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Lokales Kippt das nächste WiD-Projekt? Das kritisieren die Anwohner
Dresden Lokales Kippt das nächste WiD-Projekt? Das kritisieren die Anwohner
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12:57 18.02.2019
So sollen die neuen Gebäude an der Bulgakowstraße aussehen.
So sollen die neuen Gebäude an der Bulgakowstraße aussehen. Quelle: Visualisierung: WiD
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Dresden

Beim Hochhausprojekt in der Johannstadt musste die WiD die Reißleine ziehen, hat nach Anwohnerprotesten und politischem Hickhack die Planungen gestoppt. Doch inzwischen wackelt auch ein weiteres Projekt der kommunalen Ge­sellschaft, die den sozialen Wohnungsbau in der Stadt vorantreiben soll. Auf der Südhöhe machen An­­wohner gegen ein Vorhaben auf der Bulgakowstraße mobil.

Zwar hatte die Stadt die Baugenehmigung für das Vorhaben längst erteilt – doch ein Stapel von Widersprüchen, die zu­nächst noch ge­prüft werden müssen, haben den Prozess jetzt erst einmal ausgebremst. Nun trafen Vertreter der Gesellschaft Wohnen in Dresden (WiD), der Stadt und die Anwohner in einer Versammlung erstmals direkt aufeinander. Die DNN fassen die größten Knackpunkte zusammen.

Knackpunkt 1: Der Naturschutz

Die WiD will die beiden neuen Ge­bäude auf einer Brache errichten. Dort stand bereits einmal ein Flachbau, nach dessen Abriss verwilderte das Areal. Zudem grenzt direkt da­ran ein steiler Abhang an, der in­zwischen stark bewaldet ist und hinab zur Bibrachstraße führt. Die Anwohner verweisen darauf, dass sich auf dem Areal in den vergangenen Jahren ein Biotop entwickelt habe, das durch die Bebauung verschwinden würde. Zudem werde der angrenzende Wald in Mitleidenschaft gezogen.

Aus Sicht der Vertreter der WiD und der Stadt sind die Sorgen allerdings unbegründet. Der Wald bleibe abgesehen von einigen wenigen notwendigen Baumfällungen er­halten – ebenso wie etwa die Haselnussbäume direkt am Rand des Baugrundstückes hin zur Bulgakowstraße. Der Wald werde darüber hinaus noch stabilisiert – so sollen neue Bäume und Sträucher hinzukommen, heißt es von der Stadt. Bäume und Sträucher, die für den Neubau weichen müssen, werden ersetzt – auch durch Neupflanzungen rund um die Neubauten.

Knackpunkt 2: Der Baugrund

Allen voran die Anwohner der Bibrachstraße, die unterhalb des Ab­­hangs wohnen, fürchten, dass die Ge­bäude zu schwer sind und der Hang samt der beiden Neubauten abrutschen könnte. Dabei verweisen sie auch auf den einstigen Lehmabbau in dem Bereich. Aus ihrer Sicht ist die Standfestigkeit schlichtweg nicht ge­geben. Sie zweifeln daran, dass der Neubau daher überhaupt ge­nehmigungsfähig ist.

Die WiD widerspricht aber auch in diesem Punkt. Ohne eine entsprechendes Baugutachten, so be­tonen WiD-Chef Steffen Jäckel und die Vertreter der Stadtverwaltung, hätte es gar keine weitergehenden Planungen gegeben. Ein Gutachten habe zudem bestätigt, dass es keinen Einfluss durch den früheren Bergbau gebe, versichert WiD-Planerin Ulrike Steglich.

Knackpunkt 3: Die Parkplätze

Zweifelsohne sind schon jetzt im Plattenbaugebiet auf der Südhöhe die Parkplätze knapp. Mit den zu­sätzlichen Wohnungen im Gebiet wird sich die Situation nur verschlimmern, sagen die Anwohner. Die WiD will auf dem Grundstück eigenen Angaben nach 14 Parkplätze errichten. Das entspreche einerseits den gesetzlichen Vorgaben – außerdem hätten gerade einkommensschwache Haushalte oft kein Auto, argumentiert Steffen Jäc­kel.

Die Nachbarn sehen das al­ler­dings anders, befürchten noch mehr Chaos beim Parken. Die WiD führt zudem an, dass mit dem Neubau vor Ort auch eine Car-Sharing-Station eingerichtet wird. „Das ge­winnt extrem an Bedeutung. Und es ist ein Angebot, das alle Anwohner ringsherum auch nutzen können“, erklärt Steffen Jäckel. Doch auch daran wollen die Menschen in der Umgebung nicht so recht glauben – und verweisen auf ein Car-Sharing-Angebot an der in der Nähe gelegenen Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 11: „Das Auto dort steht oft ungenutzt rum“, erklärte eine Anwohnerin.

Das sind die Pläne der WiD an der Bulgakowstraße

Zwei Gebäude mit jeweils vier Etagen will die WiD an der Bulgakowstraße auf der Südhöhe errichten. Die beiden Gebäude sollen jeweils unterkellert werden. Der Baustart soll Mitte des Jahres erfolgen.

35 Wohnungen sind geplant. Konkret geht es um zehn Wohnungen für jeweils eine Person, 13 Wohnungen für zwei, vier Wohnungen für vier und acht Wohnungen für fünf Personen.

Jede Wohnung wird einen Balkon haben.

2300 Quadratmeter Wohnfläche werden so insgesamt neu entstehen.

Künftige Mieter sollen Senioren, Alleinerziehende oder Familien und Singles mit wenig Einkommen sein. Sie müssen einen sogenannten Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen können.

Die Obergrenze beim Einkommen für den WBS liegt für Singles beispielsweise bei 13 800 Euro im Jahr, bei Zwei-Personenhaushalte dürfen die jährlichen Einnahmen nicht die Summe von 20 700 Euro überschreiten.

Die Miete wird bei etwa rund sieben Euro je Quadratmeter liegen.

Von Sebastian Kositz

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