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Lokales Miete in Dresden steigt binnen zwei Jahren um acht Prozent
Dresden Lokales Miete in Dresden steigt binnen zwei Jahren um acht Prozent
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16:46 15.04.2019
Sie stecken hinter der Kommunalen Bürgerumfrage 2018: Ulrisch Schiemenz (Sachbearbeiter Umfragen), Holger Oertel (Leiter Bevölkerung und Stadtgebiet), Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel und Lioba Buscher (Leiterin Kommunale Statistikstelle; v.l.). Quelle: Uwe Hofmann
Dresden

Die Dresdner finden Parkplätze wichtiger als Kinderbetreuungsangebote, hegen zu 29 Prozent einen Kinderwunsch – darunter auch ein Prozent der über 74-Jährigen – und fahren im Schnitt 4,4 Mal mit dem Fernbus im Jahr. Das lässt sich aus der Kommunalen Bürgerumfrage ablesen, bei der die Stadt alle zwei Jahre Otto Normaldresdner vermisst. Dadurch gewinne man lange Datenreihen, an denen sich gut Entwicklungen erkennen lassen, begründet Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) den Aufwand. Die Daten der jüngsten Umfrage wurden vor etwa einem Jahr erhoben und sind nun ausgewertet. Einige der Trends sind besorgniserregend.

Die Mieten steigen stadtweit rasant an

Fast acht Prozent mehr zahlten die Dresdner laut aktueller Umfrage gegenüber 2016. Das ist umso gravierender, als dass 82 Prozent der Dresdner auch zur Miete wohnen. Die durchschnittliche Grundmiete stieg von 5,97 Euro je Quadratmeter (2016) auf 6,43 Euro. Hinzu kommen noch 2,37 Nebenkosten. Da anders als bei anderen Erhebungen in dieser Rechnung sowohl neu bezogene Wohnungen als auch Bestandsmieten erfasst sind, seien diese Daten aussagekräftiger als andere Statistiken zum Wohnungsmarkt, sagt Holger Oertel, der im Statistikamt für Bevölkerung und Stadtgebiet verantwortlich ist. „Mit ihnen lässt sich die Dresdner Durchschnittsmiete ermitteln.“ Diese liegt demnach bei 571 Euro im Monat – das sind 28 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens, ein Anstieg um einen Prozentpunkt. Während vor allem höhere Einkommensschichten die steigende Tendenz zu spüren bekommen, sind vor allem niedrige Einkommen traditionell stark belastet. Zwölf Prozent der Haushalte müssen mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete ausgeben.

Von 2016 auf 2018 ist die Grundmiete um 7,9 Prozent angestiegen. Quelle: Statistikstelle Dresden

Große, bezahlbare Wohnungen fehlen

Zu hohe Mieten sind nach Meinung der Dresdner das größte Problem in der Stadt. Mit 25 Prozent (+12 Prozentpunkte) aller Nennungen rangiert der Wohnungsmangel auf der Dresdner Problemliste ganz oben, gefolgt von Pegida (19 Prozent/-13), Kriminalität (14 Prozent) und Rechtsextremismus (13 Prozent/+5). Den fünften Rang teilen sich drei Verkehrsthemen mit jeweils zehn Prozent der Nennungen: das Fahrradwegesystem (+4), die allgemeine Verkehrssituation (+3) und der Straßenzustand (+2).

Doch zurück zum Wohnungsmarkt: Vor allem bezahlbare größere Wohnungen sind Mangelware. So sind Haushalte mit fünf und mehr Personen am unzufriedensten (58,4 Prozent) mit dem Markt und Singles am wenigsten unzufrieden (33,5 Prozent). Die fünf Stadtteile mit der größten Unzufriedenheit, was bezahlbaren Wohnraum angeht, sind die Neustadt (76 Prozent unzufrieden), Pieschen mit Leipziger Vorstadt (58), Blaswitz mit Striesen (53), Plauen mit Mockritz und Coschütz (49) sowie Klotzsche. Gesucht werden trotzdem nicht in erster Linie billige, sondern vor allem größere Wohnungen – das ist zumindest seit Jahren der meistgenannte Grund für Umzüge innerhalb der Stadtgrenzen. Es folgen modernere Ausstattung, familiäre Gründe, der Mietpreis sowie Ruhe und Naturnähe. Interessant: Anders als bei den Wegzügen ins Umland (50 Prozent) spielt der Wunsch nach Wohneigentum in Dresden keine große Rolle.

Wer 60 Prozent des Durchschnittseinkommens hat, gilt als armutsgefährdet. Wer 150 Prozent des Durchschnitts verdient, gehört zu den Wohlhabenden. Quelle: Statistikstelle Dresden

Allgemein herrscht große Zufriedenheit

Allen Problemen ungeachtet sind die Dresdner zufrieden: Mit ihrer Wohnung, mit der Wohngegend (beides 1,9 bei Noten 1 bis 5) und mit der Stadt (glatte 2). Das dürfte auch mit der wirtschaftlichen Lage zusammenhängen. Die schätzen mittlerweile fast zwei Drittel als sehr gut (elf Prozent) oder gut (54 Prozent) ein. Dazu erwarten 16 Prozent eine Verbesserung, nur zehn Prozent eine Verschlechterung in der nächsten Zeit. Das Durchschnittseinkommen liegt derzeit bei 2200 Euro, wobei Alleinerziehende und Paare ohne Kinder die größten Sprünge in der Einkommensstatistik verzeichnen konnten. Alleinlebende Rentner büßten dagegen an Einkommen ein – sie sind auch die am stärksten armutsgefährdete Gruppe in Dresden.

Rentner ohne Partner und Alleinstehende haben das größte Risiko, armutsgefährdet zu sein. Paare im Ruhestand und Paare mit zwei Verdienern stehen dagegen gut da. Quelle: Statistikamt Dresden

Das Bild, das die Dresdner von ihrer Stadt zeichnen, ist ebenfalls überwiegend positiv. Einzig die Eigenschaften „weltoffen“ (-20 Prozentpunkte) und „gastlich“ (-10) haben eingebüßt, seit es Pegida gibt. Dafür ist das Sicherheitsgefühl in Zeiten sinkender Deliktzahlen in der Kriminalstatistik leicht angestiegen. Es wurden in dieser Kategorie wieder Werte wie 2014 und 2012 erreicht.

Bürgerumfrage muss sich wandeln

2020 steht die nächste Bürgerumfrage an. Dabei will man einiges anders machen, wie Holger Oertel sagt. „Wir setzen uns im Herbst zusammen – es läuft wohl auf eine Reduzierung der Fragebögen hinaus“, sagt er. Grund: Mit jeder Umfrage sinkt die Zahl derer, die mitmacht. Kamen 2018 von etwa 13 000 Fragebögen 3989 (30,9 Prozent) zurück, waren die Beteiligungsquoten davor mit 36,1 Prozent (2016) und 41,1 Prozent (2014) deutlich höher. „Die Beteiligung genügt, um eine sinnvolle Auswertung zu ermöglichen“, sagt zwar Lioba Buscher, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle. Aber so langsam sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Da die seit zwei Jahren bestehende Erleichterung, den Fragebogen online auszufüllen, nur 16 Prozent nutzen, wird über weitere Vereinfachungen nachgedacht.

Zur Kommunalen Bürgerumfrage 2018 ist jetzt der Tabellenband erschienen. Die anschaulichere Broschüre zu Hauptaussagen ist erst nach der Kommunalwahl zu erwarten. Beide sind bei der Kommunalen Statistikstelle, Tel. 488 11 00, E-Mail statistik@dresden.de zu bekommen.

Von Uwe Hofmann

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