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Lokales Bis ins Lausitzer Seenland: VVO will S-Bahn-Netz massiv ausbauen
Dresden Lokales Bis ins Lausitzer Seenland: VVO will S-Bahn-Netz massiv ausbauen
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11:36 22.02.2019
Mit der S-Bahn direkt ab Dresden ins Lausitzer Seenland: Bislang galt das als kühne Vision. Doch nun gibt es konkrete Pläne. Quelle: dpa/Archiv
Dresden

Gleise, Weichen – und ir­gendwo dazwischen vom Unkraut überwucherte Bahnsteige. Mehr als 20 Jahre ist es inzwischen her, dass der Bahnhof Straßgräbchen-Bernsdorf aus dem Fahrplan verschwand. Am 24. Mai 1998 fuhr dort der letzte Personenzug. Gleich reihenweise legte der Freistaat damals seit Jahrzehnten be­stehende Verbindungen still, verloren viele Städte und Ge­meinden in Ostsachsen über Nacht ihren Bahnanschluss – ohne gro­ße Er­wartung, dass jemals überhaupt wieder ein Zug im Ort fahren wird.

Doch die Zeiten ändern sich. Der Ausstieg aus der Braunkohle – vor zwei Jahrzehnten allenfalls die Vi­sion einer sonst wie fernen Zukunft. Nun eröffnet das Aus des verschmähten Energieträgers plötzlich ganz neue Möglichkeiten: für den Bahnverkehr in Bernsdorf speziell und in der ge­samten Region nordöstlich von Dresden allgemein. Dank der in der Kohlekommision vom Bund ab­getrotzten Milliarden könnten im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) millionenschwere Investitionen ins Schienennetz auf den Weg gebracht werden.

Verkehrsinfrastruktur östlich von Dresden: eine „besondere Herausforderung“

Fast 300 Seiten dick ist der Ab­schlussbericht der Kohlekommission. Die Verkehrsinfrastruktur östlich von Dresden ist darin als – so wörtlich – „besondere Herausforderung“ be­schrieben. Da geht es einerseits um große Vorhaben wie die seit Jahren nicht angepackte Elektrifizierung der Bahnstrecke von Dresden nach Görlitz – aber eben auch um die lange Zeit abgeschriebenen Nebenstrecken. Ein Papier, das sich die Verantwortlichen beim VVO of­fenkundig sehr genau angeschaut haben und jetzt ganz neue Perspektiven sehen: allen voran für das Dresdner S-Bahnnetz und den Schienenpersonennahverkehr im nordöstlichen Verbundgebiet.

Bereits vor einem Jahr hatte der VVO erstmals vage Vorstellungen für die Erweiterung des S-Bahnnetzes geäußert. Im Fokus stehen da­bei die Regionalbahnverbindungen in Richtung Königsbrück, Ka­menz und Bautzen – die der Verbund künftig als Linien S6, S7 und S8 eng ins Dresdner S-Bahnnetz eintakten will. Ein Vorhaben, das aber auch sehr davon abhängt, dass Strecken samt Bahnhöfen entsprechend fit und möglichst elektrifiziert sind.

Verbindungen nach Kamenz und Bautzen zuerst im Visier

Genau das ist bisher ein Manko. Doch die zugesagten Bundesmittel könnten dem Ansinnen jetzt neuen Schub geben, sagt VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen, vor Erwartung selbst elektrisiert. Viele Maßnahmen aus dem Nahverkehrskonzept ließen sich schneller umsetzen. Es gehe nun vor allem darum, vorbereitet zu sein – weshalb der VVO die Planungen so weit vorantreiben will, dass die Projekte umgesetzt werden können, wenn das Geld aus Berlin tatsächlich fließt, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper.

Im Visier hat der VVO dabei zu­nächst die Verbindungen nach Ka­menz und Bautzen. „Mit der Elektrifizierung der Strecken Dresden-Görlitz und Dresden-Kamenz wird da­für die Grundlage geschaffen“, er­klärt Burkhard Ehlen. Das Vorhaben hat Berlin seit Jahren stets nach hin­ten runterkippen lassen. Zwar fand das Vorhaben inzwischen im­merhin Aufnahme ins Elektrifizierungsprogramm des Bundes. Das ist aber angesichts der fehlenden Ausfinanzierung bisher nicht einmal das Pa­pier wert, auf dem es steht.

Große Hoffnungen

Im Abschlussbericht der Kohlekommission wird die Elektrifizierung zwischen Elbe und Neiße prominent hervorgehoben – was offenbar große Hoffnungen weckt. Wie VVO-Sprecher Christian Schlemper sagt, ist darüber hinaus inzwischen sogar beim geplanten Ausbau der Bahnstrecke nach Kö­nigsbrück zu­mindest auf dem Stück bis Ottendorf-Okrilla Fahrdraht vorgesehen.

Doch die Strategen blicken noch viel weiter – zeitlich und auch geografisch. Denn in „einem zweiten Ausbauschritt der S-Bahn ist die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Ka­menz, Bernsdorf und Hoyerswerda geplant“, heißt es vom VVO. In einer Skizze sind ab Kamenz sogar zwei Äste der S7 zu seh­en: nach Hoy­erswerda und nach Senftenberg. Der Aus­bau der Strecke mit Oberleitung ist ebenfalls Be­standteil der um­fangreichen Projektliste im Ab­schlussbericht.

So sehen die Pläne des VVO für die Region nordöstlich von Dresden aus.. Quelle: VVO

Züge direkt ins Lausitzer Seenland

Um die 200 Millionen Euro, so rechnet Christian Schlemper vor, müssten in Bahnhöfe und Gleise im VVO-Gebiet investiert werden. Ei­ne genaue Vorstellung darüber, wie viel Zeit die Planungen in Anspruch nehmen werden und mit welchen Zeitschienen für die Umsetzung der ambitionierten Vorhaben zu rechnen ist, gebe es bisher nicht.

In jedem Fall wird bis dahin noch reichlich Gestrüpp und Un­kraut auf dem kleinen Bahnhof in Bernsdorf gedeihen. Der Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel (CDU) dürfte es möglicherweise dennoch mit ei­ner gewissen Gelassenheit sehen. Er kämpft bereits seit Jahren für die Reaktivierung der 1998 eingestellten Personenzugverbindung zwischen Kamenz und Senftenberg und war mit seinem Ansinnen beim VVO bisher stets auf breite Skepsis gestoßen. Nun könnten Dank der Kohle für den Ausstieg aus der Kohle die Weichen neu ge­stellt werden.

Für sein vor einigen Jahren ei­gentlich noch undenkbares Begehren hat Harry Habel übrigens stets auch mit einem für Dresdner überzeugenden Argument geworben: Die Züge könnten künftig auch Ausflügler aus der Landeshauptstadt schnell und direkt ins Lausitzer Seenland befördern.

Von Sebastian Kositz

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