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Lokales Nach gelungener Metamorphose kann Lili Elbe in Dresden nur kurz strahlen
Dresden Lokales Nach gelungener Metamorphose kann Lili Elbe in Dresden nur kurz strahlen
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09:53 14.02.2019
Lili Elbe während eines Dresden-Aufenthalts im Oktober 1930. Quelle: unbekannt
Dresden

Zwei Persönlichkeiten im Widerstreit – am Schluss wird eine die Oberhand gewinnen und die andere sterben: Einar Mogens Andreas Wegener muss gehen, damit Lili Elbe aufblühen kann. Doch nach gelungener Metamorphose in Dresden kann sie nur kurz strahlen, bevor sie verglüht.

Belobigung für seine guten Leistungen im Sticken und Stricken

Die Geschichte einer für die damalige Zeit einzigartigen Verwandlung beginnt am 28. Dezember 1882 in Vejle, Dänemark. Einar Mogens wird als jüngstes Kind einer sechsköpfigen Kaufmannsfamilie geboren. Neben zwei Brüdern hat er auch eine Schwester. Sein heller Teint und sein prächtiger blonder Lockenkopf lassen ihn häufig wie ein Mädchen wirken. „Bekannt ist auch“, erklärt Dr. Marina Lienert, Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Medizin der TU Dresden, „dass er im zarten Alter von fünf Jahren vom Kindergarten eine Belobigung für seine guten Leistungen im Sticken und Stricken erhalten hat.“ Nach dem Gymnasium zieht es ihn zum Studium nach Kopenhagen an die Königlich Dänische Kunstakademie. Und dann schlägt der Blitz ein: Er lernt seine Gerda kennen.

Sie ist genau wie er aus der Provinz nach Kopenhagen gekommen. Sofort ist das Paar unzertrennlich. Die abendlichen Vorlesungen besuchen sie gemeinsam, und schon ein Jahr später wird geheiratet. Einar ist in dieser Zeit „unbeschreiblich glücklich“. Doch die beiden führen bald keine Ehe zu zweit mehr: Als Gerda das Porträt der beliebtesten Schauspielerin des damaligen Kopenhagen, Anna Larsen, malt, steht Einar bei einer Gelegenheit für sie Modell – in Frauenkleidern. Sein Name als Frau: Lili.

Ein Leben ohne Lili nicht mehr vorstellbar

Marina Lienert erläutert: „Damit war Lili sozusagen geboren, und sie nahm auch gleich einen gewissen Raum im Leben des Ehepaars ein.“ Weder Gerda noch Einar sehen darin etwas anderes als eine angenehme Art von Zerstreuung und Unterhaltung. Doch langsam wird Gerda und auch Einar klar, dass sie sich ein Leben ohne Lili nicht mehr vorstellen können.

Und nun kommt auch Dresden ins Spiel. Der Dresdner Arzt Professor Kurt Warnekros hilft schließlich weiter. Nach einer körperlichen Untersuchung, die Einar als sehr einfühlsam erlebt, betrachtet Warnekros die mitgebrachten Fotografien von Lili. Der Arzt sieht in den Fotografien eine Entwicklung und äußert den Verdacht, dass Einar sowohl männliche als auch weibliche Organe besitze und keine von beiden genug Raum hatten, um sich völlig entwickeln zu können. Der Professor hofft, Einar ein neues Leben ermöglichen zu können. Einar fragt, ob es Lili sein wird, die leben darf. Dies bejaht der Arzt und verspricht ihm, ihn zu operieren.

Einfach glücklich

Bevor Einar in Dresden als Lili für weitere Eingriffe in die Frauenklinik aufgenommen wird, erfolgt eine erste Operation in Berlin. Als sie nach ihrer Rekonvaleszenz endlich das Krankenzimmer im Rollstuhl verlassen darf, fühlt sie sich wie neugeboren und ist einfach glücklich. Von Tag zu Tag wird sie kräftiger und kann schon bald im Park spazieren gehen. Noch größer ist die Freude, als sie morgens einen versiegelten Brief aus Berlin erhält. Sie entnimmt dem Briefumschlag einen Pass, sieht ihr Foto, liest ihren neuen Namen: Lili Elbe! Sie ist jetzt auch offiziell eine Frau – ihre Ehe mit Gerda ist annulliert worden. Am freundschaftlichen Verhältnis zwischen Lili und Gerda ändert das allerdings nichts.

Doch Lili hegt noch einen weiteren Herzenswunsch, sie möchte gerne Mutter werden. Erneut macht sie sich auf den Weg vom Ausland nach Dresden und setzt ihre ganzen Hoffnungen auf Professor Kurt Warnekros, der ihr diesmal jedoch nicht helfen kann. Lilis Zustand verschlechtert sich. Ob das an einer erneuten Operation liegt oder ob ein Nierentumor ursächlich ist, kann nicht mehr eindeutig geklärt werden. Am 12. September 1931 stirbt Lili, am 15. September wird sie in Dresden in der Nähe der Frauenklinik auf einem Friedhof bestattet.

Über das Buch

Diese Geschichte ist die gekürzte Fassung eines Beitrags aus dem Buch „Dresdner Frauen – Historische Lebensbilder aus der Stadt an der Elbe“. Der Band erzählt tragische, verblüffende und teilweise unglaubliche Geschichten von Frauen, die die Stadt Dresden in der Vergangenheit prägten. Das Buch haben die Dresdner Neuesten Nachrichten zusammen mit der Bast Medien GmbH herausgebracht. Es hat 192 Seiten, kostet 19,90 € (ISBN: 978-3-946581-59-8) und ist in Buchhandlungen und unter www.bast-medien.de (versandkostenfrei) erhältlich.

Von Melanie Kunze

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