Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Nach psychischer Krankheit: So kann der Neustart gelingen
Dresden Lokales Nach psychischer Krankheit: So kann der Neustart gelingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 06.10.2019
Das „Hirsch-Denkmal“ soll an einen königlich-sächsischen Hauptmann der Artillerie erinnern. Für Sindy Böhme, Martin Kokot und Peter Kaiser steht es für den Weg zurück ins Berufsleben. Quelle: Foto: Anja Schneider
Dresden

Als Klaus Gnauck im November 2016 an der Radeburger Straße tanken geht, fällt ihm etwas im Gebüsch nahe der Tankstelle auf: Ein großer Granitblock mit einer Inschrift neben einer Kiefer. Mit Moos bewachsen, ist auf dem großen Stein kaum noch etwas zu erkennen. Nur eine an der Kiefer angebrachte Schrifttafel verrät Klaus Gnauck, an wen der Granitblock erinnern soll: An Johann Baptista Joseph Hirsch – einst königlich-sächsischer Hauptmann der Artillerie, Kämpfer in der Völkerschlacht bei Leipzig, gestorben am 7. Oktober 1822.

Denkmal als Projekt am Beruflichen Trainingszentrum

Voller Neugier recherchierte Gnauck, was es mit dem Denkmal auf sich hat und warum es so ramponiert ist. „Das Denkmal stand anfangs in der Nähe der Autobahnausfahrt Hellerau. Doch als die Radeburger Straße in den Siebziger Jahren vierspurig ausgebaut wurde, musste das Denkmal weichen und landete dort, wo ich es gefunden hatte. Vom ursprünglichen Denkmal war aber nicht mehr viel übrig. Vom Sockel waren nur noch Reste vorhanden, der Helm, der einst auf dem Granitblock befestigt war, fehlte ganz.“

Also machte Gnauck das „Hirschdenkmal“ zu seinem neuen Projekt am Beruflichen Trainingszentrum Dresden (BTZ), wo er psychisch Erkrankte in Projektarbeiten auf ihrem Weg zurück ins Berufsleben unterstützt.

Einer von ihnen ist Peter Kaiser. Nach Jahren Dauerstress im Job landete der Architekt in einer tiefen Krise der Erschöpfung. Um nach seiner Genesung wieder zurück in den Beruf zu finden, ging er ins BTZ. „Da erfuhr ich von dem Denkmal-Projekt und war sofort mit dabei. Wir recherchierten, wie das Denkmal im Original aussah und dann visualisierte ich ein Modell am Computer“, erzählt Kaiser.

Durch die Arbeit am Hirschdenkmal wagte er sich zurück in die Architektenrolle, die ihn einst in den Burnout trieb. Doch den zweiten Versuch bestand er mit Erfolg: „Seit März 2018 arbeite ich in einem Architektenbüro. Dort herrscht ein sehr menschliches Ar­beitsklima, wo man auch auf die Umstände der Mitarbeiter Rücksicht nimmt.“

„Ganz ohne Druck“

Auch Martin Kokot verhalf das Hauptmann-Hirsch-Projekt zum Neustart ins Berufsleben. Jahrelanges psychisches Leiden führte dazu, dass es den IT-Administrator ins BTZ verschlug, zum Tag der offenen Tür. „Dort traf ich dann gleich Peter Kaiser und sah schon die ersten Ergebnisse des Denkmal-Projekts.“ Also schloss sich Kokot der Sache an und übernahm Modellierungsar­beiten am Computer, ähnlich wie Kaiser. „Bei der Arbeit erfuhr ich das erste mal wieder, dass die Menschen mich als Person wertschätzen. Und dass ich mir für meine Arbeit Zeit nehmen darf. Und trotzdem wurde man am Ende des Tages mit allem fertig, ganz ohne Druck“, erzählt der 44-Jährige.

Sein ursprünglicher Plan war es, mit Hilfe des BTZ die Richtung des technischen Produktdesigns einzuschlagen. „Aber dann meldete sich die Musikschule bei mir.“ Ursprünglich hatte Kokot Posaune studiert – in der IT-Branche landete er als Quereinsteiger. „Durch diesen Zufall habe ich die Musik für mich wiederentdeckt.“ Heute arbeitet Martin Kokot als Posaunenlehrer an der Musikschule, die ihn während des Projekts anrief.

Jemand, der weniger Glück beim Neustart ins Berufsleben hatte, ist Sindy Böhme. Multiple Sklerose und eine Persönlichkeitsstörung machten es der 29-Jährigen bisher schwer, im Berufsleben Fuß zu fassen. Im BTZ konnte sie erstmals aktiv ein Projekt mitgestalten. „Ich habe zu Hause schon hobbymäßig Skulpturen gemacht. Deshalb gestaltete ich einen Modellhelm aus Styropor und Ton, der dann als Vorlage für den gusseisernen Helm des Hauptmanns diente“, erzählt Böhme.

„Das nehme ich mit für mein ganzes Leben“

Nach dem Projekt wollte sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin beginnen, doch behördliche Hürden versperrten ihr den Weg in den neuen Beruf. „Das war eine schwere Zeit für mich. Aber mit der Hilfe von Freunden und Familie habe ich mich wieder aufgerappelt und nun möchte ich ehrenamtlich im Tierheim arbeiten.“

Auch wenn das Denkmalprojekt ihr vorerst nicht den erhofften Weg eröffnet hat, konnte Sindy Böhme etwas aus dem Projekt mitnehmen. „Es gab Tage, an denen hätte ich den Modellhelm am liebsten aus dem Fenster geworfen, weil alles schiefging“, sagt sie. „Aber so habe ich erstmals gelernt, durchzuhalten und geduldig zu sein. Das nehme ich mit für mein ganzes Leben.“

Das Ergebnis ihrer Arbeit präsentieren Peter Kaiser, Martin Kokot und Sindy Böhme an diesem Montag, wenn sie das Hauptmann-Hirsch-Denkmal an der Radeburger Straße einweihen und feierlich der Stadt übergeben werden.

Von Laura Catoni

Schüler der 63. Grundschule „Johann-Gottlieb-Naumann“ nahmen im letzten Winter am Projekt „Schulsport auf Ski“ teil. Der FIS Skiweltcup Dresden möchte die Schule weiterhin unterstützen.

05.10.2019

Ende März erledigte der alkoholisierte Angeklagte in einer Straßenbahn nicht nur sein kleines, sondern auch sein großes Geschäft. Auf die Frage, warum er das getan habe, wusste er nur eine Antwort.

05.10.2019

Der Dresden-Pass kann von Personen mit geringem Einkommen beantragt werden. 26 000 Menschen nutzen die Vergünstigungen. Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) will den Kreis der berechtigten Personen jetzt deutlich erweitern.

05.10.2019