Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Nach Juwelendiebstahl in Dresden: Touristen zwischen Schock und Enttäuschung
Dresden Lokales Nach Juwelendiebstahl in Dresden: Touristen zwischen Schock und Enttäuschung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:53 27.11.2019
Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Residenzschloss bleibt das Grüne Gewölbe vorerst für Besucher geschlossen. Touristen sind enttäuscht und fassungslos. Quelle: Winfried Mahr
Dresden

Der Himmel zieht sich zu, Regen liegt in der Luft. Das schrille Kreischen des Trennschleifers ist über den ganzen Theaterplatz zu hören. Zwei Dresdner Handwerker bessern gerade das Gitter aus, durch das sich am Montagmorgen mehrere brutale Ganoven Zugang zum Historischen Grünen Gewölbe verschafft hatten. Dass deren kriminelles Handwerk niemand zwischen Semperoper und Taschenbergpalais gehört haben soll, ist bei dem Krach schwer vorstellbar. Passanten gehen vorbei. Manche tuscheln, schütteln mit den Köpfen. Regen kündigt sich an, sie wollen rasch ins Trockene.

Grünes Gewölbe bleibt geschlossen

Im Kassenraum des Residenzschlosses herrscht Durcheinander. „Closed? Really“, fragen zwei Koreanerinnen die Ticketverkäuferin. Die bleibt unerbittlich: „Yes, the Historic Green Vault ist currently closed!“ Offenbar hatten die asiatischen Touristinnen noch nichts von dem Jahrhundert-Bruch im Historischen Grünen Gewölbe gehört, bei dem zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten aus dem sächsischen Staatsschatz gestohlen worden waren. Das Museum bleibt vorerst zu, die jungen Damen gehen mit enttäuschten Mienen davon.

Doppelt tragisches Ereignis

Birgit Flasch hat von dem Juwelendiebstahl in der Zeitung gelesen. Trotzdem hat sie sich tapfer in die Schlange eingereiht, um zu fragen, wann das Grüne Gewölbe denn wieder öffnet. Dazu kann die Kassiererin nichts sagen. Aber sobald wird das nichts. „Das ist total tragisch“, sagt die 60-Jährige, die extra mit einem teuren VIP-Ticket aus Wien nach Dresden gereist war. „Tragisch für mich, weil ich am Freitag wieder abreise und mein Hauptziel wohl nicht erreiche. Aber auch für die Kunstsammlungen, weil sie durch skrupellose Ganoven einen unschätzbaren Verlust erlitten haben.“ Sie wolle aber auf jeden Fall wiederkommen in die sächsische Landeshauptstadt. „Und ich hoffe, dass die Langfinger bis dahin geschnappt sind!“, ruft sie noch beim Abschied.

Birgit Flasch aus Wien will wiederkommen. Quelle: Winfried Mahr

Sicherheitssystem zu leicht übertölpelt?

Überaus enttäuscht und ergriffen sind auch Natalia Smorodinska und ihre Freundin Katharina Resch. „Das mit dem Einbruch ist schlimm, sehr schlimm. Diese einmalige Ausstellung ist prägend für Dresden“, sagen die Damen und nicken bedächtig dazu. Sie stammten aus der Ukraine und aus dem russischen Wolgograd, lebten aber seit etlichen Jahren schon in Elbflorenz. „Wir haben die kostbaren Juwelen schon gesehen und können an einem anderen Tag wiederkommen“, sagt Frau Resch. „Aber für die vielen erfolglosen Besucher tut es uns leid.“ Dann stellen sie noch die Frage, die sich derzeit viele stellen: „Wie konnte das aufwendige Sicherheitssystem so leicht übertölpelt werden?“ Auch das bleibt vorerst unbeantwortet.

„Einbruch kam ungelegen“

Evelyn und Sven Poschelt haben Dresden einen Kurzbesuch abgestattet, die Schätze der Wettiner sollten der Höhepunkt ihres ersten Besuches werden. „Dumm gelaufen“, sagt der 27-Jährige aus Iserlohn im Sauerland. „Der Einbruch kam auch für uns sehr ungelegen. Heute Abend reisen wir ab.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass die Verbrecher ihre heiße Ware irgendwo losbekommen, sagt der junge Mann. „Das ist ebenso irre wie spektakulär.“ Bei der Brutalität der Täter, wie sie im Polizeivideo zu sehen war, könne er die Zurückhaltung der Sicherheitsleute zwar verstehen. „Aber die Alarmkette muss wohl noch mal überarbeitet werden.“ Dass seine ein Jahr jüngere Frau und er dennoch lächeln können, liege an den anderen Teilen der Ausstellung, die sie im Residenzschloss zu sehen bekommen. Und ein Besuch in Sachsen lohne sicher auch ein zweites Mal. „Wir kommen wieder“, versprechen sie.

Touristen sind enttäuscht : Evelyn und Sven Posselt aus Iserlohn Quelle: Winfried Mahr

Besuch vom Mississippi

Die weiteste Anreise hatten Susanna und Michael Kiwala aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. „Unfassbar ist das, wie skrupellos sich Kriminelle an historischen Kulturgütern vergehen“, sagt die 34-jährige Ex-Dresdnerin, deren Eltern noch in Sachsen leben und die wie ihr fünf Jahre älterer Mann Software-Entwicklerin ist. „Wir haben uns hier in Dresden immer besonders sicher gefühlt“, versichert die freundliche Wahl-Amerikanerin. „Ich bin wirklich ziemlich geschockt, dass sowas hierzulande möglich ist.“ Von weiteren regelmäßigen Besuchen wollen sich die beiden aber nicht abbringen lassen. „Das ist schließlich meine Heimat. Die lasse ich mir von niemandem nehmen, erst recht nicht von Kriminellen“, betont Susanna Kiwala.

Enttäuscht und fassungslos: Susanna und Michael Kiwala aus St. Louis (Missouri, USA). Quelle: Winfried Mahr

Drinnen nichts zu sehen

Zwei unbekannte Gangster waren am Montagmorgen in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Sie stiegen über eines der vergitterten Fenster von der Straße her ein und gingen dann gezielt ins Juwelenzimmer. Davor steht jetzt ein Schild, das über die vorübergehende Schließung informiert. Gelegentlich kommen Kriminaltechniker raus, wehren neugierige Blicke barsch ab: „Hier gibt`s nichts zu sehen!“ Sie werden es schon wissen.

Draußen am Fenster sind alle Gitter wieder dicht, mit zusätzlichen Streben verschraubt. Auf die Frage, ob das für alle Zeiten hält, sagt der Schlosser selbstbewusst: „Nu freilich!“

Von Winfried Mahr

Lachen im Advent: Im Dresdner Friedrichstattpalast wird wieder die Striezelmarktwirtschaft ausgerichtet. Darin wird von Thomas Schuch und Carsten Linke auch die Zeit beschworen, „in der nicht allen schlecht war“.

27.11.2019

OMD, also die New-Wave-Gruppe Orchestral Manoeuvres In The Dark, riss im Dresdner Kulturpalast die Fangemeinde von den Sitzen. Der Sound der Band ist heute eigentlich sogar besser, weil fetter, voluminöser, bassig tiefer gelegt als in den 80ern.

27.11.2019

Der letzte Striezelmarkt vor dem Umbau des Altmarkts – er wird mit einer Mischung aus bekannten und neuen Systemen vor einem Terroranschlag geschützt. Die herkömmlichen Betonblöcke kommen ebenso zum Einsatz wie Pflanzschalen aus Aluminium.

27.11.2019