#MaskeFürDich: Ein Symbol der Solidarität geht von Dresden aus
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Lokales #MaskeFürDich: Ein Symbol der Solidarität geht von Dresden aus
Dresden Lokales #MaskeFürDich: Ein Symbol der Solidarität geht von Dresden aus
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17:00 15.04.2020
UKD-Oberärztin Julia Fantana mit ihrem 14-jährigen Sohn Carl. Quelle: Aaron Wörz
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Dresden

Julia Fantana spürt den Stoff kaum noch. Nur beim Sprechen und Essen fällt der Oberärztin in der Notaufnahme der Dresdner Uniklinik schnell wieder ein, dass ihr Nasen- und Mundbereich von einer Maske bedeckt ist. Denn im Gegensatz zu Supermärkten oder öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Maske in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen schon seit Wochen Teil der vorgeschriebenen Arbeitskleidung, um sich selbst und andere vor dem Coronavirus zu schützen.

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Als Mitte März immer mehr Patienten in die Corona-Ambulanz am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus kamen, stieg dort die Sorge, dass es auf lange Sicht schwierig werden könnte, medizinisch zertifizierte Schutzmasken für das gesamte Personal bereitzustellen. Zeitgleich drängte sich im Hause Fantana die Frage auf, wieso einfache Stoffmasken in Krankenhausgängen helfen sollen, nicht aber im öffentlichen Raum. „Wir hatten bereits am Uniklinikum festgestellt, dass die Vorräte an Schutzkleidung begrenzt sind und wollten verhindern, dass in unserer Gesellschaft ein Wettkampf um medizinische Schutzmasken ausbricht”, erzählt die Internistin.

Der Medizinstudent Paul Andrä. Quelle: privat

Gemeinsam mit ihrem Mann Horatiu Fantana, dem Maschinenbauingenieur Fritz Lukas Pötter sowie den beiden Medizinstudenten Paul Andrä und Robert Bozsak von der TU Dresden startete sie deshalb die Initiative #MaskeFürDich, um für das Tragen selbst genähter Masken zu werben. Die ersten Reaktionen der Kollegen auf die Idee fielen jedoch nicht nur positiv aus. Die Masken würden ein Gefühl von falscher Sicherheit vermitteln und möglicherweise falsch verwendet werden, kritisierten einige Mediziner. Ein Grund, weshalb die Gebrauchshinweise für eine Maske vor der Veröffentlichung auf der Homepage der Initiative in Absprache mit anderen Ärzten nochmals genau geprüft wurden. „Menschen, die eine selbstgenähte Maske tragen, schützen vor allem Andere”, erklärt Horatiu Fantana.

Medizinstudent und Robert Boszak und seine Großmutter Ludovica Paraschiv. Quelle: privat

Doch sowohl der Physiker als auch seine Frau kennen die argwöhnischen Blicke, die ein maskiertes Gesicht auf der Straße hervorrufen kann. Zu schnell schleicht sich noch bei vielen der Gedanke ein, Maskenträger seien krank und sollten eigentlich zu Hause bleiben. Ein Anliegen der Initiative ist es daher, das Thema positiv zu besetzen und die Masken als Symbol der Solidarität zu betrachten. Diese Solidarität können Unterstützer der Aktion nicht nur mit dem Tragen einer Maske ausdrücken: Die Webseite der Initiative beinhaltet eine Tauschbörse, in der Suchende und Besitzer von selbst genähten Masken zueinander finden.

Auf einer Online-Karte markieren Anbieter von Mund-Nase-Masken und Nähmaterial ihren Standort und können für eine kontaktlose Übergabe kontaktiert werden. Geld soll dabei niemand verdienen: „Wir wollen daraus kein Geschäftsmodell machen”, betont Horatiu Fantana. Eine freiwillige Spende als Geste der Dankbarkeit ist trotzdem erlaubt.

Physiker Horatiu Fantana und seine Frau Julia Fantana Quelle: privat

Von Schleswig-Holstein bis nach Österreich werden bereits in über 100 Orten selbst genähte Masken oder Nähmaterial angeboten – Tendenz steigend. Der wachsende Zuspruch ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer engagierten Werbekampagne. Nachdem die Idee aufkam, setzten alle Beteiligten ihre Netzwerke von Freunden, Bekannten und Familie in Gang. Sogar der Dresdner Kreuzchor warb in den sozialen Medien für die Initiative. Der Kontakt kam über Horatiu und Julia Fantanas 14-jährigen Sohn Carl zustande, der selbst Kruzianer ist. Auch das Bundesministerium für Gesundheit teilte die Dresdner Idee auf der Plattform „Zusammen gegen Corona” und erst vergangene Woche hatte die Initiative Besuch von einem Fernsehteam des Privatsenders ProSieben. In den nächsten Tagen soll ein Beitrag über die Aktion #MaskeFürDich in der Sendung „Galileo” ausgestrahlt werden.

Mittlerweile ist das Team hinter der Plattform auf fast 40 Mitstreiter aus dem gesamten Bundesgebiet gewachsen. Täglich trifft sich die Gruppe aus Ärzten, Designern, Programmierern, Schülern und Studierenden in einem virtuellen Chatroom, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Der Maschinenbauingenier Fritz Pötter Quelle: privat

Seitdem der Chef der Bundesärztekammer sowie führende Virologen sich für das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausgesprochen haben, ist das Interesse an der Diskussion über eine Maskenpflicht stark gestiegen. An virtuellen WhatsApp-Stammtischen wird darüber spekuliert, ob eine mögliche Lockerung der bundesweiten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen nur Hand in Hand mit einer Maskenpflicht für bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens stattfindet.

„Unser aller Hoffnung ist, dass wir die Initiative nur noch zwei bis drei Monate brauchen”, wünscht sich Horatiu Fantana. Sollte das wirklich der Fall sein, können sich die Initiatoren vorstellen, dass das Projekt als Blaupause für weitere Ideen, wie beispielsweise Nachbarschafts- oder Seniorenhilfe, genutzt wird: „Wenn das Kartenkonzept funktioniert, ist das ein schönes Beispiel, wie gesellschaftliche Solidarität funktionieren kann”, glaubt Physiker Fantana an einen Langzeiteffekt für die Zeit nach der Coronapandemie.

Unter www.maskefuerdich.de können Interessierte selbst genähte Masken in ihrer Stadt oder Region suchen und anbieten.

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Von Aaron Wörz