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Lokales Monopoly am Postplatz – das steckt hinter dem Grundstücksdeal
Dresden Lokales Monopoly am Postplatz – das steckt hinter dem Grundstücksdeal
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07:34 25.07.2019
Das Packhofgelände 2018 mit dem Herbert-Wehner-Haus im Bau. Auf der freien Fläche könnte das Probebühnenzentrum für Staatsoper und Staatsschauspiel entstehen. Quelle: Foto: Jürgen-M. Schulter
Dresden

Wohnungen und Büros statt Probebühnenzentrum – nach jahrelangem Stillstand kommt Bewegung in eine der wichtigsten städtebaulichen Fragen in Dresden. Wie wird der Postplatz baulich abgeschlossen? Seit vielen Jahren plant der Freistaat Sachsen den Neubau eines Probebühnenzentrums auf der Freifläche neben dem Staatsschauspiel. Das Problem: die Eigentumsverhältnisse.

Freistaat und Landeshauptstadt gehören je zwei Flurstücke. Mittendrin liegt das Grundstück einer Erbengemeinschaft. Alle drei Parteien müssen sich einigen, wenn sinnvoll bebaubare Flächen entstehen sollen. Der glücklose Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) hatte schon 2014 ein sogenanntes Umlegungsverfahren eingeleitet. 2015 war der Flächentausch abgeschlossen, erreichte aber nie Rechtskraft.

Die Privateigentümer klagten, weil im Verfahren zu geringe Grundstückswerte zugrunde gelegt worden seien. Sie erhielten in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht (OLG) Dresden Recht. Was heißt: Der Status quo wird festgeschrieben. Bauliche Entwicklungen ausgeschlossen.

Hinzu kommt: Der Freistaat hat die Pläne für das Probebühnenzentrum präzisiert. Es soll kein hochwertiges Gebäude werden. Sondern ein technisch gestalteter, fensterloser Baukörper. Nicht unbedingt das Bauwerk der Wahl an einem so prominenten Ort. Erschwerend kommen die ungünstige An- und Abfahrt und die zu große Entfernung von den Theaterwerkstätten dazu.

Ein vierter Spieler betritt die Bühne: Christoph Dross, Geschäftsmann aus München mit einem Händchen für lukrative Immobiliengeschäfte. Dross hat genau das Grundstück im Portfolio, das der Freistaat für das Probebühnenzen-trum sucht: das Packhofgelände direkt neben den Theaterwerkstätten an der Kleinen Packhofstraße. Eine Teilfläche ist mit der SPD-Parteizentrale bebaut worden, Platz wäre noch genug für den Freistaat.

Dross schlägt ein hochkompliziertes Geschäft vor, bei dem alle vier unter einen Hut kommen müssen: Der Freistaat erhält das Packhofgelände im Tausch für die Grundstücke am Postplatz. Die Landeshauptstadt gibt ihre Grundstücke an Dross ab und ändert den Bebauungsplan für den Postplatz. Dort steht nämlich „Gemeinbedarfsfläche Erweiterung Theater“. Schließlich kauft Dross der Erbengemeinschaft das Grundstück ab.

Der Rechtsstreit zwischen den Privateigentümern und der Landeshauptstadt wird beendet. Diese hatte gegen das OLG-Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, um weiter mit den Besitzern über einen Vergleich verhandeln zu können. Mittlerweile ist dieser Punkt laut Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) erledigt. „Der Umlegungsplan ist in Kraft getreten.“

Was am Postplatz gebaut wird, steht laut dem Baubürgermeister noch nicht fest. „Es wurden noch keine Entwicklungsabsichten dargelegt. Die Nutzungsabsichten müssen in einem wettbewerblichen Verfahren eine städtebauliche und gestalterische Vertiefung erfahren.“ Es liegt auf der Hand, dass auf dem Areal vor allem Wohnungen und Bürofläche entstehen sollen.

Die Stadt hat das Packhofgelände selbstständig unter die Lupe genommen und als geeignet für den Bau einer Grundschule befunden, wie jüngst im Bauausschuss von der Verwaltung mitgeteilt wurde. Das würde allerdings mit der städtebaulichen Entwicklungsperspektive kollidieren, die ein „Kunstquartier“ vorschreibt. Was mit dem Vorhaben des Freistaates erfüllt ist.

Die Stadt kann sich über ein ordentliches Grundstücksgeschäft freuen, wenn die Pläne aufgehen. Der Kaufpreis soll bei 1,61 Millionen Euro liegen. Der Buchwert der 734 Quadratmeter großen Fläche am Postplatz beträgt lediglich 1,002 Millionen Euro, der Verkehrswert 1,25 Millionen Euro. Der Kaufpreis könnte sich sogar noch erhöhen, wenn der Bauherr dichter bauen darf, als es der aktuelle Bebauungsplan zulässt. Maximal 773 000 Euro Zuschlag sind möglich.

Das letzte Wort für die Stadt hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau, der dem Deal am 6. November zustimmen soll.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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