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Lokales Medizinstudentinnen im Corona-Einsatz: „Das ging einfach gleich los“
Dresden Lokales Medizinstudentinnen im Corona-Einsatz: „Das ging einfach gleich los“
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20:27 07.04.2020
Medizinstudenten helfen mit bei der Bekämpfung des Coronavirus. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Dresden

Vor zehn Minuten war Wiebke Bunzenthal noch leger in T-Shirt und Jeans in der Sonne unterwegs. Jetzt steht sie in voller Montur und kaum wiederzuerkennen auf dem Flur der Corona-Intensivstation. Die Medizinstudentin ist dort eine der freiwilligen Helferinnen des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Im Moment betreut sie zwei von fünf Patienten - „also so war es, als ich aus dem Nachtdienst gekommen bin“, erzählt die 27-Jährige.

Sie ist mit blauer Hose, blauem Shirt, gelbem Kittel und Schutzmaske ausstaffiert. „Wir sind zwar in diesem Corona-Bereich schon besonders angezogen, aber wenn wir dann in die Zimmer gehen, dann setzten wir noch andere Masken auf.“ Bevor es zu einem der zwei aktuell von ihr betreuten Schützlinge ins Zimmer geht, wird die normale Schutzmaske gegen ein FFP3-Modell ausgetauscht. Obendrein sind noch ein paar Handschuhe überzuziehen und ein Helm mit Schutzvisier aufzusetzen.

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Rund 100 Medizinstudentinnen und -studenten haben sich für den freiwilligen Einsatz gemeldet

Bunzenthal beobachtet den Gesundheitszustand ihrer Patienten, pflegt sie und dreht sie um - im Hintergrund immer das mechanische Saugen der Beatmungsmaschinen. Für die gelernte Kranken- und Gesundheitspflegerin ist es kein komplett neuer Job. Bereits nach dem Physikum hatte die 27-Jährige begonnen, an der Uniklinik zu arbeiten. Sie ist als Werkstudentin fest auf der Intensivstation angestellt. „Die Semesterferien habe ich jetzt aufgestockt und jetzt im Zuge dieser Corona-Pandemie noch einen Monat drangehangen.“

Rund 100 Medizinstudentinnen und -studenten haben sich für den freiwilligen Einsatz gemeldet. Insgesamt hat das Universitätsklinikum Dresden 21 Studierende rekrutiert; 15 sind schon im Einsatz. „Die 15 sind alles Studenten, die vorher einen medizinischen Beruf gelernt haben“, sagt Klinik-Sprecherin Annechristin Bonß. Man gehe aktuell bei der Job-Zuteilung nicht danach, wie viele Fachsemester der Student gesammelt hat, sondern was er wirklich als abgeschlossenen Beruf mitbringt.“

Sie kümmern sich unter anderem um die Patientenversorgung

Die „Studis“ arbeiten dann - je nach Qualifikation - unter anderem in der Corona-Leitstelle, -Ambulanz und -Notaufnahme. Sie kümmern sich unter anderem um die Patientenversorgung, die Betreuung bei Transporten, Blutabnahmen und die Datenabfrage für die Leitstelle. „Tagesaktuell werden neue Bedarfe eruiert und entsprechend Personal rekrutiert“, berichtet Bonß. Ob und wie der Einsatz im Studium angerechnet werden kann, werde derzeit geprüft.

Leila Günther studiert ebenfalls Medizin - eigentlich. Aktuell aber arbeitet sie in der Corona-Leitstelle Dresden-Ostsachsen. Sie koordiniert, wer bei Bunzenthal, und anderswo in der Region auf der Intensivstation landet. Günther sammelt klinische Daten und überlegt sich, wie die Patienten abhängig von ihrem Zustand transportiert werden können.

„Das ging einfach gleich los“

Mitte März sei eine Mail bei ihr im Postfach gelandet, die die Studierenden zum Einsatz aufrief. Günther reagierte sofort: „Man wusste ja auch, dass es die Krankenhäuser irgendwie trifft. Da will man ja auch helfen.“ Daraufhin wurde sie sofort geholt. „Das ging einfach gleich los“, erinnert sich die 23-Jährige. Wie sich die Arbeit in das Studium integrieren lässt, müsse sich jetzt nach und nach zeigen. „Ich hab da so ein bisschen gepokert“, sagt Günther. Bisher lasse sich die Arbeit in der Zentrale aber gut mit den digitalen Vorlesungen verbinden.

„Ich war so ein bisschen blauäugig und dachte mir, na ja, das regelt sich im Nachhinein schon alles und die sind ja auch daran interessiert, dass die Leute da sind“, erzählt auch Bunzenthal. Doch nun gibt es durchaus einiges zu regeln. Gerade erst habe sie erfahren, dass sie für diesen Monat ihren Werkstudierenden-Vertrag verloren hat - weil sie in ihrem Sondereinsatz zu viel gearbeitet hat.

Nur in der Wohnung sitzen könne sie nicht

Jeden zweiten Tag verbringt die Studentin zwölf Stunden am Stück im separaten Bereich der Corona-Intensivstation. Statt im gängigen Drei-Schichten-System arbeiten die Pflegekräfte dort in diesem Rhythmus, um den Kontakt der Kollegen zu minimieren. „Also mir tut's auf jeden Fall ganz gut, in der Zeit arbeiten gehen zu können“, sagt Bunzenthal. Nur in der Wohnung sitzen könne sie nicht.

Die größte Herausforderung sei, dass „die Patienten so jung sind“, stellt die 27-Jährige fest: „Das sind nicht klassische Intensivpatienten, die 90 Jahre alt sind und ein gutes Leben gehabt haben. Sondern die sind halt im Alter meines Vaters.“ Und so hat Bunzenthal sich selbst strenge Regeln auferlegt und überlegt sich ganz genau, wen sie trifft.

„Ich bin jetzt vorher noch einmal nach Hause gefahren“, sagt die Studentin. Den Geburtstag des Vaters und Ostern daheim wird sie notgedrungen schwänzen. Und nach ihrem Einsatz will sich Bunzenthal erst noch zwei Wochen in Quarantäne begeben, „bevor ich irgendjemanden aus der Risikogruppe sehen möchte“.

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Von RND/dpa

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