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Lokales Rückfallgefahr sinkt drastisch: Nachsorgeprogramm hilft Dresdner Schlaganfallpatienten
Dresden Lokales Rückfallgefahr sinkt drastisch: Nachsorgeprogramm hilft Dresdner Schlaganfallpatienten
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11:43 06.06.2019
Schlaganfallhelfer Colin Geipel ist meist mit seinem motorisierten Liegefahrrad unterwegs. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Für Colin Geipel war der 3. Dezember 2003 ein ganz normaler Wintertag. Er freute sich auf eine Verabredung mit Freunden zum Musizieren auf dem Weihnachtsmarkt. Doch als er in sein Auto stieg, war etwas anders: „Meine linke Seite fühlte sich irgendwie komisch an. Aber ich dachte, die dicken Wintersachen klemmen vielleicht was ab und hab mir nichts dabei gedacht“, erinnert sich der heute 49-Jährige. Bei der Verabredung angekommen wollte er aussteigen, doch Stehen war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr möglich.

Seine Freunde brachten ihn nach Hause und riefen den Notdienst. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte einen Schlaganfall, ausgelöst durch eine Blutung und operierten Geipel sofort. In 85 Prozent der Fälle führt ein verstopftes Blutgefäß und damit eine mangelnde Durchblutung zu einem Schlaganfall. Geipel gehörte zu den anderen 15 Prozent. Drei Wochen verbrachte er im Krankenhaus, danach lernte er in der Rehaklinik in Pulsnitz wieder Laufen. Seine linke Körperhälfte ist bis heute gelähmt.

Programm für Pflegende, die nicht mehr auf Station arbeiten können

Das hindert ihn jedoch nicht am regelmäßigen Fahrradfahren und auch nicht am Arbeiten. Seit einiger Zeit gehört er fest zum „SOS-Care – Hilfe nach Schlaganfall“-Team am Dresdner Uniklinikum und arbeitet dort als Schlaganfallhelfer maximal 15 Stunden pro Woche. Währenddessen betreut er eine Hotline, die immer dienstags 10 bis 12 und donnerstags 13 bis 15 Uhr unter der Tel.: 458 33 30 erreichbar ist.

Das SOS-Care-Team fand sich vor ziemlich genau zehn Jahren zusammen. „Damals gab es eine Ausschreibung vom Sächsischen Sozialministerium, die sich an Pflegende richtete, die nicht mehr auf Station arbeiten können oder wollen“, erinnert sich Uwe Helbig. Er arbeitete viele Jahre als Krankenpfleger und „rutschte da mit rein“, wie er erzählt. Das lag vor allem an seiner sogenannten Case-Management-Ausbildung, die für das Projekt nötig war. Inzwischen besteht das Team aus zwei Schlaganfalllotsen, die sich aktuell um 150 Patienten kümmern.

Uwe Helbig ist von Anfang an dabei: Der gelernte Krankenpfleger hat das SOS-Care-Team der Schlaganfall-Lotsen mit aufgebaut. Quelle: Anja Schneider

Rückfallquote auf fünf Prozent gesenkt

Besonders problematisch ist die hohe Rückfallquote von rund 20 Prozent, nach dem ersten Schlaganfall einen zweiten zu erleiden. Diese sollte mit dem Projekt und der Begleitung durch die Lotsen gesenkt werden. Und das haben Helbig und sein Team geschafft: Durchgeführte Studien zeigten, dass sich durch die Begleitung und Aufklärungsarbeit die Quote auf fünf Prozent gesenkt hat. Die Lotsen, oder auch Nachsorgecoachs genannt, haben die Notaufnahmen und die Schlaganfallstation (Stroke Unit) täglich im Blick und besuchen Schlaganfallpatienten nach Möglichkeit zwei bis drei Tage nach der Einlieferung für ein Infogespräch. Wenn die Patienten die Hilfe annehmen wollen – was nicht immer der Fall ist – geht es mit einem Hausbesuch nach der Reha oder nach der Entlassung nach Hause weiter. Was folgt, sind Telefonate aller zwei Monate sowie ein Abschlussgespräch am Ende des Programms. Danach können sich die Patienten jederzeit telefonisch bei den Lotsen melden.

Schon bald wurde auch die Krankenkasse AOK Plus auf das Projekt aufmerksam und hat es 2016 mit ins Leistungsangebot aufgenommen. „Das ist bundesweit einmalig“, sagt Helbig stolz. Das birgt aber auch Nachteile: Patienten, die nicht bei der AOK Plus versichert sind, können von dem einjährigen Nachsorgeprogramm nicht profitieren. Das nächste Ziel ist, diese Einschränkung zu ändern. Langfristig wünscht sich Helbig, dieses Versorgungsangebot gesetzlich zu verankern und für alle nutzbar zu machen.

Unabhängige Beratung

Colin Geipel ist es egal, wo jemand versichert ist. Er berät jeden Betroffenen, der sich an ihn wendet. „Menschen, die nicht betroffen sind, können viele Ratschläge geben, wissen aber nicht, wie es wirklich ist“, sagt Geipel. Da er die Krankheit selbst erlebt hat und mit den Folgeschäden lebt, kann er meist einen besseren Draht zu den Schlaganfall-Patienten und Angehörigen aufbauen. Er hilft den Patienten, sich wieder zu motivieren, aus dem Bett zu kommen und das Leben so weiterzuleben, wie es trotz Folgeschäden möglich ist.

Und auch da spricht er wieder aus Erfahrung. Denn vor seinem folgenschweren Schlaganfall 2003 erwischte es ihn bereits 2000. Damals kam er ohne Schäden davon, achtete danach aber nicht genug auf seine Gesundheit. Ein Rückfall 2003 war die Folge. Er selbst hätte ein solches Angebot wie das des SOS-Care-Teams damals vermutlich nicht angenommen: „Ich war viel zu sehr mit mir beschäftigt“, erinnert er sich. Wohl aber für seine Angehörigen wäre eine Anlaufstelle hilfreich gewesen, erzählt er heute. Nun nutzt er seine Erfahrungen und möchte anderen Betroffenen auf dem Weg in ein besseres Leben nach dem Schlaganfall begleiten und unterstützen.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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