicht, wie er betont. Einerseits stehen die Regeln des Denkmalschutzes den klaren Vorgaben des Brand-, Wärme- und Schallschutzes gegenüber. Anderseits habe sich auch die politische Frage hinsichtlich der DDR-Erinnerungskultur gestellt. Norbert Zimmermann verweist auf verschiedene Positionen, zwischen denen die Planer stark vermitteln mussten.

Tatsächlich wird sich an der äußeren Gestalt des bestehenden Gebäudes wenig ändern. Geplant ist allerdings an der Seite hin zum Willersbau ein Anbau mit einer Terrasse. Das neue und das alte Gebäude werden gestalterisch durchaus in Einklang stehen, sollen „ineinander fließen“. Vieles von dem, was nun den neuen Anforderungen nach umzusetzen ist, soll aber vor allem der Neubau in sich aufnehmen – was letztlich den Druck vom Vorhandenem nimmt, wie es Architekt Norbert Zimmermann ausdrückt.

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So werden die Speisesäle in der oberen Etage des Gebäudes in ihrer Anordnung erhalten bleiben – inklusive der Fußböden und Holzdecken. „Die sind bereits beim Tischler zur Aufarbeitung“, erklärt Christian Schneider, Projektverantwort­licher des Studentenwerks. Nur im großen Saal hin zur Bergstraße ist der Einbau eines neuen Fußbodens nötig. Ausgetauscht werden müssen auch die alten Fenster. Unterm Strich werde aber dennoch der Eindruck angestrebt, wie er bei der Eröffnung 1981 vorherrschte.

Sichtbare Eingriffe, aber keine Brüche

Dazu beitragen werden auch die ursprünglichen Moki-Decken, die aus speziell gegossenen Gipsplatten gestaltet werden und in großen Teilen des Gebäudes verbaut worden waren. Dazu sollten diese zunächst ebenfalls aufgearbeitet werden. Inzwischen, so sagt Christian Schneider, sei jedoch entschieden worden, sie neu fertigen zu lassen.

Das alles heißt allerdings wiederum nicht, dass sich gar nichts ändern wird. In der Mitte der oberen Etage, wo sich früher die Küche befand, ist ein ausgedehnter Free-Flow-Bereich, also ein großzügiger Raum mit Bedien- und Ausgabetheken vorgesehen. Der sonst in der Mensa dominierende Sichtklinker wird hier durch Elemente aus bedrucktem Glas und Aluminium erweitert. „Es wird sichtbare Eingriffe geben, aber keine Brüche“, erklärt dazu Norbert Zimmermann.

Bierstube kommt zurück

Insgesamt wird die sanierte und erweiterte Mensa in den drei Speisesälen, auf der Terrasse des Anbaus sowie in den Cafeteria- und Loungebereichen etwa 850 Sitzplätze bieten. Bis zu 4000 Portionen könnten täglich ausgegeben werden, was faktisch an die alten Zeiten heranreicht. Und: Die Kapazität bei Veranstaltungen liegt bei bis zu 3000 Besuchern, erklärt Christian Schneider. Große Konzerte mitten im Herzen des Campus, wie sie Generationen von Studenten hier erlebt haben, werden also wieder möglich sein.

Eine prägende Wirkung hatte indes für viele Studenten auch die Bierstube – und das weit über den möglichen Kater am Morgen danach hinaus. Die Kneipe im Erdgeschoss, das geloben Martin Richter und Norbert Zimmermann nun noch einmal explizit, wird ebenfalls wiederkehren. Bei der Gestaltung gilt auch hier, dem Charme der 1980er Jahre möglichst gerecht zu werden.

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Von Sebastian Kositz