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Lokales "Lohengrin" zum Wagnerjahr an der Dresdner Semperoper
Dresden Lokales "Lohengrin" zum Wagnerjahr an der Dresdner Semperoper
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23:17 09.09.2015

Dann wurde die Produktion auf die Bühne der 1985 eröffneten Semperoper übertragen. Jetzt, in der 109. Vorstellung, wird sie als Wiederaufnahme zur Eröffnung des Wagnerjahres 2013 gespielt. Szenisch wirkt die Aufführung mitunter wie eine peinliche Parodie pathetischer Insze-nierungen von Wagneropern vor dem Fantasiehorizont kleinbürgerlichen Größenwahns. Die kostümierten Aufzüge militanter Herren, das andächtige Schreiten der Damen, alles in politisch korrekter Stoßrichtung im Hinblick auf deutsche Allmachtfantasien gen Osten und dem Wissen um entsprechende Wagnerrezeptionen, haben schon vor 30 Jahren nicht recht überzeugen können.

Also Augen zu und durch. Man hält sich an den Klang, und das ist gut so. Für Wagner war das Dresdner Orchester eine Wunderharfe, und es grenzt auch an ein Wunder, welchen Klangzauber die Sächsische Staatskapelle unter der Leitung ihres neuen Chefdirigenten Christian Thielemann zu entfalten vermag.

Gerade im "Lohengrin" müssen die ätherischen Klänge der Gralsmusik im Vorspiel zum ersten Akt oder in der "Gralserzählung" etwas Überirdisches haben. Es muss auch schmettern in den Prunkszenen. Lichtvolle Klänge müssen die hellen Helden Lohengrin und Elsa umspülen, dunkel grundierte die ihrer Gegenspieler, Ortrud und Telramund. Christian Thielemann scheint mit Lust die Klangdimensionen dieser Wunderharfe ausloten zu wollen, wie weit er mit diesen Musikern gehen kann, wie weit er die Zuhörer in die Konzentration verführen kann, als gelte es noch ein piano hinterm pianissimo zu ergründen. Und das geht mit diesem Orchester, wunderbare Streicherklänge, feinste Ansätze in den Passagen der Bläser, gehauchte Töne aus der Stille, dynamische Aufstiege, lustvoller Glanz, wenn's sein muss.

Der Anteil des Chores am Gelingen einer Lohengrin-Aufführung ist immens, die Leistungen der Sängerinnen und Sänger des Staatsopernchores, verstärkt durch Herren des Sinfoniechores, in der Einstudierung von Pablo Assante, sind in einem Atemzug mit denen des Orchesters zu nennen. Bei den Solisten sind die Eindrücke unterschiedlich. Jugendliches Feuer oder Leidenschaften gar sind bei Robert Dean Smith als Lohengrin und Soile Isokoski als Elsa nicht zu erwarten, aber sehr geschmackvoller Gesang schon, und da gibt es kaum Enttäuschungen. Ihre Gegenspieler, Judith Neméth als Ortrud für die erkrankte Jane Henschel eingesprungen, und Wolfgang Koch als Telramund, verwechseln schon mal Lautstärke mit Intensität. Ausgewogener singt Kwangchul Youn den König Heinrich. Einen besonderen Eindruck hinterlässt der Bariton Christoph Pohl als Heerrufer, edle Tongebung und Stringenz des Ausdrucks müssen sich nicht widersprechen, zu erwähnen sind die vier Damen des Chores als gesanglich homogenes Quartett der Edelknaben.

Weitere Aufführungen: 17., 20.1.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2013

Boris Michael Gruhl

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