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Lokales Dating-Berichte aus Dresden: Vom Nichtschwimmer ins Bett
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Lous Dating-Kolumne aus Dresden Teil 2: Vom Nichtschwimmer ins Bett

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19:32 09.11.2021
Dass ein Date nicht automatisch in die neue Beziehung führt, hat unsere Autorin Lou schnell erkannt.
Dass ein Date nicht automatisch in die neue Beziehung führt, hat unsere Autorin Lou schnell erkannt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Den würde ich meinen Eltern vorstellen! Wenn dieser Gedanke schon beim ersten Date aufploppt, kann es nicht besser laufen. Und so war es auch. Nach meinem letzten Fehlgriff mit dem älteren Ferdinand versuchte ich mein Glück mit dem jüngeren Paul.

Ich weiß nicht, was ich süßer fand: Sein geblümtes Hemd, seine Wahl eines Chai Lattes in ei­ner Raucherbar um 21 Uhr oder sein hauchzartes Sächsisch. Ich wollte mehr davon! Also empfing ich den gelungenen Johnny-Depp-Verschnitt aus der Südvorstadt zu Pasta und Vino in der Neustadt. Während ich Paul dabei beobachtete, wie er mit seiner Gabel die letzten Spaghetti aufwickelte, wurde mir klar, dass ich es mit ihm vom Esstisch ins Bett schaffen wollte. Für den fließenden Übergang spulte mein Laptop eine Nullachtfünfzehnromanze ab. Der Film erfüllte seinen Zweck – nach zehn Minuten lagen wir uns knutschend in den Armen. Meine Prognose für den Rest des Abends: Das wird super.

Die dunkle Vorahnung

Doch mit jedem Kleidungsstück, das wir verloren, wich meine Euphorie einer dunklen Vorahnung. Paul war unbeholfen wie ein Fünfjähriger in seiner ersten Stunde Schwimmkurs. Auf ängstliche Berührungen folgten unsichere Blicke. Ist das etwa sein erstes ...? Positiv denken! Ich schob meine Sorgen beiseite und konzentrierte mich auf das, was wir hatten: einen deckungsgleichen Musikgeschmack (wichtiger als die meisten denken!), gute Gespräche, großartige Küsse.

Der Game-Changer: Das Kondom

Was wir nicht hatten, war ein Kondom. „Hast du etwas dabei“, fragte ich. „Sonst hol ich was.“ Als ich es kaum noch für möglich hielt, ergriff der schöne Schüchterne die Initiative. „Ich hab eins.“ Wer fürs zweite Date ein Kondom einpackt, kann nicht vorm ersten Mal stehen, dachte ich. Bis zu Pauls Nachsatz: „Eins aus der Ersti-Tüte.“ (Für alle Nicht-Studis: Der Beutel versorgt Uni-Neulinge zweimal im Jahr mit Nervennahrung, überteuertem Mineralwasser – und offenbar auch mit Präservativen.)

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Hätten Elektroden in der Sekunde meine körperliche Erregung gemessen, der Monitor hätte eine Nulllinie gezeichnet. Da halbe Sachen noch nie mein Ding waren, war ich dennoch gewillt, mit Paul die letzten Meter zu gehen. Auch mit Uni-Kondom.

Die morgendliche Erkenntnis

Erst als ich am nächsten Morgen auf meinem Handy das aufgeregte („Wie war’s???“) einer Freundin las, spürte ich das Ausmaß meiner Ernüchterung. Ob Paul mit mir tatsächlich das erste Mal ins Nichtschwimmer sprang, werde ich wahrscheinlich nie erfahren, noch am selben Tag erklärte ich ihm, dass mein Feuer erloschen war. Die wahren Gründe lies ich aus. Unter uns: Freischwimmer Gold muss es nicht sein, aber zumindest ein Seepferdchen, oder?

Eure Lou

Von Lou