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Lokales Louisenstraße: Weniger Platz für Autos gefordert
Dresden Lokales Louisenstraße: Weniger Platz für Autos gefordert
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17:28 11.12.2018
Stein des Anstoßes: Ein kleiner Teil der Louisenstraße bekommt eine neue Asphaltfahrbahn.
Stein des Anstoßes: Ein kleiner Teil der Louisenstraße bekommt eine neue Asphaltfahrbahn. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Tempo 20, Poller auf der Fahrbahn oder gemeinsamer Verkehrsraum – die Neustädter haben offenbar viele Ideen, was mit der Louisenstraße geschehen könnte. So sieht das zumindest der Stadtbezirksbeirat Neustadt, der ein Programm mit umfassenden Prüfaufträgen für die Verwaltung beschlossen hat. Dabei geht es auch um die missliebige Ampel an der Kreuzung mit der Görlitzer/Rothenburger Straße.

Anstoß für den gemeinsamen Prüfauftrag von Linken, Grünen und SPD (RGR) war ein eigentlich schlichter Vorgang: Drewag und Stadtentwässerung haben im Sommer dieses Jahres damit begonnen, alte Leitungen unter der Louisenstraße im Abschnitt zwischen Königsbrücker und Förstereistraße zu sanieren. Anschließend verlegten sie neuen Asphalt. Die etwa 350 000 Euro teuren Bemühungen der beiden Stadttöchter sind eigentlich ein Grund zur Freude, weil der Straßenbelag in diesem Abschnitt als solcher schon nicht mehr zu erkennen war.

Ziel: Fahrenden und parkenden Autos Platz wegnehmen

Besonders unter den Neustadtgrünen sorgte der Vorgang jedoch für Aufruhr: Wenn man die Straße schon anfasse, dann solle man sie doch auch bitteschön anders gestalten, lautete der Tenor. „Sonst schaffen wir Schritt für Schritt eine Situation, die dann die nächsten 20 bis 30 Jahre so bleibt“, begründet Stadtrat Vincent Drews, der die RGR-Vorlage am Montag im Stadtbezirksbeirat Neustadt vorstellte.

Ziel des Vorstoßes ist es, fahrenden und parkenden Autos Platz wegzunehmen und diesen Anwohnern, Fußgängern und dem Gewerbe, vor allem für Anlieferung und Freisitze, zuzuschlagen. Dafür führt RGR folgende Argumente ins Feld: Die Louisenstraße habe für den Verkehr kaum noch Bedeutung, weil zwischen Königsbrücker und Alaunstraße durchschnittlich 2200 Autos am Tag, im Teil bis zur Prießnitzstraße gar nur 600 bis 700 Autos gezählt werden. Als „Fußgängermeile, Geschäfts- und Kneipen- sowie Wohnstandort“ wird daher eine Neuaufteilung des „knappen Straßenraums" gefordert, der Fuß- und Radverkehr mehr Räume zuschlägt und auch Platz für große Bäume schafft.

Sanierungsschritte sollen gestoppt werden

Bis ein geeignetes Konzept gefunden sei, das zudem in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden solle, sollten alle weiteren Sanierungsschritte gestoppt werden. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) lässt laut Stadtbezirksamtsleiter André Barth derzeit prüfen, ob die 2019 geplante Sanierung der Louisenstraße zwischen Förstereistraße und Alaunstraße verschoben werden könne.

Zu den Forderungen gehört auch, einen sogenannten „shared Space“ zu prüfen. Dort teilen sich alle Verkehrsteilnehmer den gleichen Verkehrsraum. Außerdem wird Tempo 20 in einer verkehrsberuhigten Zone vorgeschlagen und werden neue Querungen mit angehobener Fahrbahn an Görlitzer/Rothenburger Straße sowie am Nordbad gefordert.

Kontrovers wurde im Stadtbezirksbeirat über einen von Linken und Grünen eingebrachten Ergänzungsantrag diskutiert. Die Stadtverwaltung solle demnach prüfen, inwieweit die Louisenstraße an der Kreuzung mit der Görlitzer/Rothenburger Straße durch Poller oder dergleichen getrennt werden könne, so dass Radler noch weiterfahren können, Autos aber nicht. Ebenfalls solle geprüft werden, ob die dortige Ampel nicht abgebaut werden könne.

„Durch die Neustadt fährt keiner freiwillig“

Die sei aber für den Schülerverkehr wichtig, argumentierte SPD-Stadtbezirksbeirat Christoph Meyer. Deswegen habe man sie ja auch eingerichtet. In der Abwägung sei die Belastung durch die Abgase an der Ampel wartender Autos aber zu groß, verteidigte Grünen-Rat Torsten Abel den Vorstoß. Eine Diskussion, die sich erst durch die selten deutlichen Worte des Stadtbezirksamtsleiters Barth, „Schulwegsicherheit lässt sich nicht abwägen!“, wieder einfangen ließ. Grünen-Stadtbezirksbeirat Klemens Schneider schwächte den Ergänzungsantrag daraufhin ab: Sollten Poller möglich sein, sollte geprüft werden, ob die Ampel über die Louisenstraße überflüssig geworden ist. An Görlitzer/Rothenburger Straße hält Schneider selbst einen Wegfall der Ampel ohnehin nicht für praktikabel, weil dort Straßenbahnen der Linie 13 fahren.

„Durch die Neustadt fährt doch keiner freiwillig, es gibt hier keinen Durchgangsverkehr“, wetterte FDP-Stadtbezirksbeirätin Benita Horst gegen die Pläne. Verkehr erzeugen lediglich Anwohner und Gewerbetreibende. Dennoch wurden Antrag und die geänderte Ergänzung beschlossen. Jetzt muss sich der zuständige Bauausschuss damit befassen.

Von Uwe Hofmann