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Lokales Melli Beese – Diese Frau kämpfte für ihren Traum vom Fliegen
Dresden Lokales Melli Beese – Diese Frau kämpfte für ihren Traum vom Fliegen
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12:20 28.02.2019
Die erste deutsche Motorfliegerin Melli Beese (1886–1925) aus Dresden.  Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1983-0617-302 / CC-BY-SA 3.0
Dresden

Sie wollte fliegen, immer nur fliegen. Doch das Leben dieser Virtuosin der Lüfte endete denkbar dramatisch. Amelie Hedwig Beese, genannt Melli, hat sich 1925 erschossen. Die letzten Worte dieser ersten deutschen Frau, die, allen Widerständen zum Trotz, einen Flugschein erwarb, lauteten, hingeworfen auf einen Zettel: „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“

Fliegen faszinierte sie

Die Tochter wohlhabender Eltern studiert an der Königlichen Akademie der freien Künste in Stockholm Bildhauerei, interessiert sich aber schon damals sehr für das Fliegen. „Sie hat in Stockholm von den Flugversuchen der Brüder Wright gehört, und das hat sie ungemein fasziniert“, sagt Dr. habil. Anne-Simone Rous, die sich mit dem Leben der ersten deutschen Pilotin beschäftigt.

Als Melli Beese Ende 1910 nach Deutschland zurückkehrt, führt ihr Weg sie schnurstracks an das Technikum Dresden. „Sie hat Vorlesungen in Mathematik, Mechanik, Flugmechanik und Schiffsbau besucht“, erzählt die Historikerin. Doch sie will die Flugzeuge nicht nur vom Boden aus betrachten, nein, sie möchte sich selbst in die Lüfte erheben! Allein, das Vorhaben gestaltet sich als ziemlich schwierig.

Keiner wollte eine Frau

Die Männerwelt ist nämlich alles andere als begeistert von der Idee, eine Frau am Himmel zu sehen. „Melli wurde vom einen zum anderen geschoben, denn keiner wollte verantworten, die erste Frau als Pilotin auszubilden“, sagt Anne-Simone Rous.

Doch Melli lässt sich von den Vorbehalten nicht einschüchtern. Bei der Fluggesellschaft Ad Astra bekommt sie endlich ihre Chance: Fluglehrer Robert Thelen nimmt sie als Schülerin an.

Harten Gegenwind bekommt sie aber nach wie vor, denn die anderen Flugschüler fühlen sich mit einer Frau in ihrer Mitte in ihrem Stolz gekränkt. Wie sehr triumphieren sie, als Melli im Dezember 1910 mit Thelen aufgrund eines technischen Defekts aus etwa 20 Metern Höhe abstürzt. Die junge Frau bricht sich dabei den Knöchel und wird mit Morphium behandelt, was eine lebenslange Sucht bei ihr auslöst.

Bringen Frauen doch nur Unglück?

Viel schmerzhafter als der gebrochene Knöchel ist für Melli allerdings, dass sich ihr Lehrer ab sofort weigert, ihr weiterhin Flugstunden zu geben. Mit Frauen zu fliegen, bringe – darin fühlt sich Thelen nun bestätigt – eben doch nur Unglück.

„Aber sie findet einen neuen Fluglehrer bei den Rumpler-Werken“, erzählt die Historikerin die wechselvolle Geschichte weiter. An ihrem 25. Geburtstag kann Melli triumphieren: Sie meldet sich heimlich zur Prüfung an, besteht frühmorgens, als alle Kollegen noch schlafen, und hält als erste Frau Deutschlands ihren Flugschein, die „Flugzeugführerlizenz Nummer 115“, in Händen.

Und dann macht Melli Beese ihr Hobby zum Beruf: 1912 gründet sie zusammen mit Charles Boutard, ihrem späteren Ehemann, und Hermann Reichelt die „Flugschule Melli Beese GmbH“. Finanziell greift ihr Karl August Lingner, der Erfinder des Mundwassers Odol, unter die Arme.

Melli kommt zurück nach Deutschland

Es läuft gut im Leben der jungen Frau, die so hart für ihren Traum gekämpft hat. Sie ist erfolgreich – und verliebt: Im Januar 1913 heiratet sie ihren Teilhaber Charles Boutard. Melli nimmt die französische Staatsbürgerschaft an, ein Umstand, der ein Jahr später eine große Rolle spielen wird: Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist sie eine feindliche Ausländerin, ebenso wie ihr Gatte. Beide werden verhaftet und gezwungen, Fabrik und Flugschule zu schließen.

Nach dem Krieg kann Melli Beese nach Johannisthal zurückkehren. Sie ist ein gesundheitliches Wrack und steht vor dem Nichts: Ihre Flugzeuge hat man demontiert, das Holz des Hangars zum Heizen genommen. Doch Melli Beese ist eine Kämpferin.

Sie bemüht sich um Schadensersatz für Firma und Schule, der ihr auch gewährt wird. Doch bei der vorgeschriebenen Erneuerung ihres Pilotenscheins endet die Prüfung für Melli Beese mit einer Bruchlandung. Ob Unfall oder Materialschaden, lässt sich nicht mehr klären. Damit ist die einst so mutige und lebensfrohe Frau vollkommen am Ende. Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 1925, inzwischen auch von ihrem Mann getrennt, erschießt sie sich. Zuvor hat sie noch notiert: „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“

Von Eva-Maria Bast

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