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Lokales Missbrauch, Betrug, Doktorspiele: 21-Jähriger zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt
Dresden Lokales Missbrauch, Betrug, Doktorspiele: 21-Jähriger zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt
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10:02 04.07.2019
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Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

Als Gerichtsreporter erlebt man einiges, trotzdem fragt man sich manchmal: Geht’s noch? Fabian K. ist so ein Fall. Er wurde auf den Tag genau vor einem Jahr wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und weil er seiner Mutter die EC-Karte geklaut hatte, zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Strafe wurde mit eindringlicher Belehrung zur Bewährung ausgesetzt. Fabian K. tanzte aus dem Gericht und beging am folgenden Tag die erste neue Straftat. Bis Mittwoch hatte er es auf drei Anklagen mit 30 Vorwürfen gebracht.

Der 21-Jährighe hatte sich vor dem Prozess 2018 einen Job als Paketausfahrer gesucht – wenn man arbeitet, macht das vor Gericht einen besseren Eindruck. Einen Tag nach dem Urteil entsorgte er 100 Pakete, die er ausfahren sollte, im Wald. „Ich wollte lieber mit Freunden baden und chillen.“ Am nächsten Tag landeten 125 Pakete im Grünen. Vierzehn Tage später klaute er seinem Vater die Visa-Karte, mietete sich ein Auto, fuhr mit Freunden durch die Lande – Einkäufe, Kost und Logis inklusive. Zum Angeben, gestand er. Der Papa zeigte ihn an. „Das hatte ich nicht erwartet, ich dachte der meckert nur.“

Faible für Doktorspiele

Wenige Wochen später missbrauchte er mehrmals einen Elfjährigen, den er durch Freunde kennengelernt hatte. „Der fand das lustig“, erklärte der Angeklagte allen Ernstes. Kein Kind in dem Alter findet Oralverkehr wirklich lustig.

Der 21-Jährige hat nicht nur ein Faible für Sex mit Kindern, sondern auch für Doktorspiele. Er fühlte sich medizinisch zu Höherem berufen und gab wohl gern den „Arzt“. Einem Jungen, auch der elf Jahre und der kleine Bruder eines Kumpels, zapfte er mehrmals Blut ab und „spülte“ mit Natriumchlorid nach. „Das macht man so“, erklärte er dem Gericht. Grund: Der Junge habe rote Augen gehabt und er habe einen Drogentest machen wollen. Bitte?

Technische Geräte für 18 000 Euro bestellt

Die Qualifizierung dafür, so der Angeklagte, habe er gehabt: Einen Tag Sanikurs, zwei Monate Fiebermessen bei der Ausbildung zum Krankenpflegehelfer (dann flog er wegen Fehlstunden raus) und das intensive Anschauen der Fernsehserie „Medicopter 117.“ Auch dieser Junge, so Fabian K., habe die Sache „lustig gefunden“. Der geschwollene Arm und die Schmerzen zählten für ihn nicht.

Das Injektionsset hatte er sich im Internet bestellt. Dort orderte der „Mediziner“ noch mehr. Er gab sich als Mitglied der Malteser aus, bestellte technische Geräte für 18 000 Euro und später einen ganzen Krankenwagen. „Ich wollte bei einem Reiterfest den Rettungsdienst machen.“ Die Firmen fragten nach, geliefert wurde nicht.

Grenzenlose Selbstüberschätzung

Fabian K. räumte alles ein. Er hat keine Persönlichkeitsstörung, leidet nur unter grenzenloser Selbstüberschätzung. Er weiß genau, was er darf und was nicht – es ist ihm nur völlig egal. Schuld sind immer die anderen: die Drogen, die Freunde, die Eltern.

Am Mittwoch wurde er zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt, das Urteil von 2018 wurde einbezogen. „Wir hoffen, die Verhandlung hat ihnen gezeigt, dass die Strafe auf den Fuß folgt. Sie haben jetzt lange Zeit, über alles nachzudenken“, sagte die Vorsitzende Richterin. Fabian K. nickte eifrig und fragte dann seinen Anwalt, wie das mit einer Revision ist.

Von Monika Löffler