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Lokales Nach Tod von Falk Schmidtgen: Fast zweieinhalb Jahre Haft für Unfallfahrer
Dresden Lokales Nach Tod von Falk Schmidtgen: Fast zweieinhalb Jahre Haft für Unfallfahrer
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12:59 24.04.2019
Der angeklagte Ralf B. war schon vorher wegen Trunkenheit im Verkehr auffällig geworden. Quelle: Silvio Kuhnert
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Dresden/Meißen

Am 27. November vorigen Jahres wurde Falk Schmidtgen, Dresdens damaliger Schulamtsleiter, bei einem Verkehrsunfall brutal aus dem Leben gerissen. Auf dem Nachhauseweg mit dem Fahrrad fuhr ihm ein Kleintransporter auf der Staatsstraße 81 hintendrauf. Schmidtgen stürzte und verstarb noch an der Unfallstelle an seinen schweren Verletzungen.

Der Fahrer des Transporters, Ralf B., musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Meißen für die Tat verantworten. Für zwei Jahre und fünf Monate wandert der 43-Jährige ins Gefängnis, da er sich im betrunkenen Zustand hinter das Steuer setzte. Zudem wird ihm die Fahrerlaubnis für drei Jahre entzogen. Ob er seinen Führerschein jemals wieder sehen wird, ist für den Vorsitzenden Richter Andreas Poth mehr als fraglich, da Ralf B. wegen Trunkenheit im Straßenverkehr nicht das erste Mal auffällig wurde.

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Ralf B. beschreibt sich als labil und konfliktscheu

Der Angeklagte ist ledig, lebt bei seinen Eltern in Niederau und ist als Selbstständiger im Baugewerbe tätig. An jenem Dienstag im vorigen November verlegte er Fliesen in einem Haus in Radebeul. Da ihn neben zwischenmenschlichen und emotionalen Problemen – er beschrieb sich während der Gerichtsverhandlung selbst als labil und konfliktscheu – schon geraume Zeit rheumatische Beschwerden plagten, Arzneimittel nicht wirklich halfen und er dennoch, weil er das Geld benötigte, seinen Körper nicht schonte und Aufträge annahm, griff er seit rund einem Jahr im zunehmenden Maße zum Alkohol.

Gegen 14 Uhr holte er sich an diesem Tag eine Flasche Wein sowie drei Flachmänner Wodka, die er auf der Baustelle tilgte. Als er nach eigener Aussage, wegen der Schmerzen nicht mehr arbeiten konnte, machte er Feierabend, stieg in sein Fahrzeug und fuhr über Friedewald auf die S 81 in Richtung Auer.

„Es gab plötzlich einen großen Knall“

Für das, was rund 300 Meter nach der Ampelkreuzung passierte, hat Ralf B. keine Erklärung. „Es gab plötzlich einen großen Knall“, berichtete er. Als er anhielt, aus seinem Wagen stieg und sich umdrehte, sah er Schmidtgen auf der Straße liegen. „Ich war schockiert über das, was ich angerichtet habe“, so der Angeklagte. Ein erster Alkoholtest ergab 1,83, ein zweiter eine halbe Stunde später 1,73 Promille.

Tödlicher Radunfall bei Moritzburg

Als der Unfall geschah, war es an jenem Tag bereits dunkel. Die Beleuchtung an Schmidtgens Rad funktionierte, wie ein Sachverständiger informierte. Zusätzlich hatte er Reflektoren an Pedalen und auf der Rückseite des Rads, trug Schuhe mit reflektierenden Streifen und eine Jacke in greller gelber Farbe. „Der Radfahrer hat alles getan, um sichtbar zu sein“, wie Staatsanwalt Jens Hertel sagte.

Zeugin konnte Schmidtgen deutlich sehen

Dies bestätigte auch eine 21-jährige Zeugin. Sie fuhr mit ihrem Pkw hinter dem Transporter von Ralf B. und konnte Schmidtgen schon weit über 100 Meter im Voraus erkennen. Für sie ist es noch heute unbegreiflich, warum der Fahrer vor ihr keine Anstalten machte, nach links auszuweichen und ohne zu bremsen auf den Radfahrer auffuhr. Es gab keinen Gegenverkehr. Nach dem Unfall wurde der Ruf nach einem Radweg entlang der Strecke laut.

Ralf B. ist bereits am 23. Oktober vorigen Jahres zwei Mitarbeitern einer Coswiger Firma, die Baumschinen verleiht, wegen Trunkenheit aufgefallen. Am Nachmittag hatte er damals große Probleme vor einem rund fünf Meter breiten Tor seinen Transporter so zu parken, dass die beiden die geliehene Maschine mit einem Stapler abladen konnten. Weil er zudem einen unsicheren Gang und eine verwaschene Aussprache hatte sowie seine Unterschrift nur mit Schwierigkeiten in Blockbuchstaben auf den Rückgabeschein setzen konnte, alarmierten sie die Polizei.

Mehrfach wegen Trunkenheit aufgefallen

Ralf B. war aber da schon weiter nach Hause gefahren. Als die Beamten bei ihm klingelten, ergab ein Atemalkoholtest 2,97 Promille. B. behauptete damals jedoch, erst zu Hause Wein und Schnaps getrunken zu haben. Für nur vier Tage war er seinen Führerschein los – für den Staatsanwalt unbegreiflich –, einen Tag vor dem tödlichen Unfall wurde er zu dem Vorfall auf dem Polizeirevier noch einmal befragt.

Für Staatsanwalt Hertel stellte dies eigentlich einen deutlichen Warnschuss dar, sich nicht erneut alkoholisiert hinter ein Steuer zu setzen. Wie in der Verhandlung herauskam, besaß Ralf B. wegen Trunkenheit im Verkehr bereits zwischen 2003 und 2011 acht Jahre lang keinen Führerschein.

Bewährungsstrafe stand nicht zur Debatte

Für Richter Andreas Poth ging es bei der Verhandlung nur noch um die Frage, wie hoch die Strafe ausfällt. Eine Bewährungsstrafe, wie von der Verteidigung gefordert, stand für ihn nicht zur Debatte. Bei Trunkenheitsfahrten mit tödlichem Ausgang kenne er keinen Fall auf Bewährung. Da spiele auch keine Rolle, dass der Angeklagte bis dato nicht weiter mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, so Poth. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Silvio Kuhnert