Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ehemaliger Soko-Chef: So fahndet die Polizei nach den Tätern
Dresden Lokales Ehemaliger Soko-Chef: So fahndet die Polizei nach den Tätern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:28 25.11.2019
Auf Spurensuche: Nach der Tat sammeln die Ermittler so viele Spuren und Informationen wie notwendig, um den Vorgang genau zu rekonstruieren. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Anzeige
Erfurt

Vor 27 Jahren hat er die Kunstdiebe der berühmten Cranach-Werke zur Strecke gebracht. Heute arbeitet Michael Menzel für das Thüringer Innenministerium. Der LVZ gegenüber erklärt der ehemalige Fahnder, was nach einem solchen Kunstraub zu tun ist.

„Wie ein Puzzlespiel“ – Die Suche nach den Tätern läuft

Dabei fahren die Ermittler zweigleisig, erklärt Menzel. Zum einen fahndet die Polizei nun nach den Tätern sowie den erbeuteten Gegenständen. Zum anderen sammelt sie alle möglichen Spuren am Tatort sowie Zeugenaussagen. „Das ist ein richtiges Puzzlespiel für die Kollegen“, sagt der ehemalige Kriminalist aus Weimar. Jetzt, wo die Fahndung nach den Dieben laufe, würden alle verfügbaren Informationen zusammengetragen und verschiedene Szenarien aufgestellt. Mit diesem ersten Ermittlungsstand machen sich die Fahnder auf die Suche nach weiteren Hinweisen.

Daneben gibt es bei den Landeskriminalämtern auch eigene Abteilungen, die sich mit dem Kunstmarkt bestens auskennen und gute Kontakte in die Szene haben. „Man muss dazu sagen, dass viele Händler um einen guten Ruf bedacht sind und nicht einfach Diebesgut von solcher Bekanntheit kaufen würden“, fügt Menzel hinzu. Die Spezialisten würden das Geschehen nun ganz genau beobachten und gegebenenfalls auch Informanten befragen.

Menzel erinnert sich an den Kunstraub in Weimar

Menzel hat selbst bereits eine solche Fahndung miterlebt. Im Herbst 1992 waren Kunstdiebe in das Weimarer Stadtschloss eingebrochen. Sie entwendeten damals 500 Jahre alte Gemälde mit einem Wert von 63 Millionen D-Mark – darunter Bilder von Lucas Cranach dem Älteren. Michael Menzel war zu diesem Zeitpunkt junger Kriminalist in Weimar und richtete kurz darauf eine zwanzigköpfige Soko ein, um die Täter und deren Diebesgut wieder zu schnappen.

Mehr zum Millionenraub im Grünen Gewölbe

Grünes Gewölbe in Dresden: Das sind die wertvollsten Exponate

TV-Kunsthändler Fabian Kahl geht von Auftragsarbeit im Grünen Gewölbe aus

Das waren die spektakulärsten Kunst-Raubfälle in Ostdeutschland

Sicherheit im Grünen Gewölbe – „Ein Brand ist die größte Gefahr“

Überblick: Drei Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe gestohlen

„Wir stellten damals verschiedene Szenarien auf“, erinnert sich Menzel. Das erste war das einer Auftragsarbeit, denn die Täter konnten drei unterschiedliche Alarmanlagen überwinden. Das zweite Szenario war das einer organisierten Diebesbande ohne konkreten Abnehmer. Darauf ließ sich im Zuge der weiteren Ermittlungen schließen, da die Einbrecher an mancher Stelle doch nicht ganz so professionell gehandelt hatten.

Nach einiger Zeit verfestigte sich das zweite Szenario der Ermittler, so Menzel. „Wir hatten uns mit anderen Behörden ausgetauscht, die uns auf eine Bande aufmerksam machte.“ Diese befand sich in Niedersachsen. Mit Hilfe eines V-Mannes konnte die Soko Kontakt zu den Dieben aufnehmen. Bei einer vorgetäuschten Übergabe nahm die Polizei schließlich die Täter mitsamt ihrer Beute fest.

Ist der Diebstahl ein Auftrag, wird die Suche schwer

Wie hoch schätzt Menzel die Wahrscheinlichkeit ein, dass die gestohlenen Gegenstände im Dresdner Fall gefunden werden? Das sei aus der Ferne schwer zu sagen, findet Menzel. Außerdem hinge es auch davon ab, ob es sich hierbei um einen Auftragsdiebstahl handle. „Sollten die Diebe im Auftrag eines konkreten Interessenten gehandelt haben, wird es sehr schwer, das Diebesgut noch einmal zu finden.“ Und dennoch, Menzel drückt seinen Kollegen die Daumen.

Von Max Hempel

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe Dresden ist nicht der erste spektakuläre Kunstdiebstahl in Dresden: 1977 wurde schon der Sophienschatz gestohlen. Teile davon sind noch immer verschollen.

25.11.2019
Lokales Nach Einbruch im Grünen Gewölbe Spektakuläre Kunstdiebstähle in Ostdeutschland

Die Polizei ermittelt nach dem Millionen-Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden auf Hochtouren. Diese außergewöhnlichen Fälle von Kunstdiebstahl sorgten in Ostdeutschland bereits für Aufsehen.

25.11.2019

Michael John, Technischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen, sorgt für Sicherheit im Grünen Gewölbe. Mit der DNN sprach er 2006 über die Sicherheitskonzepte hinsichtlich Brand und Einbruch.

25.11.2019