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Lokales Lieblingsstücke aus dem Stadtarchiv: Dresdens erster Wetterbericht
Dresden Lokales Lieblingsstücke aus dem Stadtarchiv: Dresdens erster Wetterbericht
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08:24 24.09.2019
Heute trägt jeder die aktuelle Wettervorhersage auf dem Smartphone bei sich. Früher musste man noch an die Aushangtafel gehen – insofern es eine gab. Quelle: dpa/Arno Burgi
Dresden

Wir haben die Mitarbeiter des Dresdner Stadtarchivs gebeten, aus den 40 Regalkilometern an Beständen ihre Lieblingsstücke auszugraben. Diese stellen wir nun in loser Folge vor. Heute schreibt Sylvia Drebinger über das Interesse an öffentlichen Wetterprognosen.

Als Erfinder der Wetterkarte gilt der französische Naturwissenschaftler Urbain Le Verrier (1811–1877). Er erstellte am 19. Februar 1855 die erste auf telegrafisch mitgeteilten Daten basierende Vorhersagenkarte für Frankreich. Im Nachgang der Präsentation des Projektes vor der Pariser Akademie der Wissenschaften entstand der meteorologische Wetterdienst in Frankreich. Auch auf dem Gebiet des ab 1871 gegründeten Deutschen Reiches wurden meteorologische Forschungen nun befördert.

Landkarten mit Luftdruck-Zeichnungen

Bereits um 1878 finden sich in den Verhandlungen der Stadtverordneten von Dresden Beschlüsse zur Veröffentlichung telegrafischer Wetterprognosen. Diese gingen auf die Angaben der in Leipzig ansässigen meteorologischen Centralstation für Sachsen unter Leitung des Geheimrates Dr. Carl Christian Bruhns (1830–1881) zurück. Täglich um 16 Uhr sollten sämtliche in Europa befindlichen meteorologischen Hauptstationen einen Wetterbericht nach Leipzig senden. Vor Ort erfolgten die Auswertung der Berichte und die Aufstellung einer für 24 Stunden gültigen Wetterprognose, deren Wahrheitsgehalt auf 70 Prozent geschätzt wurde. Die Angaben wurden unter anderem nach Dresden telegrafiert, so dass ab 18 Uhr der Aushang an öffentlichen Plätzen wie dem Altstädter und dem Neustädter Rathaus erfolgte.

Durch Zusammenarbeit aller Regierungen der Bundesstaaten des Deutschen Reiches wurde die Einführung eines einheitlich gestalteten „öffentlichen Wetter-Nachrichten-Dienstes“ festgelegt. Maßnahmen zur Durchsetzung dieses öffentlichen Wetterdienstes wurden in Sachsen ab dem 31. Mai des Jahres 1906 durch das Königliche Ministerium des Inneren ergriffen.

Neben den bereits etablierten telegrafierten Wettervorhersagen, die sich auf Wind, Bewölkung, Niederschlag und Temperatur bezogen, sollten zusätzliche Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes zu Dresden angebracht werden. Die Wetterkarten waren Landkarten, die mit einfachen am Rande erläuterten Zeichen die Verteilung des Luftdruckes über Europa darstellten und Rückschlüsse auf hiesige Witterungsvorgänge ermöglichten.

Laubegast und Cossebaude sagen ab

Die umfassende Weitergabe aktueller Wetterinformationen, deren besonderer Wert vor allem für die Landwirtschaft betont wurde, sollte über Schaukästen erfolgen, die an öffentlichen Orten – insbesondere an den Außenwänden der Postanstalten – aber auch an Bahnhöfen, Schulen oder Gemeindeämtern aufgehängt wurden.

Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes

Während die Wetterkartenabonnements mit 50 Pfennig monatlich kostengünstig zu haben waren, erregte die Anschaffung der Kästen, die für das Aushängen des Wettertelegrammes und drei Wetterkarten vorgesehen waren, den Unmut einzelner Gemeinden. Die Kästen standen in zwei Varianten zur Verfügung, wobei die Konstruktion beider Modelle auf einem Grundrahmen basierte, der an der Hauswand befestigt wurde. Neben dem „einfacheren Kasten“ mit Maßen von 73 cm x 71 cm wurde auch ein „gegen Witterungseinflüsse besonders geschützter Kasten“ angeboten. Dieser bestach durch einen alle Seiten abschirmenden Glasdeckel, der über dem Grundrahmen angebracht und mit einem Schloss verriegelt werden konnte, um den Diebstahl der Wetterkarten sowie die Zweckentfremdung des Kastens zu verhindern.

Aber nicht nur die Kosten von 7 beziehungsweise 8 Mark pro Kasten sollten von der Gemeinde getragen werden, sondern auch der finanzielle Aufwand für Aufhängung, Glasscheiben und wetterfesten Anstrich. Diese Maßnahmen missfielen insbesondere dem Rats- und Verwaltungsausschuss von Laubegast und Cossebaude, die dem Gemeinderat kurzerhand empfahlen, die Maßnahmen unter Verweis auf mangelnde Landarbeit in ihrer Region abzulehnen. Die Gemeinde Weißer Hirsch entschloss sich zum Abonnement weiterer Wettervorhersagen, wollte auf die Anschaffung der Wetterkarten allerdings ebenfalls verzichten.

Von Sylvia Drebinger

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