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Lokales Neubau der Nossener Brücke verzögert sich nach Planungspanne
Dresden Lokales Neubau der Nossener Brücke verzögert sich nach Planungspanne
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10:30 08.03.2018
Täglich rollen etwa 30 000 Fahrzeuge über die Nossener Brücke. Wegen des schlechten baulichen Zustands, könnten bald einzelne Fahrspuren gesperrt werden.
Täglich rollen etwa 30 000 Fahrzeuge über die Nossener Brücke. Wegen des schlechten baulichen Zustands, könnten bald einzelne Fahrspuren gesperrt werden.  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Rückschlag für die „Stadtbahn 2020“-Pläne: Abriss und Neubau der Nossener Brücke, über die einmal Straßenbahnen von Löbau in Richtung Großer Garten rollen sollen, rücken in ferne Zukunft. Denn die bisherigen Planungen sind hinfällig und müssen großenteils noch einmal von vorn begonnen werden, wie aus einer Antwort von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf eine Anfrage von FDP-Stadtrat Jens Genschmar hervorgeht.

Hilbert gibt darin der Deutschen Bahn die Schuld: „Die Deutsche Bahn AG hat inzwischen eine Brückenhöhe von 7,20 Meter gefordert, was die komplette Umplanung in diesem Bereich erforderlich macht“, teilt er mit.

Baubeginn frühestens in fünf Jahren

Dass die Planungen zur Nossener Brücke, die seit Mitte der 1960er Jahre den Verkehr über das Kraftwerksgelände der Drewag und die Eisenbahnstrecke führt, nicht allzu leicht sind, haben Straßen- und Tiefbauamt und die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) in der Vergangenheit stets signalisiert. Dass nun alle Zeitpläne über einen Haufen geworfen sind, überrascht aber doch.

Unter der Voraussetzung dass es keine weiteren Probleme gibt, „soll die Genehmigungsplanung noch im IV. Quartal 2018 fertiggestellt werden“, prognostiziert nun Oberbürgermeister Hilbert. Anschließend steht das Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen an, das bei der Gemengelage durchaus Jahre dauern kann. Eineinhalb Jahre hat die Stadtverwaltung dafür veranschlagt, „voraussichtlich 2023“ könne gebaut werden, folgert der OB. Also in frühestens fünf Jahren.

Dafür fehlen allerdings noch entscheidende Voraussetzungen. „Zuvor müssen die Umleitungsstrecke Zwickauer Straße und der Fernwärmedüker unter den Bahngleisen der Deutschen Bahn AG fertiggestellt werden“, teilt Hilbert mit. Das lasse sich nur bewerkstelligen, wenn die nun neu angestoßene Planung „ohne Unterbrechung unter den gegenwärtig zugrunde liegenden Festlegungen durchgeführt“ werden könne. Heißt: Jedes weitere Planungsproblem verzögert das Gesamtvorhaben weiter empfindlich.

Nächster Rückschlag für die DVB

Und das ist durchaus denkbar, da zwei Vereinbarungen mit der Deutschen Bahn noch ausgehandelt werden müssen, zu der man gemessen an der aktuellen Entwicklung nicht den besten Draht zu haben scheint. Bei der einen handelt es sich um eine Planungsvereinbarung, die das jeweilige Planungsziel festschreibt. Sollte dieses im Anschluss von einem der Vertragspartner geändert werden, müsste er die daraus resultierenden Mehrkosten tragen. „Die Verhandlungen dazu haben begonnen“, teilt der OB mit.

Die andere Vereinbarung wird nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz geschlossen und schreibt eine Kostenteilung vor, da sowohl Stadt als auch Bahn ein Interesse am Umbau der Brücke haben. „Die Kreuzungsvereinbarung wird erst mit dem Planfeststellungsbeschluss unterschrieben, damit eine genehmigte Lösung als Basis vorliegt“, heißt es.

Für die Ausbaupläne der DVB, die zwischen Löbtau und Großem Garten für knapp 100 Millionen Euro eine neue Bahntrasse bauen wollen, bedeutet das den nächsten Rückschlag. An der Oskarstraße sieht es nicht so aus, dass der seit vergangenem Sommer geltenden Baustopp in diesem Jahr aufgehoben wird (DNN berichteten). Einzig beim Bau der neuen Zentralhaltestelle auf der Kesselsdorfer Straße laufen die Arbeiten einigermaßen nach Plan.

Mittelfristig werden Fahrstreifen wegfallen

Betroffen von der Planungspanne sind aber auch die Autofahrer. Zwar hat die Stadt die Restlebenszeit der Nossener Brücke verlängert, indem sie 2017 für rund 500 000 Euro Stützwände unter der südlichen Brückenhälfte installiert hat. Dort verlaufen nun drei Fahrbahnen, auf der nördlichen nur noch eine. „Bei der Stahlbrücke über die Bahnanlagen wurden bei der Hauptprüfung 2017 Schweißnahtrisse in den Aussteifungen der Fahrbahnplatte festgestellt“, gibt jedoch OB Hilbert zu bedenken. Wie gravierend die sind, muss noch ausgewertet werden.

„Angesichts der Verzögerungen bei der Planung“ will die Stadt „in Kürze“ eine „Restnutzungsdauerbetrachtung“ für die Nossener Brücke erstellen. „Es ist zu prognostizieren, dass auf Grundlage dieser Unterlage mittelfristig Fahrstreifen wegfallen“, heißt es. Da die Nossener Brücke als wesentlicher Teil des westlichen Stadtrings und als Umleitungsstrecke für die staugeplagte Autobahn 4 eigentlich unabkömmlich ist, drohen Staus.

Von Uwe Hofmann